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Grevenbroich
Schneckenhaus will Insekten helfen

Grevenbroich: Schneckenhaus will Insekten helfen
Die Schneckenhaus-Mitarbeiter Phillip Laaser (l.) und Thomas Schieler bereiten das "Bett" für eine neue Wildkräuterwiese. FOTO: Georg Salzburg
Grevenbroich. Am Umweltzentrum werden zwei Wiesen angelegt, die künftig einen idealen Lebensraum für die immer seltener werdenden Insekten bieten sollen. Die beiden Flächen sollen auch Vorbild für weitere Wiesen im Stadtgebiet sein. Von Wiljo Piel

Forscher veröffentlichen dramatische Zahlen: Um teils mehr als 75 Prozent ist die Zahl der Insekten in Deutschland binnen 27 Jahren zurückgegangen. Betroffen sind oftmals Arten, die an spezielle Lebensräume gebunden sind. Verschwinden diese Biotope, verschwinden auch Käfer, Hummeln, Schmetterlinge, Wespen, Wild- oder Honigbienen.

"Es fehlt an artenreichen Blühflächen - auch in Grevenbroich", sagt Ralf Dietrich vom Umweltzentrum Schneckenhaus. Viele Privatgärten seien grüne Wüsten, die meisten landwirtschaftlichen Flächen würden intensiv genutzt, da hätten Insekten kaum eine Chance. "Zudem werden öffentliche Wiesen oftmals mit Mulchmähern gepflegt, weil das Zeit spart", sagt Dietrich. Die liegen gebliebene Mahd reichere die Wiesen mit Nährstoffen an - und das habe Folgen: "Pflanzen mit geringen Nährstoffansprüchen werden verdrängt, die mit hohem Düngebedarf gefördert", sagt Dietrich.

So haben sich auch die Grünflächen vor dem Eingang des Schneckenhauses im Laufe der Jahre zu öden Fettwiesen mit starkem Brennnesselwuchs verwandelt. "Sie bieten vielen Insekten weder Lebensraum noch Nahrung", berichtet Ralf Dietrich. Um zu demonstrieren, wie es besser geht, gestaltet das Team des Umweltzentrums die beiden Grünflächen nun komplett zu Blühwiesen um - mit rund 30 verschiedenen Hülsenfrüchtlern, Kräutern und Gräsern. Die Wiesen sollen künftig eine Art Vorbild für weitere Flächen im Stadtgebiet sein, aber auch Anschauungsobjekte für private Gartenbesitzer. Und auch Schüler, die das "Grüne Klassenzimmer" des Schneckenhauses besuchen, können sich dort bald über artenreiche Wiesen informieren.

Eine Fläche ist bereits im Sommer gemäht worden, danach wurde die Grasnarbe aufgekratzt, bevor Mahd aus den Rekultivierungsgebieten von RWE ausgebracht wurde - "voll mit Wiesenpflanzen in Samenreife", sagt Dietrich. Bei der anderen Wiese wurde eine weitere Methode angewandt: Sie wurde abgeschält, zurzeit wird ein "Bett" für das Saatgut vorbereitet, das frühestens im März, spätestens im April auf der Fläche verstreut wird. Dort sollen im Sommer Schafgarben, Kornblumen und Wilde Möhren, aber auch Braunellen, Margeriten oder Lichtnelken blühen. "Ich denke, dass die ersten Ergebnisse Anfang Juni zu sehen sind", sagt Ralf Dietrich.

Um eine weitere Nährstoffanreicherung zu vermeiden, werden die beiden Flächen künftig nicht mehr mit dem Mulchmäher bearbeitet, sondern von Mitarbeitern im Bundesfreiwilligendienst von Hand gemäht. "Das Mahdgut wird selbstverständlich beseitigt", betont Ralf Dietrich. Das alles sei zwar etwas mehr Arbeit, die sich aber im Sinne einer Artenvielfalt lohne.

Das Schwinden der Insekten will das Schneckenhaus auch zum Thema seiner Vortragsveranstaltungen machen. Im September wird der Grevenbroicher Biologie Oliver Tillmanns, der sich auch mit Insekten im Heimatgebiet beschäftigt, einen Bericht zur Lage abgeben.

Quelle: NGZ
 
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