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Horst Gerbrand und Holger Holzgräber
Sozialdemokraten spüren Rückenwind

Horst Gerbrand und Holger Holzgräber: Sozialdemokraten spüren Rückenwind
SPD-Fraktionsvorsitzender Horst Gerbrand (l.) und sein Stellvertreter Holger Holzgräber vor dem Alten Rathaus in Grevenbroich. FOTO: G. Salzburg
Grevenbroich. Der Fraktionschef und sein Stellvertreter über den Start von Klaus Krützen, Projekte und die neue Rolle der SPD als "Bürgermeister-Fraktion".

Herr Gerbrand, Bürgermeister Klaus Krützen ist mittlerweile seit mehr als einem halben Jahr im Amt. Was würden Sie sagen: War der Start erfolgreich?

Horst Gerbrand Ich würde sagen: Ja, der Auftakt war gut. Klaus Krützen hat bereits begonnen, das, was im Wahlprogramm stand, umzusetzen. Dazu gehört insbesondere die engere Teilhabe der Bürger. Um zu erfahren, wo der Schuh drückt, reichen eben keine Sprechstunden - dafür muss man direkt in die Stadtteile gehen. Die von Klaus Krützen initiierten Stadtteilgespräche, und auch die Tatsache, dass sich die Verwaltung dort noch einmal mit all ihren Aufgaben, Möglichkeiten und Restriktionen vorstellt, hat, meine ich, bereits jetzt eine gewisse Transparenz bewirkt.

Sie selbst finden sich ja auch gerade in einer ganz neuen Rolle wieder: Die SPD ist jetzt Fraktion und Partei des Verwaltungschefs. Spüren Sie dadurch so etwas wie Rückenwind?

Gerbrand Zunächst einmal ist Klaus Krützen kein SPD-Bürgermeister, sondern Bürgermeister für alle. Diese Rolle setzt er auch um, und ehrlich gesagt, ist der Kontakt zu den anderen Fraktionen im Rat oft enger als zu uns. Mir persönlich, das muss ich zugeben, macht die politische Arbeit jetzt noch mehr Spaß. Einfach, weil man durch die unmittelbare Verknüpfung schneller Erfolge sieht. Abgesehen davon merken wir den Rückenwind aber auch daran, dass wir in der Fraktion einen guten Zulauf an jungen Leuten haben. Das war eine ganze Weile lang nicht so. Insofern glaube ich auch, dass nicht nur die Fraktion als solche, sondern auch die SPD profitiert.

Holger Holzgräber Die SPD hat in Grevenbroich immer eine gute politische Arbeit geleistet. Aber durch den kurzen Draht zum Bürgermeister, der es auch versteht, Ideen schnell umzusetzen und auf den Punkt zu bringen, glaube ich doch, dass wir jetzt noch mehr Gehör bekommen als vorher. Auf der anderen Seite machen wir uns auch mehr Gedanken als früher - weil wir jetzt natürlich auch gefragt werden.

Was macht Klaus Krützen anders als Ursula Kwasny?

Gerbrand Ich habe das Gefühl, dass er sehr stark einfordert und - in Bezug auf Fördergelder - nachfragt: Wo gibt es was? Das ist für mich auch die Aufgabe des Verwaltungschefs: Sich an die Spitze der Bewegung zu setzen.

Auffällig ist, dass der Bürgermeister versucht, Anregungen aus den Stadtteilgesprächen schnell umzusetzen. Ist das nun nachhaltiges Handeln oder doch Aktionismus?

Gerbrand Mit Aktionismus hat das nichts zu tun. Ich glaube, die Frage ist: Wie authentisch kommt man rüber und wie ernst ist etwas gemeint. Partizipation, der engere Austausch zwischen Bürgern und Verwaltung, ist ein Thema, das aktuell sehr en vogue ist. Dahinter stecken aber oft auch nur Sonntagsreden. Ich denke, wenn man Gesagtes nicht umsetzt und sich vor Ort nicht interessiert, dann hat man verloren. Im Fall von Klaus Krützen bin ich mir sicher, dass das Interesse authentisch ist. Und man darf auch nicht vergessen: Wir befinden uns erst in der Phase des Warmlaufens. Nach den ersten kleinen Schritten kommen die großen Projekte, und an denen haben sich andere zum Teil jahrelang abgearbeitet.

Holzgräber Das beste Beispiel ist für mich das Thema "Flüchtlingsunterbringung". Klaus Krützen ist in der Hochphase der Problematik ins Amt gewählt worden - als Turnhallen beschlagnahmt werden mussten und die Bürgermeister dem Städte- und Gemeindebund die Türen eingerannt und um Unterstützung gebeten haben. Es gab es kein Konzept. Jetzt gibt es eins. Der Bürgermeister hat im Rathaus eine Arbeitsgruppe gebildet, er spricht mit den Menschen und scheut sich auch nicht davor, rauszugehen. Als Mitglied des Rates und als Bürger weiß ich jetzt, wo es lang geht.

Perspektivisch gesehen, in Bezug auf die Flüchtlingsunterbringung, wäre das welche Richtung?

Gerbrand Mittlerweile ist ja ein bisschen Ruhe eingekehrt. Jetzt muss präventiv gearbeitet werden. Das wird zum Beispiel mit den Leichtbauhallen am Hagelkreuz gemacht. Es ist auch richtig, Standorte beizubehalten, weil wir alle nicht wissen, wie es weitergeht.

Eines der nächsten großen Projekte ist die Rekommunalisierung WGV. Wie sieht da der Fahrplan aus?

Gerbrand Wir sind auf einem guten Weg, aber es ist jetzt noch zu früh um zu sagen, so oder so wollen wir es machen. Intern haben wir eine klare Marschrichtung. Natürlich müssen wir sehen, welche Vorteile die Stadt von welcher Rechtsform hat, aber - entscheidend sind die Aufgaben. Da müssen wir auch mit anderen Kommunen reden. Was wir auf jeden Fall wollen, ist, dass die Politik ein Mitspracherecht bekommt.

Zum Abschluss: Was liegt der SPD in Grevenbroich derzeit schwer im Magen?

Holzgräber Das Thema "Krankenhaus". Wir müssen als Grevenbroicher höllisch aufpassen, dass das Krankenhaus nicht privatisiert wird und wir dann nicht mehr Herr des Verfahrens sind. Denn: Ein medizinisch breitgefächertes Angebot zu haben, ist für die Stadt ein enormer Standortvorteil.

JULIA HAGENACKER UND WILJO PIEL FÜHRTEN DAS GESPRÄCH.

Quelle: NGZ
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