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Grevenbroich
Schüler leiten eine Station im Krankenhaus

Grevenbroich: Schüler leiten eine Station im Krankenhaus
Rudolf Roth (hinten) und David Gries sind im dritten Ausbildungsjahr und Teilnehmer des Projekts "Schüler leiten eine Station". Zu ihren Aufgaben gehört auch, Tropfen, Tabletten oder wie hier eine Infusion vorzubereiten. FOTO: Anja Tinter
Grevenbroich. Theoretisches Ausbildungswissen setzten jetzt zehn Pflegeschüler praktisch auf Station um. Im Sommer absolvieren sie ihr Examen. Von Valeska von Dolega

Seit Monatsanfang ist Rudolf Roth (30) Stationsleiter der internistischen Abteilung mit kardiologischem Schwerpunkt des St.-Elisabeth-Krankenhauses. Auch sein Kollege David Gries (38) als Pflegekomplexmaßnahmen-Beauftragter ist neu. Beide allerdings haben die Posten bloß temporär: Sie sind zusammen mit acht Kommilitonen Teilnehmer des Ausbildungsprojekts "Schüler leiten eine Station", kurz "SLES".

Die Zehn, alle im dritten und damit letzten Ausbildungsjahr, stellen sich einer realitätsnahen Bewährungsprobe für ihren künftigen Beruf als Gesundheits- und Krankenhauspfleger. Die Azubis übernehmen nicht nur alle pflegerischen Aufgaben, sie organisieren auch selbstständig die gesamten Abläufe auf der Station

"Das Projekt bieten wir zum ersten mal in Grevenbroich an", erklärt Fleur Bergmann. Seit 2016 ist sie hauptamtliche Praxisleiterin, führte "SLES" bereits im vergangenen Jahr im Krankenhaus Dormagen durch, und ist jetzt bei der bis zum 25. April dauernden Maßnahme in St. Elisabeth so etwas wie der Joker im Hintergrund: "Ich stehe für alle Fragen oder Notfälle bereit." Außerdem wird jede der von den Azubis durchgeführte Früh- und Spätschicht zusätzlich von einer examinierten Fachkraft beaufsichtigt.

"Am ersten Tag waren wir alle sehr aufgeregt", sagt David Gries über zwar theoretisch bekannte Tagesabläufe, die praktisch doch anders sind. "Wir wurden ins kalte Wasser geworfen", nicht im Umgang mit Patienten, sondern "was die komplette EDV mit Patientenverwaltung inklusive Neuaufnahmen oder Entlassungen angeht, damit hatten wir bislang nicht viel zu tun", sagt der Pflegekomplexmaßnahmen-Beauftragte über die für einen Klinikbetrieb relevante Verwaltung und Organisation. "Jeder Tag ist spannend", beschreibt Stationsleiter Rudolf Roth die bereits absolvierten Schichten. Die Arbeit beginnt mit der akribischen Übernahme der Vorschicht, die Medikation mit Tabletten, Tropfen oder Infusionen vorzubereiten gehört ebenso dazu, wie Patienten zum EKG oder Röntgen zu fahren oder an der Seite der Ärzte Visite zu machen.

Als "genau richtigen Zeitpunkt" innerhalb der Ausbildung beschreibt Roth das Projekt "SLES", "es ist toll, Verantwortung übernehmen zu können und Wissen umzusetzen". Für die verschiedenen Posten wie Stationsleiter, dessen Stellvertretung, Hygienebeauftragter und Praxisanleiter, mussten die SLESler sich formal mit Anschreiben und Zwischenzeugnis bewerben, bevor es ins Gespräch ging. "Das war zwar bloß eine Simulation, aber doch eine Prüfung auf Herz und Nieren", erinnert sich Fleur Bergmann an dieses Training.

Die Patienten übrigens, im Vorfeld über die Maßnahme informiert, "finden das toll, dass wir komplett den Alltag gestalten und nicht bloß mitlaufen", wissen die Schüler. Fleur Bergmann lobt: "Die machen das klasse, alles läuft gut. Ich brauche eigentlich bloß gucken zu kommen." Geht alles glatt, kehren die Teilnehmer im Herbst mit bestandener Prüfung in der Tasche als examinierte Gesundheits- und Krankenpfleger und einer richtigen Anstellung ins Krankenhaus zurück.

Quelle: NGZ
 
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