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Grevenbroich
Quecksilber-Diskussion geht mit den Grünen in eine neue Runde

Grevenbroich. "Vorweg gehen": Mit diesem Slogan wirbt RWE. Der einprägsame Spruch soll vermitteln, dass der Energie-Riese fortschrittlich und zukunftsorientiert handelt. "Wer nur das Nötigste tut, der kann nicht behaupten, dass er tatsächlich vorweg geht", sagt Hans Christian Markert. Der Landtagsabgeordnete und umweltpolitischer Sprecher der Grünen fordert, dass RWE den Ausstoß von Quecksilber an seinen Braunkohlenkraftwerken freiwillig noch stärker verringert - und das zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Seine Partei steht hinter ihm. "Ich verstehe nicht, warum RWE nicht die Chance nutzt und mit geringem finanziellen Aufwand eine Vorreiterrolle übernimmt. Damit würde das Unternehmen wirklich vorweg gehen", sagte der Politiker jetzt im Vorfeld einer Diskussions-Veranstaltung seiner Partei im Alten Schloss.

Das Thema Quecksilber beschäftigt Politiker aller Ebenen, Städte wie Grevenbroich und auch Konzerne wie RWE nun schon seit einigen Monaten, doch ein "Skandal" ist daraus nie geworden. Vielleicht auch deshalb, weil laut Experten kein akutes Gesundheitsrisiko durch die geringen Ausstoßmengen (in den Grevenbroicher Kraftwerken sollen es durchschnittlich nur vier bis sieben Mikrometer pro Kubikmeter sein) des Schwermetalls besteht, das Menschen etwa durch den Verzehr von Fischen aufnehmen können. RWE - das bestätigen Studien - hält in Sachen Quecksilberausstoß sogar die Grenzwerte ein, die der Konzern erst ab dem Jahr 2019 einhalten müsste. Doch laut den Grünen sei technisch inzwischen noch mehr möglich, nämlich eine Verringerung des Ausstoßes auf "die kleine Eins", also durchschnittlich einen Mikrometer pro Kubikmeter.

Den Beweis dafür, dass das möglich ist, liefern dem Emissions-Experte Christian Tebert zufolge andere Unternehmen - zum Beispiel Vattenfall. Aus diesem Grund spricht der Ökopol-Fachmann von "Zeitschinderei". Der Ingenieur ist der Verfasser einer bundesweit bekannten Quecksilberstudie und äußerte sich jetzt bei der Grünen-Veranstaltung im Alten Schloss, an der auch hochrangige Vertreter von RWE teilnahmen. Bei Quecksilber stehe RWE im Vergleich zu anderen Unternehmen - etwa in den USA - "noch immer ganz hinten an"; es werde auf Zeit gespielt und auf neue Gesetze gewartet. Der Ökopol-Experte schafft den Bündnisgrünen damit eine Basis für ihre Argumente, zu denen auch die "historische Belastung" in Luft und Gewässern durch 100 Jahre Braunkohlenförderung in der Region zähle.

Nach Auskunft von RWE sei der Konzern bestrebt, die Emissionen weiter zu reduzieren. Dafür würden derzeit verschiedene Techniken getestet. "Diese Tests benötigen Zeit", sagt RWE-Sprecher Jan-Peter Cirkel. Noch stünde keine serienreife Technik für die Braunkohlenkraftwerke zur Verfügung. "Aussagen, dass die Abscheidung von weiteren Quecksilbermengen kurzfristig zu geringen Kosten verbessert werden kann, wurden gutachterlich untersucht und als unrealistisch eingestuft." Die Fachwelt teile die Einschätzung.

(cka)
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