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Grevenbroich
Platz fürs Pflegekind in Haus und Herz

Grevenbroich: Platz fürs Pflegekind in Haus und Herz
Mit Plakaten wie diesem starteten die Marketing Gesellschaft Mönchengladbach und der Fachbereich Kinder, Jugend und Familie im Februar 2011 die gemeinsame Kampagne "Pflegeeltern gesucht" FOTO: MGMG
Grevenbroich. Das Jugendamt Grevenbroich sucht Pflegeeltern, die ein oder zwei Kinder bis zu sechs Jahren auf Dauer in ihr normales Familienleben integrieren möchten. Interessenten sind zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Von Gundhild Tillmanns

Nicht alle Kinder können bei ihren leiblichen Eltern groß werden. Echte Waisenkinder gibt es zwar selten in Grevenbroich, wie Karin Unverhau, Fachbereichsleiterin im städtischen Jugendamt, berichtet. Aber für sogenannte Sozialwaisen, Kinder von suchtkranken Eltern, traumatisierte kleine Menschen sucht das Jugendamt dringend liebevolle Pflegeltern. "Wir suchen Eltern, die nicht nur einen Platz in ihrer Wohnung oder in ihrem Haus, sondern vor allem auch in ihrem Herzen für ein Pflegekind haben", betont Unverhau.

Dieses "Wir", das sind vor allem drei Pflegeberaterinnen des Jugendamtes Grevenbroich, die Pflegeeltern und -kinder engagiert begleiten. Etwa 80 Kinder befinden sich aktuell laut Jugendamt in Pflegefamilien in Grevenbroich. Bis zu zwei Kinder im Alter bis zu sechs Jahren werden laut Unverhau in der Regel pro Familie vermittelt. Ältere Kinder hätten zumeist in ihren Herkunftsfamilien schon so viel Negatives erlebt, dass sie besser in stationärer Betreuung wie Wohngruppen aufgehoben seien.

Im besten Fall sei die Unterbringung eines Kindes in einer Pflegefamilie sogar beglückend für alle Beteiligten: "Wir haben auch immer wieder Erfolgserlebnisse", berichten die Pflegeberaterinnen Birte Strommenger und Claudia Sonderfeld. Das dokumentierten auch Fotos von Kindern am Tag der Inobhutnahme und wenn, sie sich in der Pflegefamilie eingelebt hätten: "Die meisten Kinder haben am Anfang einen leeren Blick und reagieren auf keine Ansprache. Wenn sie aber in der Pflegefamilie angekommen sind, entwickeln sie sich oft rasant", sagt Unverhau. Und Sonderfeld fügt hinzu: "Die Augen der Kinder gehen auf, ihre Haut wird rosig, und das machen Zuneigung und Liebe."

Gewollt sei es aber auch, dass die Pflegekinder den Kontakt zu ihren leiblichen Eltern aufrechterhalten. Besuche nach dem individuellen Hilfeplan werden in bestimmten Zeitabständen ermöglicht, allerdings nie in den Pflegefamilien, sondern im Beisein der Pflegeberaterinnen im Jugendamt. "Es kommt auch immer wieder vor, dass leibliche Eltern sagen, ihr Kind hätte sich bei ihnen nie so gut entwickeln können, wie in der Pflegefamilie", berichtet die Fachbereichsleiterin. Und Karin Unverhau weist ausdrücklich darauf hin, dass Eltern das Recht haben, von sich aus das Jugendamt um Hilfe zu ersuchen, wenn ihnen ihre Kinder zum Beispiel in der Pubertät im Wortsinn "über den Kopf wachsen".

Sie ermuntert, mögliche Hemmschwellen zu überwinden. Bevor Eltern ein Pflegekind aufnehmen dürfen, läuft ein bis zu sechsmonatiges Prüfverfahren. Zur Erstorientierung rät das Jugendamt zu den Informationsabenden, die mehrfach im Jahr in Grevenbroich und in anderen Städten im Rhein-Kreis Neuss stattfinden. Denn die Pflegeelternvermittlung und -betreuung ist laut Fachbereichsleiterin ein Netzwerk der Städte Grevenbroich, Dormagen und Neuss. Dazu komme der Kreis Neuss.

Unverhau stellt übrigens fest, dass sich auch Pflegeelternbewerber melden, die 40 Jahre und etwas älter sind. Bewerber müssten sich aber vor Augen halten, dass sie nach Möglichkeit mindestens bis zum 18. Lebensjahr für das Pflegekind da sein sollten. Grundsätzlich gelte, dass den Pflegekindern "ein normales Alltagsleben" ermöglich werden soll, betont Unverhau.

Quelle: NGZ
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