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Grevenbroich
Schultheater will Grenzen überschreiten

Grevenbroich: Schultheater will Grenzen überschreiten
Eine Szene aus dem Stück "Fa(u)st - Fast nach Goethe", mit dem Pocomania das Land NRW beim Schultheater-Festival vertrat. Foto: Klaus Stimpel FOTO: Klaus Stimpel
Grevenbroich. Das Schultheater Pocomania der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule wird in der kommenden Spielsaison politisch. In dem neuen Stück soll die europäische Situation thematisiert werden - und zwar mit einem Mehrgenartionen-Ensemble. Von Elena Burbach

Für die 18 Jungschauspieler von Pocomania ist ihr Einsatz im Schultheater "Hochleistungssport", gibt Lehrer Klaus Stimpel zu. Erst im September war das Theaterensemble unter der Leitung von Axel Mertens in Erfurt, um mit ihrem Stück "Fa(u)st - Fast nach Goethe" Nordrhein-Westfalen beim "Schultheater der Länder" zu vertreten. Nun geht es bereits in die Vorbereitung für ihr nächstes Projekt. Dafür steht das Ensemble vor neuen Herausforderungen - zur Unterstützung suchen sie Senioren.

Das Besondere an Pocomania, wie Axel Mertens schwärmt, sei der "erfahrungsbezogene Ansatz". Die Schüler bleiben also zu einem gewissen Teil immer sie selbst. In dem Stück "Fa(u)st" ging es demnach nicht um die eigentliche Goethe-Erzählung, sondern vielmehr über die Verständnisprobleme, die Jugendliche bei der Lektüre des Klassikers haben. "Erfahrungen, die Schüler gemacht haben, sind sozusagen der Nährboden für unsere Stücke", erklärt Mertens. Damit seien sie auch im Ländervergleich in Erfurt aufgefallen, erinnert sich Klaus Stimpel, der neben Regie-Aufgaben auch für die Technik der Inszenierungen zuständig ist. Auch er habe erst durch diese unkonventionelle Art Schultheater zu machen den Bezug zur Schauspielerei gefunden, sagt er.

Den Zuspruch, den die Theatergemeinschaft seit ihrer Gründung 2002 erfährt, bestärke Mertens darin, immer wieder neue Wege zu gehen. Mit Erfahrungen aus dem Bosnien-Aufenthalt der jungen Schauspieler im Jahr 2012 und dem Input von Axel Mertens nähert sich das Schultheater im nächsten Jahr einem politischen Thema.

"Das Stück wird sich mit den Folgen des Populismus auseinandersetzen, es thematisieren und davor warnen", sagt Mertens. Gleichzeitig möchte er unterschiedliche Einstellungen gegenüber der Europäischen Union herausstellen. "Für Viele meiner Generation bedeutete die EU noch "Friedensbringer", meint der 50-Jährige. Für viele Jüngere hingegen sei die EU selbstverständlich. Für das nächste Stück wünscht sich der Leiter deswegen ein Mehrgenerationen-Ensemble.

"Dafür suchen wir Senioren, die Lust zum Mitmachen haben", ruft Mertens auf. Da es vor allem auf die eigene Erfahrung ankäme, benötigten die Senioren auch keine schauspielerischen Vorkenntnisse. Besonders interessant fände der Regisseur auch die Teilnahme ehemaliger Gastarbeiter, die nun in Deutschland leben. "Denn jeder soll auch seine eigene Geschichte in das Stück mit einbringen", sagt er. Wichtigste Voraussetzung sei aber die Neugierde auf die Zusammenarbeit mit jungen Leuten.

Für das Projekt bekommt die Theatergruppe Unterstützung von der freien Regisseurin und Theaterpädagogin Sarah Mehlfeld, die bereits Erfahrungen im Bereich Seniorentheater mitbringt. Die Zusammenarbeit sei dabei durch Fördermittel aus dem Förderfonds "Kultur und Alter" des Landes NRW gewährleistet, freut sich Mertens.

Für das neue Stück, dessen Vorbereitungen im Januar beginnen sollen, möchte Mertens das Setting in eine Zukunft versetzen, in der die Ländergrenzen durch unsichtbare Wände getrennt sind. Das Stück soll sich dann in den dünn besiedelten Grenzgebieten der Länder abspielen. "Ich stelle mir vor, dass die Grenzgebiete zu Orten für Freaks und Abenteurer werden", sagt Axel Mertens. Ob diese es schaffen werden, die Wände zu überwinden, wisse er noch nicht. Das Ende sei noch nicht geschrieben.

Quelle: NGZ
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