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Grevenbroich
Porzellanhaus Bolz schließt Anfang 2018

Grevenbroich: Porzellanhaus Bolz schließt Anfang 2018
Margot Bolz-Phillipps mit ihren Eltern Gertrud und ,Hans Günter Bolz - die dritte und vierte Generation im Familienbetrieb. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Eine Wevelinghovener Tradition geht nach 135 Jahren zu Ende, das Familienunternehmen wird nach vier Generationen schließen. Von Carsten Sommerfeld

Noch sind die Vitrinen und Regale voller Porzellan, kleine Engel künden vom nahenden Weihnachtsgeschäft. Es wird das letzte für das alteingesessene Unternehmen sein. Anfang 2018 wird das Porzellanhaus Bolz, An der Eiche, seine Türen schließen - für immer.

Gründe für den schweren Schritt gibt es mehrere - "unter anderem Alters- und gesundheitliche Gründen", erklärt Horst Phillipps (57), dessen Frau Margot Bolz-Phillipps (56) das Geschäft in vierter Generation führt. Ihre Mutter Gertrud Bolz (84) war bis vor zwei Jahren im Geschäft, Vater Hans Günter Bolz steht mit 83 Jahren noch hinter der Verkaufstheke. Doch es gibt auch andere Gründe. "Die Wertschätzung für hochwertiges Porzellan und andere Haushaltsartikel ist geringer geworden", beobachtet Margot Bolz-Phillipps. "Viele Menschen heiraten heute in späterem Alter als früher." Anstelle einen Haushalt neu auszustatten, würden oft zwei zusammengelegt. Vorbei sind die Zeiten, als bei Bolz bis zu 120 Geschenkelisten im Monat für Hochzeiten und andere Anlässe erstellt wurden, von denen sich Gäste das Gewünschte aussuchten. Auch die Konkurrenz im Internet macht sich bemerkbar. Sich selbst in Richtung Discount- oder Internet-Geschäft umzuorientieren - für die Familie undenkbar. "Wir legen großen Wert auf den Kontakt mit dem Kunden und auf Beratung, um genau das Passende für ihn in der gewünschten Menge zu finden", sagt die Inhaberin.

Von Köln bis Meerbusch und Düsseldorf reicht der Kundenkreis, Bestellungen kamen sogar aus Amerika und Afrika. Und wer etwas suchte, hörte von Grevenbroichern oft: "Geh zu Bolz, die haben alles." Auf 240 Quadratmetern wird Porzellan unter anderem von Rosenthal, Hutschenreuther, Villeroy & Boch, KPM, Herend und Royal Kopenhagen präsentiert. In der Haushaltswarenangebot reicht das Angebot von der Kanne bis zur Auflaufform und zum Rührbesen. In einer Ecke finden sich, zum Teil in hölzernen Schubläden, Schrauben und andere Eisenwaren - wie seit Jahrzehnten. Doch es ist ruhiger geworden im Geschäft. "Es geht nicht mehr", erklärt Hans Günter Bolz.

Angefangen hatte alles 1882 mit einer Schmiede seines Großvaters am Wehr. Anfang des 20. Jahrhundertes wurde der Betrieb um ein Ladenlokal mit Eisen- und Haushaltswaren für den täglichen Bedarf erweitert. Hans Günter Bolz hat noch das Schmiedehandwerk erlernt und Pferde beschlagen. Das Unternehmen trägt unverändert den Namen seines Vaters Johann Bolz, der zweiten Generation.

Eine Schlosserei kam hinzu, 1953 wurden neue Räume An der Eiche bezogen. Gertrud Bolz kam 1960 ins Geschäft, das Angebot wurde damals um hochwertiges Porzellan erweitert. "Komplette Services waren gefragt - immer zwölfteilig", erinnert sie sich.

Bis zu 25 Mitarbeiter arbeiteten bei Bolz, sieben sind es heute. "Wir wollen eine sozialverträgliche Lösung", sagt Horst Phillipps. Am 2. November startet der Ausverkauf, der genaue Schließungstermin steht noch nicht fest.

Quelle: NGZ
 
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