| 18.33 Uhr

"Man kann sich auch anstellen"
So reagiert das Netz auf das Weck-Verbot in Grevenbroich

Schützen in Grevenbroich: Kein Verständnis für Weck-Verbot in Orken
Musizieren verboten: Für das Weck-Verbot gibt es unter Grevenbroichen kaum Verständnis. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Wenn die Polizei um fünf Uhr früh für Ruhe sorgt, dürfte eigentlich niemand etwas dagegen haben. In Grevenbroich-Orken aber hagelt es Kritik, weil die Beamten den Schützen das traditionelle Wecken mit Blasmusik untersagten. Die Meinung im Netz ist nahezu einhellig: Tradtion geht vor Nachtruhe. Von Laura Sandgathe

"Saublöd. So geht unsere Tradition kaputt", schreibt ein Nutzer auf der NGZ-Facebookseite. 287 Mal wurde der Artikel zum Thema seit Sonntagnachmittag geteilt, über 100 Mal wurde er kommentiert. Dass die Polizei das traditionelle musikalische Wecken des Orkener Tambourkorps am Sonntagmorgen auflöste, hat in der Stadt für Aufregung gesorgt. Die Schützen gingen spontan-kreativ mit der Situation um, legten die lauten Instrumente beiseite und begannen stattdessen, zu singen. Die Grevenbroicher Bürger aber ließ das Thema nicht so schnell los.

"Was 100 Jahre funktioniert hat, geht nicht mehr... traurig!!!", findet ein anderer Leser. Die Kommentatoren sind sich weitgehend einig: Die Tradition des Weckens ist gut, gehört zu Grevenbroich und soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Und das finden nicht nur überzeugte Schützen: "Auch wenn ich nicht der große Fan der Schützenmusik bin, verstehe ich die Menschen nicht, die Jahrhunderte währende Traditionen mit solch unnötigen Anrufen einfach blindlings kaputt machen. Klar kann man sich Schöneres vorstellen um diese Uhrzeit, aber Hand aufs Herz, es ist einmal im Jahr. Man kann sich auch anstellen", schreibt ein Nutzer. Ein anderer Leser versucht, zu vermitteln: "5 Uhr ist wirklich ein wenig früh, Tradition hin oder her. 8 Uhr täte auch reichen - und alle sind zufrieden".

"Ist doch nur einmal im Jahr"

Dafür, dass sich  Anwohner offenbar von der lauteren Marschmusik in der Nachruhe gestört fühlten und die Polizei riefen, haben nur wenige Verständnis. "Wenn einem das nicht passt, soll er woanders hinziehen", meint ein Nutzer bei Facebook. "Dauert ja auch nicht sooo lange. Ist nur einmal im Jahr", schreibt ein anderer. 

Nur einige wenige sind gegen das traditionelle Wecken durch die Schützen. "Ich finde diesen ganzen Schützenkrempel affig", schreibt ein Nutzer und bekommt prompt Gegenwind zu spüren. Ein anderer fordert mehr Verständnis auf beiden Seiten: "Alles okay, wenn die Schützenmittglieder-Nachbarn dann auch nicht jammern, wenn ich mal ohne Absicht ein bisschen über 22 Uhr Bass spiele. Dann waren die sehr aufgeregt an meiner Türe: 'Es gibt Leute, die morgens arbeiten müssen...'", schildert er. Ein Leser weißt daraufhin, dass sich Orken und seine Bewohner verändert haben und dass dies seiner Meinung nach mit den Traditionen kollidieren könnte: "Orken ist nicht mehr das Dorf, das es mal war. Orken ist Teil einer Stadt mit über 63.000 Einwohnern. Da kann man nicht mehr erwarten, dass jeder die alten Traditionen toleriert, wenn diese mit erheblichen Belästigungen verbunden sind".

"Tipp: Mitfeiern oder in den Urlaub fahren"

Die Polizei kommt in der Diskussion nicht gut weg. "Ich verstehe die Polizei in dem Falle auch nicht. Fingerspitzengefühl zur Pflege des heimatlichen Brauches hätte geholfen", schreibt ein Nutzer. "Die Polizei weiß doch eigentlich, dass das Wecken erlaubt ist", wundert sich ein anderer über das harte Durchgreifen der Polizisten. Die Polizei hatte schon kurz nach dem Vorfall einen Fehler eingestanden. "Die Untersagung des Weckens war nicht rechtmäßig", sagte Polizeisprecherin Diane Drawe. Tatsächlich aber stellte Ordnungsdezernent Claus Ropertz am Montag klar, dass die Schützen keine Sondergenehmigung für ihren Umzug um 5 Uhr hatten. Die Polizisten haben sich also doch rechtmäßig verhalten.

Schließlich gibt es diejenigen, die auf die ganze Aufregung mit Humor reagieren. "Endlich unternimmt mal einer was gegen den Krach (Ironie)", schreibt ein Nutzer. Und ein anderer: "Bei dem schönen Wetter will man doch früh geweckt werden." Ein Nutzer hat die perfekte Lösung für den Interessenskonflikt parat: "Schützenfest ist nur einmal im Jahr. Mein Tipp: Mitfeiern oder in den Urlaub fahren".

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