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Grevenbroich
Schwebebahn fährt durchs Dachgeschoss

Grevenbroich: Schwebebahn fährt durchs Dachgeschoss
Auf den ersten Blick wie im richtigen Leben: Die Schwebebahn im Miniaturformat gleitet sanft über die Landschaft hinweg. Auf den ersten Blick wie im richtigen Leben: Die Schwebebahn im Miniaturformat gleitet sanft über die Landschaft hinweg. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. Heino Wellenberg aus Hemmerden hat das Wuppertaler Wahrzeichen nachgebaut - im Maßstab 1:87 rollt es durch eine Modellstadt. Von Carsten Sommerfeld

Die Schwebebahn fährt nicht nur durch Wuppertal, sondern hält seit kurzem auch in Hemmerden - in einem Dachgeschoss. Dort hat Heino Wellenberg, passionierter Modellbauer und Herr über ganze Welten im Maßstab 1:87, ein Stück des einzigartigen Verkehrsmittels nachgebaut. Auf drei Metern Länge "schwebt" das Bähnchen durch eine große Stadt.

Leise surrend verlässt der "Kaiserwagen" - im Original ging Wilhelm II. im Jahr 1900 auf Tour - die Bahnstation "Kluse". Der Wagen passiert das Spielkasino, vor dem gerade ein Miniatur-Geldtransporter startet. Heino Wellendorfs Dioramen erzählen viele Geschichten. 2016 hatte der heute 63 Jahre alte Tüftler, Elektroingenieur von Beruf, ein Weihnachtsdorf mit viel Schnee geschaffen. In diesem Jahr überarbeitete er ein schon viele Jahre altes Stadtdiorama mit Rathaus, Burg, Innenstadtkirche und Feuerwehr.

"Die alten Fahrbahnbeläge hatten sich gelöst, Modellhäuser wurden künstlich gealtert - "und die Lämpchen habe ich durch LED ersetzt", erzählt Wellenberg, der aber auch ganz Neues schaffen wollte. "Ich hatte mal eine Schwebebahn-Anlage gesehen - und so etwas wollte ich bei mir umsetzen." Modelle, die es zu kaufen gebe, seien etwas vereinfacht, befand der Hemmerdener. Wellenberg recherchierte, fand im Internet etliche Bilder von der Bahnstrecke, fertigte präzise Zeichnungen an. Dann wurde in der Werkstatt im Keller gesägt, gelötet, gefeilt und geschliffen. "Fast alles ist aus Messing."

Originalgenau entstanden die Stützpeiler, die vielen Streben sind teils nur einen Millimeter breit, "eine Heidenarbeit" seien die Gitterroste aus Messinggeflecht gewesen. Die komplexen Wendeschleifen hat er zugekauft, die Strecke wurde schließlich vorbildgerecht im "Kölner Brücken-Grün" gestrichen.

Hier und da waren Kompromisse nötig, musste eine Brücke etwas gekürzt werden, die Station "Kluse" fällt etwas schmaler aus. Auch ein leichtes Wackeln der zugekauften Wagen an einer Stelle gefällt dem Schwebebahn-Betreiber noch nicht. "Da ist noch eine Unebenheit auf der Strecke, das muss hundertprozentig passen." Ein hellblauer Zug der neuesten Fahrzeuggeneration soll den Fuhrpark noch ergänzen. Den Betrieb steuert Wellenberg ganz modern per Tablet-Computer.

Ein "Hingucker" ist auch die ganze Modell-Stadt, die durch eine Glaswand staubgeschützt ist. Bei näherem Hinsehen offenbaren sich viele Details: Vor der Kirche sind bei einer Trauung weiße Kutschen vorgefahren, auf einer Baustelle schwenkt ein Bagger ein Rohr. Verblüffende Lösungen fallen Heino Wellenberg ein: An einer Modellhauswand mit Werbung überträgt ein Mini-Monitor bewegte Bilder, "der Monitor stammt von einer Videokamera", berichtet der Hemmerdener. Hunderte Figürchen hat Wellenberg selbst bemalt. Selbst "Tuffi" fehlt nicht. Die Elefantenkuh war im Jahr 1950 bei einer Marketing-Aktion für einen Zirkus aus der Schwebebahn gestürzt und überlebte fast unverletzt. Bei Heino Wellenberg wird sie gerade mit einem Kran aus der Tiefe gerettet.

Auch in Zukunft hat Heino Wellenberg an den ausgedehnten Modellbahn-Welten zu tun. Die ausgedehnte Industrieanlage soll überarbeitet werden. Und im Nebenraum sind noch rund zehn Quadratmeter Platz, um die Kirmes mit Power-Tower, Autoskooter und anderem kräftig zu erweitern.

Quelle: NGZ
 
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