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Grevenbroich
Schüler erinnern an jüdische Schicksale

Grevenbroich. Seit 2014 ist der jüdische Friedhof Stadtmitte wieder begehbar - dank der Gesamtschüler der Projektgruppe "KKG - Gegen das Vergessen". Sie pflegen nicht nur Grabsteine, sondern erläutern sie auch künftig. Von Julia Nakötter

Die Übergabe der schwarzen, kreisförmigen Mützen hinter der Friedhofsmauer war ein symbolischer Akt: "Diese Kopfbedeckungen, Kippa genannt, die jeder männliche Friedhofsbesucher tragen sollte, gehören nun zu eurem Inventar", sagte Reinhold Stieber. Der geschichtsinteressierte Grevenbroicher betreut mit Lehrer Thomas Jentjens 35 Schüler der Projektgruppe "KKG - Gegen das Vergessen" der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule. Gestern erfolgte die Staffelübergabe auf dem jüdischen Friedhof Stadtmitte: Künftig bieten die Jugendlichen selbst Führungen über das Areal hinter dem Caritas-Haus an der Montanusstraße an und erinnern so an die Schicksale jüdischer Familien aus Grevenbroich.

"Unser Ziel ist es, nicht nur die rund 80 Gräber zu pflegen, sondern sich aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen", erklärte Melina aus der Jahrgangsstufe 13 während des Rundgangs. Zudem wollen die Gesamtschüler aus ihrer Perspektive erläutern, warum und wie sie sich gegen das Vergessen des Holocausts engagieren.

Seit 2011 gestalten die Jugendlichen aus den Jahrgangsstufen 10 bis 13 sowie ehemalige Schüler der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule das Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938 auf dem Grevenbroicher Synagogenplatz. Zudem machten sie sich bei der Stadt für die Sicherung der Grabmäler auf dem jüdischen Friedhof stark. Seit 2014 ist das Areal mit rund 80 Grabstätten, das über den Josef-Dickers-Weg zu erreichen ist, wieder begehbar. Die Projektgruppe hat die Patenschaft dafür übernommen.

"Wir engagieren uns hier, weil einige Juden heutzutage noch ihren Glauben im Stillen leben, obwohl sie Teil unserer Gesellschaft sind", berichtete auch Marina während der Friedhofsführung. Im vergangenen Jahr reiste die Gesamtschülerin der Jahrgangsstufe 13 mit 19 Aktiven der Projektgruppe nach Krakau und Auschwitz. Der Besuch der Gedenkstätte und des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, des größten deutschen Vernichtungslagers während der Nazi-Zeit, hat Marina und ihre Mitstreiter darin bestärkt, gegen das Vergessen zu kämpfen und mit der Projektarbeit weiterzumachen.

"Ein weiteres Ziel ist es daher, die grausamen Geschehnisse, den roten Faden zwischen Grevenbroich und Auschwitz deutlich zu machen", erklärte Lehrer Thomas Jentjens schließlich den Zuhörern. So soll im kommenden Jahr eine Gedenktafel an der Friedhofsmauer in der Stadtmitte angebracht werden. Diese erinnert an alle jüdischen Mitbürger der Stadt, die nicht dort bestattet worden sind.

Wissenswertes über die Grevenbroicher Familien, die ihre letzte Ruhestätte auf dem jüdischen Friedhof an der Montanusstraße gefunden haben, übermittelte gestern Reinhold Stieber den Jugendlichen sowie Interessierten: "Wer genau hinschaut, stellt fest, dass einige Namen immer wieder auf Grabsteinen zu lesen sind." So sind unter anderem 20 Stelen zu finden, in die der Familienname Fleck eingearbeitet wurde. "Zu David Fleck, dem einzig noch lebenden Nachfahren, wollen die Jugendlichen in Kürze Kontakt aufnehmen und ihm ihre Projektarbeit vorstellen", so Stieber.

Quelle: NGZ
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