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Grevenbroich
Stadt baut ein Zelt-Dorf für Flüchtlinge

Grevenbroich: Stadt baut ein Zelt-Dorf für Flüchtlinge
Zeltunterkünfte - wie hier in Weeze - sind auch in Grevenbroich geplant. Voraussichtlich bis März sollen mehrere Planenbauten auf dem ehemaligen "Rhein-Erft-Schau"-Gelände am Hagelkreuz errichtet werden. FOTO: Markus van Offern
Grevenbroich. Die Verwaltung hat jetzt ihre Pläne für weitere Unterkünfte vorgestellt. Am Hagelkreuz sollen Zelte für 160 Asylsuchende aufgebaut werden. Darüber hinaus sind größere Containersiedlungen an der Gilbachstraße und in Elsen geplant. Von Wiljo Piel

Die Stadtverwaltung rechnet damit, dass ihr im nächsten Jahr bis zu 2000 weitere Flüchtlinge zugewiesen werden können. Dafür will sie sich rüsten. Bürgermeister Klaus Krützen hat gestern die Planungen für zusätzliche Unterkünfte im Stadtgebiet vorgestellt, die innerhalb der ersten Jahreshälfte von Asylsuchenden bezogen werden sollen. Dabei werden erstmals auch Zelte aufgestellt: Bis spätestens März sollen am Stadteingang, auf dem Freigelände am Hagelkreuz, mehrere Planenbauten errichtet werden, die Platz für rund 160 Menschen bieten. "Gas-, Strom- und Abwasseranschlüsse sind vorhanden, weil auf der Wiese vor Jahren die Verbrauchermesse ,Rhein-Erft-Schau' stattfand", sagt Sozialdezernent Claus Ropertz.

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Die weiteren Planungen: Anfang 2016 soll ein Haus an der Jülicher Straße in Elsen für 55 Flüchtlinge bereitgestellt werden, 30 weitere Plätze werden ab März in einem Nebengebäude der Allrather Grundschule zur Verfügung stehen. Der Bau von Wohncontainern für 100 Menschen ist im April an der Gilbachstraße in Grevenbroich geplant, für weitere 160 Flüchtlinge sollen Container auf einer Wiese an der Konrad-Thomas-Straße in Elsen errichtet werden - voraussichtlich im Juni/Juli. Schon ab Januar wird ein ehemaliger Supermarkt in Gustorf für 60 Flüchtlinge angemietet, ab Februar soll die Unterkunft an der Hansendstraße in Frimmersdorf um einen Wohncontainer für 14 Personen ergänzt werden.

Die Zahlen machen deutlich: Der Platz wird für 2000 weitere Flüchtlinge nicht ausreichen. "Wir sind daher in weiteren Gesprächen mit Grundstückseigentümern in den nördlichen Stadtteilen", sagt Claus Ropertz. Zudem müsse möglichst schnell wieder der Bau einer festen Unterkunft - wie sie ursprünglich an der Merkatorstraße geplant war - auf die Tagesordnung der Politik, ergänzt Klaus Krützen: "Das wird in der Januar-Sitzung des Stadtrats thematisiert", zeigt er sich entschlossen. Große Bauten für bis zu 1000 Menschen seien jedoch keine Lösung für Grevenbroich, meint Ropertz: "Damit wäre kaum Lebensqualität für die Bewohner verbunden. Ich denke, dass Unterkünfte für 160 Menschen die Grenze des Machbaren darstellen." Die Unterbringung von Flüchtlingen ist für die Stadt auch mit hohen Personalkosten verbunden. Für Unterkünfte mit 150 Menschen muss jeweils ein Verwalter, pro 300 Personen zusätzlich ein Sozialarbeiter tätig werden - und auch Security-Kräfte sind erforderlich. "Wir müssen für das nächste Jahr neues Personal einstellen, das zurzeit jedoch auf dem Markt schwer zu bekommen ist", betont Claus Ropertz. Worüber der Sozialdezernent froh ist: Etwa 100 Grevenbroicher bringen sich zurzeit ehrenamtlich in die Flüchtlingsarbeit ein.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Pro Asylsuchendem erhält die Stadt zwar eine jährliche Pauschale von 10.000 Euro vom Land - doch dieser Zuschuss deckt längst nicht alle Kosten. "Im laufenden Jahr haben wir ein Defizit von etwa 2,3 Millionen Euro", berichtet Kämmerin Monika Stirken-Hohmann. Zum Vergleich: 2014 lag die Unterdeckung in diesem Bereich noch bei rund einer Million.

Die 2000 Flüchtlinge für 2016 sind zwar ein "Worst Case"-Szenario, das Claus Ropertz jedoch für realistisch hält: "Zurzeit erreichen wöchentlich 40 bis 50 Flüchtlinge die Stadt. Wir wollen vorbereitet sein, falls dieser Zustrom anhalten oder noch stärker werden sollte.

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Quelle: NGZ
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