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Grevenbroich
Stadt kämpft gegen die Windrad-Flut

Grevenbroich: Stadt kämpft gegen die Windrad-Flut
Braunkohlekraftwerke und Windparks - die Stadt Grevenbroich leistet viel für die Energieversorgung im Land Nordrhein-Westfalen. FOTO: Andreas Endermann
Grevenbroich. Auf mehreren Ebenen soll der Kampf gegen die Vielzahl der im Regionalplan-Entwurf geplanten Windkraft-Zonen laufe. Politiker wollen die Bürger mobilisieren, die Stadt trug ihre Argumente bei einer Erörterung der Bezirksregierung vor. Von Wiljo Piel und Carsten Sommerfeld

Die SPD will den Widerstand gegen neue Windkraftzonen auf eine breite Basis stellen. Fraktionschef Horst Gerbrand ruft die Grevenbroicher auf, gegen die Pläne anzugehen - etwa durch frühzeitig auf den Weg gebrachte Protest-Briefe. Gerade den im Regionalplanentwurf zwischen Wevelinghoven und Barrenstein geplanten Windpark hält die SPD für äußerst problematisch. "Dagegen werden wir uns vehement wehren", kündigt Gerbrand an, der auf den Ratsbeschluss gegen zusätzliche Windkraft-Vorranggebiete hinweist. Er sieht hier auch die neue Landtagsabgeordnete Heike Troles (CDU) in der Pflicht, sich einzusetzen.

Doch bevor die Bürger offiziell protestieren können, sprachen die Behörden erst einmal unter sich. Mitte Mai, bei einem Erörterungstermin zum Regionalplanentwurf, trug die Stadt gegenüber der Bezirksregierung ihre Argumente vor. "Wir wurden angehört, aber wir wissen, dass wir weiter kämpfen müssen", zieht Beigeordneter Florian Herpel zurückhaltend Bilanz.

Neun zusätzliche Zonen hatte der zweite Entwurf des Regionalplans vorgesehen. Wie die Verwaltung berichtete, soll nach einem Vorschlag aus Düsseldorf auf drei verzichtet werden. Der Stadt sind die verbleibenden Zonen aber weiterhin zu viel - schließlich trage Grevenbroich bereits erheblich zur Energiegewinnung in NRW bei. "Mit der Realisierung würden die letzten zusammenhängenden, unbebauten Flächen verschwinden", sagt Herpel. Eine weitere Befürchtung: Da Windräder als gewerbliche Anlagen gelten, könnten die von den Mühlen verursachten Geräusche die Folge haben, dass in bestehenden Gewerbegebieten Neuansiedlungen nicht realisiert werden können, weil das "Lärmkontingent" erschöpft ist. Ein anderes Argument: "Wir sollen im Regionalplan wegen unserer guten Böden kaum neue Wohnbauflächen erhalten. Doch bei den Plänen für Windräder findet dieses Argument keine Anwendung", so Herpel.

Ob die Erläuterungen der Stadt auf fruchtbaren Boden stoßen, steht noch nicht fest. Die Hinweise aus der Erörterung würden geprüft und "die weitere Erarbeitung des Plans mit dem Regionalrat abgestimmt", sagt Dagmar Groß, Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf. Die geht davon aus, dass im Sommer eine "weitere, inhaltlich begrenzte Beteiligungsrunde" starten wird. Dabei könnten "alle Bürger zu den wesentlichen Änderungen Stellung nehmen", sagt Groß.

Was die bei Neukirchen geplanten Windräder angeht, hat CDU-Fraktionschef Wolfgang Kaiser die Hoffnung, dass auch dieses Vorranggebiet aus der Regionalplanung herausgenommen wird. Heimatforscher Christian Wiltsch hat recherchiert, dass zwischen dem strategischen Bahndamm und Gut Norbisrath mit Bodendenkmälern gerechnet werden muss. "Das könnte ein gutes Argument sein", meint Kaiser.

Nach seinen Informationen sind in der zwischen Wevelinghoven und Barrenstein geplanten Zone aktuell nur drei statt sieben Windräder vorgesehen - "weil sonst die Grenzen der Lärmbelastung an diesem Ort überschritten würden". Aber auch drei Mühlen seien schon zu viel, meint Wolfgang Kaiser: "Sie würden künftige Erweiterungen von Hydro Aluminium einschränken. Das kann nicht im Interesse der Stadt sein."

Dass Grevenbroich in Sachen Windkraft-Zonen nichts mehr zu melden habe, sei die alte rot-grüne NRW-Regierung schuld, sagt Kaiser: "Mit dem Landesentwicklungsplan hat sie den Kommunen jegliches Mitspracherecht verboten. Wenn wir überhaupt etwas erreichen können, dann werden das nur minimale Änderungen sein."

Quelle: NGZ
 
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