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Grevenbroich
Ratsherr Bovermann kämpft um Erbe

Grevenbroich. In Thüringen steht ein Haus, als dessen Erbe sich Thomas Bovermann versteht. Der Grevenbroicher kämpft darum. Von Jessica Balleer

Als 26-Jähriger erst lernt Thomas Bovermann seinen leiblichen Vater kennen. In Heilbronn trifft ihn der Grevenbroicher erstmals. Fast 20 Jahre ist das jetzt her. Mittlerweile ist sein Vater, der Hans-Joachim Bartels hieß und dessen Lebensgeschichte einige Ungereimtheiten aufweist, verstorben. Doch obwohl Thomas Bovermann (46) sein Sohn ist und sich deshalb als Erbe des Nachlasses versteht, nennt sich auch fünf Jahre nach dem Tod des Vaters nicht Bovermann Eigentümer eines Hauses im thüringischen Schmiedefeld am Rennsteig, sondern der Freistaat Thüringen.

Thomas Bovermann ist Ratsherr in Grevenbroich und seit 1995 freier Journalist. Geboren wurde er im November 1970 in Freudenstadt im Schwarzwald. Den Namen "Bovermann" bekam er, weil seine Mutter zu dieser Zeit eigentlich mit einem Offizier der britischen Rhein-Armee verheiratet war, der diesen Namen trug. Doch die Mutter lebte nicht beim Ehemann, sondern mit Sohn Thomas und ihrem neuen Partner Hans-Joachim Bartels in der ehemaligen DDR. Zumindest so lange, bis Bartels von einem Sondereinsatzkommando festgenommen wurde, wie Bovermann erzählt. Nach fünf Jahren in den USA, kehrten Mutter und Sohn zurück nach Deutschland. Die Mutter fand eine neue Liebe, die Familie zog nach Grevenbroich-Neurath.

"Ich vermute, dass mein Vater damals für den Bundesnachrichtendienst gearbeitet hat", sagt Thomas Bovermann. Beim ersten Wiedersehen von Vater und Sohn habe dies Hans-Joachim Bartels selbst angedeutet. Das fand 1997 in Heilbronn statt, weil der Grevenbroicher erst 1991 von seiner Tante erfuhr, wer sein Erzeuger war.

Bartels sei Luftwaffenoffizier der Nationalen Volksarmee gewesen. "Anfang 1970 muss er in den Westen gekommen sein", vermutet Bovermann. "Er durfte über vieles nicht sprechen." Als er 1997 vor dem ersten Treffen mit seinem Vater beim Heilbronner Einwohnermeldeamt nach Hans-Joachim Bartels fragte, konnten die Beamten keine Datensätze finden. "Da kann man ja dran fühlen, dass da etwas nicht stimmte", sagt Bovermann.

2003 erst erkannte Bartels die Vaterschaft nach einer Klage an. Der Kontakt blieb sporadisch. "Es war nicht ungewöhnlich, dass mein Vater mal für ein paar Wochen verschwand." Im September 2014 wurde Thomas Bovermann nach langer Funkstille dennoch skeptisch. Er rief in Güstrow, dem Geburtsort seines Vaters, an und erfuhr, dass Bartels am 11. Februar 2010 verstorben war. "Ich wusste, dass mein Vater ein Grundstück in Thüringen besessen hatte. Das war früher eine Pension der Stasi." Als Erbe hätte er es erhalten müssen, meint Bovermann. Doch mit dem Grevenbroicher Rechtsanwalt Michael Zimmermann fand er heraus, dass der Freistaat Thüringen den Nachlass übernommen hatte.

Das Amtsgericht in Ilmenau fordere ihn regelmäßig auf, seine Identität nachzuweisen. 256 Anwaltsseiten liegen laut Bovermann zu dieser Sache nun auf dem Schreibtisch der Anwaltskanzlei Zimmermann. "Ich vermute, dass da etwas vertuscht werden soll", glaubt Bovermann. Sein Anwalt führt die Verzögerung schlicht auf behördliche Hürden zurück, als Nachwehen der Deutschen Teilung. "Er hat seine Identität als Erbe nachgewiesen", sagt Zimmermann. Ob es weitere Erben gibt, sei unklar. Doch Verschwörung oder Bürokratie: Den Erbschein hat Bovermann bis heute nicht erhalten.

Quelle: NGZ
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