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Grevenbroich
So idyllisch sind Gustorfs Schrebergärten

Grevenbroich: So idyllisch sind Gustorfs Schrebergärten
Miriam Lange mit ihrer Tochter Milena im frisch umgestalteten Schrebergarten. Vor drei Monaten hat die junge Familie den Garten übernommen. Miriam Lange mit ihrer Tochter Milena im frisch umgestalteten Schrebergarten. Vor drei Monaten hat die junge Familie den Garten übernommen. FOTO: Berns Lothar
Grevenbroich. An den letzten schönen Tagen des Jahres lassen es sich viele Hobby-Gärtner in der Anlage am Torfstecherweg gut gehen. Der Verein ist multikulturell und hat auch einige junge Mitglieder, die dort Ruhe suchen. Von Christian Kandzorra (Text) und Lothar Berns (Fotos)

Perfekt angelegte Blumenbeete, feine Kieselsteine, Gartenzwerge und leise plätschernde Brunnen: Zugegeben - manches ist wirklich ein bisschen spießig. Aber irgendwie gehört das auch dazu. Zumindest ist das Spießigsein im Schrebergarten ausdrücklich erlaubt. Was den Reiz aber für alle ausmacht, ist die Ruhe; die Möglichkeit, im Gartenidyll abzuschalten und die letzten schönen Tage des Jahres zu genießen. Das ist auch in der Schrebergartenanlage am Torfstecherweg in Gustorf so. Insgesamt 107 Gärten gibt es auf dem 59.000 Quadratmeter großen Areal, die alle von unterschiedlichen Menschen gepflegt werden. Der Schrebergartenverein Grevenbroich betreut die Anlage und versteht sich als besonders bunter Verein mit Mitgliedern aus vielen Nationen und unterschiedlichen Alters. "Das Miteinander wollen wir nicht an der Herkunft festmachen. Die Integration ist für uns über die gemeinsame Liebe zur Natur selbstverständlich geworden", erzählt Angelika Iven.

Die Vereinsvorsitzende ist mit fast allen Schrebergärtnern per Du - am Gartentörchen wird sie freundlich hereingebeten. Und Angelika Iven kennt "ihre" Gärtner, ihre Geschichten und ihre Anlagen, die die meisten mit sehr viel Liebe zum Detail gestalten. So ist das auch bei Iwan Werwein, der ursprünglich aus Kasachstan stammt. Der 37-Jährige ist Gartenbauer aus Leidenschaft. Das erkennt wohl jeder auf den ersten Blick: Die Buchsbäumchen wachsen bei ihm in Reih' und Glied, im Garten gibt es einen Wohlfühlpavillon und sein vierjähriger Sohn Niklas residiert in einem schmucken Mini-Holzhäuschen auf Stelzen, das sein Vater gegenüber des Tomatengewächshauses für ihn aufgebaut hat. "Für meine Kinder bedeutet der Garten Freiheit", erzählt Iwan Werwein, der in den vergangenen elf Jahren viel Zeit in die Gestaltung seines Schrebergartens gesteckt hat.

Iwan Werwein hat einen grünen Daumen. Der Gartenbauer kennt sich aus - und hat für seine Familie ein kleines Paradies mit Mini-Pool geschaffen. In einem Gewächshäuschen (links) baut er wie viele seiner Nachbarn Tomaten und Gurken an. FOTO: Berns Lothar

Bei Henny Zimmermann ist das nicht anders. Die 82-Jährige kommt fast jeden Tag in die Anlage und pflegt alles alleine. "Bis auf die hohen Hecken. Da komme ich nicht mehr so einfach dran", erzählt die Rentnerin, bei der es immer eine Tasse Kaffee gibt. Auf ihrer Parzelle steht die älteste Holzhütte des Geländes. "Seit 1967 bin ich hier", erzählt die Gustorferin, die sich noch etwas über die magere Brokkoli-Ernte in diesem Jahr ärgert: "Die Raupen haben alles zerfressen. Dabei sah das Gemüse so gut aus." Was auffällt: Wegen des ungewöhnlich guten Wetters in den vergangenen Wochen blüht es in vielen Gärten noch prächtig. Auch die Sonnenblumen bei der aus Schlesien stammenden Dorothea Dyrbusch ragen noch in kräftigem Gelb in den Himmel. "Die sind mit drei Metern außergewöhnlich hoch geworden in diesem Sommer", sagt Dorothea Dyrbusch, die auch mit 84 Jahren nicht vor der Gartenarbeit zurückschreckt. "Das hält fit", sagt sie.

Doch Schrebergärten sind in Gustorf längst nicht nur bei älteren Menschen gefragt. Die 29-Jährige Miriam Lange hat mit ihrem Mann Manuel und Tochter Milena (4) in der Anlage eine schöne Alternative zum Haus-Neubau gefunden. "Vor drei Monaten haben wir den 300 Quadratmeter großen Garten samt Häuschen übernommen und umgestaltet", sagt Miriam Lange, die vor allem die Ruhe in der Anlage schätzt. Der alte Teich ist inzwischen einem schick bepflanzten Beet gewichen - und der Rasen gedeiht wieder in kräftigem Grün. Pro Jahr zahlt die Familie dafür einen kleinen Mitgliedsbeitrag und einen dreistelligen Nebenkosten-Betrag für Pacht, Strom und Wasser.

FOTO: Berns Lothar
Quelle: NGZ
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