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Grevenbroich
Rentner bringen Park auf Vordermann

Grevenbroich. Auf dem Sofa sitzen und den Ruhestand genießen - das ist nicht das Ding von Johannes Haas und seinen Mitstreitern. Die Rentner packen an, um einen Landesgartenschau-Park in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Von Wiljo Piel

Es war 1995, als Grevenbroich überregional auf sich aufmerksam machte. Die Energie-Kommune war Stadt der Landesgartenschau - mehr als eine Million Besucher kamen an die Erft, um die neugestalteten Parks im Herzen der City zu erkunden. Dieser Höhepunkt in der mehr als sieben Jahrhunderte währenden Stadtgeschichte wird sich 2020 zum 25. Mal jähren. Bis zu diesem Jubiläum will eine engagierte Truppe von Heimatfreunden einen wahren Kraftakt bewältigen. Die Mitglieder haben sich vorgenommen, den Stadtpark wieder in den Zustand zu versetzen, in dem er 1995 einmal war.

Der von dem Neusser Landschaftsarchitekten Georg Penker geplante Grüngürtel am Rand der Fußgängerzone gehörte einst zu den Höhepunkten der Landesgartenschau. "Leider ist er in den vergangenen Jahrzehnten sehr vernachlässigt worden. Er wurde zwar gepflegt, aber ohne Konzept und Strukturen", beklagt Johannes Haas. Dass der Wildwuchs in großen Teilen der einst so properen Anlage herrscht, wurmt den 77 Jahre alten ehemaligen Ingenieur. "Dagegen muss dringend etwas gemacht werden." Dieser Meinung sind auch die Ruheständler Heinz Kaufmann (76) und Bernhard Oberbach (66) - und wie das im Rheinland so ist: Das rüstige Rentner-Trio gründete vor knapp einem halben Jahr den "Förderverein Stadtpark Grevenbroich". Das Ziel der mittlerweile mehr als 50 Mitglieder: Über Beiträge, Spenden und Sponsoren soll möglichst viel Geld zusammenkommen, um den Park mit fachmännischer Hilfe auf Vordermann bringen zu können.

Dabei gehen Vorsitzender Johannes Haas und seine Mitstreiter alles andere als blauäugig ans Werk. Sie haben sich mit dem Gartenarchitekten Bernd Franzen einen Experten ins Boot geholt, für den das Mitmachen im Förderverein so etwas wie Ehrensache ist. "Schließlich bin ich der erste Bürger der Stadt", sagt der ehemalige RTL-Fernsehgärtner augenzwinkernd. Und tatsächlich war er das erste Baby, das nach dem Start der Kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1975 in der "neuen" Stadt Grevenbroich das Licht der Welt erblickte. Außerdem hat er in den 90ern als "Zivi" dabei geholfen, viele Tausend Blumen für die Landesgartenschau zu pflanzen.

In Absprache mit der Stadt und dem Gartenschauplaner Penker berät Bernd Franzen den Verein nun in Sachen Parkpflege. Und bis 2020 gibt es noch allerhand zu tun: Weil Bäume und Sträucher in den vergangenen Jahren wucherten, sind viele dunkle Stellen auf dem Gelände entstanden - "und damit Angsträume für die Besucher", sagt Franzen. Auch die von Georg Penker geschaffenen Sichtachsen - etwa zur City-Kirche oder zum Museum - sind heute so gut wie nicht mehr existent. "Unter dem Motto ,Weniger ist mehr' muss eine Menge freigeschnitten werden", sagt der Gartenarchitekt. Ziel ist es, wieder offene Räume im Stadtpark zu gestalten, mit großen Bäumen und weiten Rasenflächen. Also all dem, was einen "richtigen Park" so ausmacht. "Und in dem sich die Besucher sicher fühlen sollen", sagt Bernhard Oberbach. Vor allem älteren Menschen soll die Angst vor den vielen "dunklen Ecken" in der Grünzone genommen werden.

Die ersten Arbeiten haben begonnen. Mit Hilfe der Stadtbetriebe sowie von zwei heimischen Landschafts- und Gartenbaufirmen, die den Verein tatkräftig unterstützen, wurde am Eingang des Parks schon ordentlich gearbeitet. In der Nähe des gewaltigen Kunst-Blitzes "Permanent Lightning" wurden Sträucher gekappt, wildgewachsene Bäume entfernt und zahlreiche Äste weggeschnitten. "Das Ganze sieht schon viel heller aus", sagt Johannes Haas mit einem Blick auf den ersten Abschnitt, der allerdings noch lange nicht fertig ist. Demnächst sollen an den Teichen, die den Eingang zum Stadtpark markieren, rosa blühende Rosen gepflanzt werden; ganz in der Nähe werden Rhododendron-Felder entstehen.

So soll es in den nächsten Monaten weitergehen. Bekommt der Verein genügend Geld zusammen, möchte er auch den in die Jahre gekommenen "Granit-Fächer" in der Nähe des Museums sanieren lassen. Außerdem soll er wieder bunt bepflanzt werden. "Das wäre noch das i-Tüpfelchen auf der ganzen Sache", meint Johannes Haas. Weil die Kosten für die Pflanzen und deren Pflege zu hoch waren, hatte die Stadtverwaltung vor einigen Jahren die in dem "Fächer" stehenden Blumen entfernt und sie gegen Bodendecker ausgetauscht - was seinerzeit bei vielen Grevenbroichern nicht gerade auf Begeisterung stieß.

Der Anfang ist gemacht. Jetzt will der Verein stärker in die Werbung einsteigen, um noch mehr Grevenbroicher für seine Idee zu begeistern. Ein Web-Designer hat eine Homepage für die Stadtpark-Förderer entworfen, die schon bald online gehen soll. Zudem wird an einem Faltblatt gearbeitet, mit dem für eine Mitgliedschaft in dem Verein geworben werden soll - mit 25 Euro im Jahr kann jeder seinen Beitrag für einen schöneren Stadtpark leisten. Diesen "Flyer" werden Johannes Haas und seine Mitstreiter auch beim nächsten Stadtfest "City-Frühling" verteilen, das Ende April in Grevenbroich gefeiert wird.

Im Jubiläumsjahr 2020 soll im Park gefeiert werden, gemeinsam mit anderen Gemeinschaften wie dem Verkehrs- und dem Kunstverein, die sich ebenfalls für ihre Stadt engagieren. Nachdem die Sektkorken geknallt haben, soll aber noch lange nicht Schluss sein. "Wir setzen auf Nachhaltigkeit", sagt Haas. Der Verein will weitermachen, damit die Pflege der grünen Lunge weiterhin gewährleistet ist. Damit soll letztlich auch die notorisch klamme Stadt finanziell entlastet werden.

Quelle: NGZ
 
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