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Grevenbroich
Schleuser schickt Flüchtlinge per Taxi

Grevenbroich: Schleuser schickt Flüchtlinge per Taxi
Die Alte Feuerwache dient derzeit ebenso als Notunterkunft für Flüchtlinge wie die Turnhalle an der Schlossstraße. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. Mitten in der Nacht stand eine Flüchtlingsfamilie unangemeldet vor der Alten Feuerwache. Die drei Personen wurden offenbar von einem Schleuser nach Düsseldorf gebracht und dort in ein Taxi nach Grevenbroich gesetzt. Von Andreas Buchbauer

Eine albanische Familie hat mitten in der Nacht um Aufnahme in der Flüchtlingsnotunterkunft in der Alten Feuerwache gebeten. Das erklärte Sozialdezernent Claus Ropertz gestern. Demnach standen am späten Donnerstagabend plötzlich drei Personen vor der Notunterkunft, die nicht zu den 151 dort untergebrachten Flüchtlingen zählen. "Zunächst dachten wir, die Bezirksregierung habe uns drei weitere Personen zugewiesen", sagt Ropertz. "Es stellte sich allerdings ziemlich rasch heraus, dass dies nicht der Fall war." Mit Hilfe eines Dolmetschers sei schließlich geklärt worden, dass die Familie aus Albanien offenbar von einem Schleuser nach Düsseldorf gebracht und dort in ein Taxi mit Ziel Grevenbroich verfrachtet worden sei. "Weitere Details wissen wir noch nicht", sagt Ropertz.

Die Nacht verbrachte die Familie getrennt von den anderen Flüchtlingen in der Alten Feuerwache. "Wir mussten die drei Personen isoliert unterbringen, da sie noch keiner Erstuntersuchung unterzogen wurden", erklärt Ropertz. Gestern sei die Familie dann nach Rücksprache mit der Bezirksregierung Arnsberg in die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes nach Unna-Massen gebracht worden.

Das Security-Personal an den beiden Grevenbroicher Notunterkünften in der Alten Feuerwache sowie der Turnhalle an der Schlossstraße wurde darauf hingewiesen, wachsam zu sein und zu kontrollieren, ob Schleuser dort in den kommenden Tagen weitere Personen absetzen lassen. "Für uns war dieses Vorgehen vollkommen neu", sagt Ropertz. Die Verwaltung hofft, dass es bei einem Einzelfall bleibt.

In der Tat kommt es laut Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg, nicht häufig vor, dass neue Flüchtlinge plötzlich unangemeldet vor einer Notunterkunft auftauchen und um Aufnahme bitten. "Das ist nicht der Regelfall", sagt er. "Grundsätzlich müssen die Flüchtlinge zunächst in eine der fünf großen Erstaufnahmestationen, um ins System zu gelangen und das Asylverfahren in Gang zu setzen." Die fünf großen Erstaufnahmestationen in NRW befinden sich in Dortmund, Bielefeld, Bad Berleburg, Burbach und Unna-Massen. Weil diese überlastet sind, werden die Flüchtlinge momentan von dort aus auf die Notunterkünfte - zum Beispiel in der Alten Feuerwache und der Turnhalle an der Schlossstraße - verteilt.

Quelle: NGZ
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