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Grevenbroich
Polizei rechnet mit friedlichen Protesten

Grevenbroich: Polizei rechnet mit friedlichen Protesten
Aus einem symbolischen Kühlturm entließen Demonstranten gestern in Neurath große, mit Kohlendioxid gefüllte Ballons. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Gestern wurde friedlich vor dem Neurather Kraftwerk demonstriert. Die Polizei geht davon aus, dass sich das morgen fortsetzen wird. Braunkohle-Gegner des Aktionsbündnisses "Ende Gelände" haben Blockaden im Revier angekündigt. Von Wiljo Piel

Etwa 100 Aktive des Demo-Bündnisses "Klima schützen, Kohle stoppen" machten sich gestern vor dem Neurather Kraftwerk schon einmal warm für einen heute geplanten Protestzug durch die Bonner Innenstadt. "Hopp, Hopp, Hopp - Kohle stopp" wurde lautstark unter einer Hochspannungsleitung skandiert. Nicht nur der"Schlachtruf", sondern auch die schwarzen, mit Kohlendioxid (CO2) gefüllten Ballons, die unter den Schwaden der BoA aus einem symbolischen Kühlturm entlassen wurden, werden am Nachmittag bei der Großdemonstration in der ehemaligen Hauptstadt eine Rolle spielen.

Die gut zwei Meter großen Ballons sind ein schönes Sinnbild, meint Dirk Jansen. "Die Emissionen aus den Kraftwerken tragen maßgeblich zum Klimawandel bei. Um die Menge CO2 darzustellen, die das Neurather Kraftwerk an einem Tag ausstößt, müssten fast 20 Millionen solcher Ballons befüllt werden", sagt der Geschäftsleiter der NRW-Landesverbandes im Bund für Umwelt und Naturschutz.

Morgen wird der Protest im Revier fortgesetzt. Das Aktionsbündnis "Ende Gelände" hat für Sonntag zu Blockaden von Tagebauen, Kraftwerken und Lieferstrecken aufgerufen. Mehr als 1000 Teilnehmer, auch aus der internationalen Szene, werden erwartet. Die Aachener Polizei rechnet mit weitgehend ruhigen Protesten gegen die Braunkohle. "Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der Demonstrationen und Mahnwachen friedlich bleiben wird", sagt Polizeipräsident Dirk Weinspach. Er erwarte keinen eklatanten Gewaltausbruch und auch keine massiven Gewaltstraftaten. Am Hambacher Forst, der exemplarisch für den Konflikt um die Braunkohle steht, sind kurz vor Beginn der Weltklimakonferenz zwei Demonstrationen und sieben Mahnwachen geplant. Sorge bereitet der Polizei aber die nach ihrer Einschätzung gewaltbereite Szene, die den uralten Wald seit Jahren besetzt.

"Ende Gelände" geht es nach Meinung der Polizei darum, in einen Tagebau einzudringen, um mit bildgewaltigen Botschaften vor Baggern und Bandanlagen zu demonstrieren. Das Eindringen in den Tagebau sei Hausfriedensbruch - und darüber hinaus auch gefährlich, wie RWE mitteilt. "Wer die Betriebsanlagen betritt, begibt sich in Lebensgefahr", warnt Sprecher Lothar Lambertz. Und er kündigt an: Das Unternehmen werde unbefugtes Eindringen konsequent anzeigen.

Der Konzern respektiere das Recht auf freie Meinungsäußerung, sagt RWE-Vorstand Lars Kulik. "Dieses Recht darf allerdings nicht dazu missbraucht werden, um Straftaten unter dem Deckel des Klimaschutzes zu verüben." Auch Manfred Holz, stellvertretender Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates von RWE Power, betont: "Der Klimaschutz ist ein viel zu wichtiges Anliegen, als dass es durch kriminelle Handlungen in Misskredit gebracht wird. Ich hoffe, dass die Proteste nicht aus dem Ruder laufen."

Bei den Protesten von Braunkohlegegnern vor etwa zwei Monaten waren rund 2500 Polizeikräfte aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Einsatz. Die Einsatzstärke für dieses Wochenende gibt die Polizei im Vorfeld nicht bekannt.

Quelle: NGZ
 
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