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Nach Umzug in Düsseldorf
Grevenbroicher Schützen halten an Reichskriegsflagge fest

Schützen aus Grevenbroich halten an Reichskriegsflagge fest
Die Fahne wurde bis 1892 offizielle Kriegsflagge der kaiserlichen Marine und bis 1921 als Reichskriegsflagge von den Streitkräften des Deutschen Reichs geführt. FOTO: RP
Grevenbroich. Nachdem sich ein Zaungast bei einem Schützenumzug in Düsseldorf-Heerdt gestört fühlte, ist das Thema wieder in den Schlagzeilen: Ist es ein Problem, wenn Schützen mit der Reichskriegsfahne marschieren? Brauchtumsfreunde aus Grevenbroich und der Nachbargemeinde sehen das unaufgeregt.

Die Jüchener Schützen ziehen schon seit Jahren mit der Flagge durch den Ort. "Die ist sogar höchst amtlich genehmigt", sagt Ulrich Clancett, Regionaldekan und Sprecher des Bürgerschützen- und Heimatvereins (BSHV).

Für den Verein sei der Fall aber ebenso geklärt wie abgeschlossen: "Verboten ist die Reichskriegsflagge nur, wenn das Hakenkreuz drauf ist. Und selbstverständlich ist das bei unserem Marinezug I, der die ehemalige Kaiserliche Marine- und spätere Reichskriegsflagge mit sich trägt, nicht der Fall", sagt Clancett. Im Übrigen nähmen die Jüchener Schützen die Sache mit den Flaggen mit Humor: "Der Marinezug II geht mit einer dunkelblauen Flagge mit einem Anker drauf. Die heißt bei denen nur das Badetuch."

Vor etwa zehn bis 15 Jahren habe es auch einmal fast eine polizeiliche Anzeige durch einen Bürger gegeben: "Der musste mit seinem Auto den Schützenzug vorbeilassen und hat sich darüber geärgert. Da hat er die Flagge gesehen und wollte sie verbieten lassen", erinnert sich Clancett. Die Diskussion habe zwar Wellen bis zum Innenminister geschlagen, der "Skandal" sei aber schnell im Sande verlaufen.

In Allrath wird die Reichskriegsflagge vom Marinezug "Graf Spee" mitgeführt. "Aus Tradition", sagt Vereinspräsident Thomas Schmitz. Die Fahne gehöre seit vielen Jahren zum Schützenfest dazu. "Das hat nichts mit rechtem Gedankengut zu tun – davon distanzieren wir uns deutlich", sagt der Präsident. Ein junger Zug habe die Flagge von einem älteren übernommen, um den Brauch fortzuführen.

"Die Jungs, die sich vielfach sozial im Dorf engagieren, wissen, was sie durch den Ort tragen – und dass das nicht mit neonazistischem Gedankengut zu tun hat", sagt Schmitz. Auch in Elfgen wird die Reichskriegsfahne "hin und wieder" von der Marine mitgeführt, sagt Präsident Ulrich Wilms: "Das hat nie zu Beschwerden geführt." Der Bürgerschützenverein wolle an dem Brauch festhalten.

Wie die Düsseldorfer Schützen den Umgang mit der Reichskriegsflagge sehen, lesen Sie hier.

(gt/wilp)
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