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Grevenbroich
Schüler setzen Zeichen gegen das Vergessen

Grevenbroich: Schüler setzen Zeichen gegen das Vergessen
Blick auf das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau: Durch dieses Tor wurden die KZ-Häftlinge mit dem Zug transportiert. FOTO: Kalinowski
Grevenbroich. Die Schicksale jüdischer Familien aus Grevenbroich sind für Schüler der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Auschwitz greifbar geworden. Die Projektgruppe "KKG - Gegen das Vergessen" erinnert am 9. November an die Holocaust-Opfer. Von Julia Nakötter

Die Reise nach Krakau und Auschwitz hat Spuren hinterlassen. "Koffer, Schuhe und Haare aufgetürmt zu riesigen Bergen: Dieser Anblick hat schockiert", sagt Hendric Schmitz. "Es war eine Vernichtungsstadt", erzählt Mariana Tomovski. Der Besuch der Gedenkstätte und des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, des größten deutschen Vernichtungslagers während der Nazi-Zeit, hat sich den Schülern der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule ins Gedächtnis gebrannt. "Es war eine Bestätigung für die Grausamkeit des Holocausts", berichtet Nivetha Kulendran. "Und es hat uns noch mehr darin bestärkt, gegen das Vergessen zu kämpfen und mit der Projektarbeit weiterzumachen."

Seit 2011 gestalten die Jugendlichen aus den Jahrgangsstufen 10 bis 13 sowie ehemalige Schüler der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule unter Leitung von Lehrer Thomas Jentjens und Reinhold Stieber das Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938 auf dem Grevenbroicher Synagogenplatz. Insgesamt 35 Gesamtschüler engagieren sich in der Projektgruppe "KKG - Gegen das Vergessen", 19 von ihnen besuchten nun Krakau und Auschwitz.

"Die Reise war der bisherige Höhepunkt unserer Projektarbeit. Die Schicksale der jüdischen Familien aus Grevenbroich, an die wir am 9. November immer wieder erinnern, sind auch in Polen für uns greifbar geworden", sagt Lehrer Thomas Jentjens. Denn zahlreiche Grevenbroicher Juden seien während der Nazi-Zeit ins KZ Birkenau deportiert worden. "Unser Ziel ist es nun, diese Verbindung zwischen den Orten und den grausamen Geschehnissen, diesen roten Faden zwischen Grevenbroich und Auschwitz deutlich zu machen und ins Gedächtnis zu rufen", erläutert Schülerin Marina Habermann.

Dies soll während der fünften Gedenkfeier unter der Regie der Projektgruppe "KKG - Gegen das Vergessen" am Montag, 9. November, ab 18 Uhr auf dem Synagogenplatz geschehen. Dabei lenken die Gesamtschüler den Blick auch erstmals in die einzelnen Stadtteile. "Es waren Menschen wie Du und Ich, die in den einzelnen Orten integriert waren, bevor sie aus ganz Grevenbroich deportiert wurden", erläutert Thomas Jentjens.

Gemeinsam wollen die Schüler nicht nur erinnern und ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Sie beziehen auch klar Stellung gegen jegliche Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. "Die jüngsten Wahlen in Europa haben gezeigt, dass es in einigen Ländern einen Rechtsruck gegeben hat. Auch bei uns ist die Ablehnung gegenüber Fremden spürbar. Daher ist unser Erinnern heute so wichtig", sagt Halil Yoleri, der die Projektarbeit der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule mit aufgebaut hat und sie nun als Ehemaliger weiter unterstützt.

Und auch die Reise nach Krakau und Auschwitz hat den Jugendlichen gezeigt, dass es vor Ort Feindseligkeiten und anti-jüdische Tendenzen gibt. Anika Habermann: "Mit sehr eindeutigen Schmierereien an den Hauswänden haben wir gerade dort nicht gerechnet. Das hat uns aufgerüttelt."

Quelle: NGZ
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