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Grevenbroich
Stadt lehnt Mensch-Tier-Friedhof vorerst ab

Grevenbroich: Stadt lehnt Mensch-Tier-Friedhof vorerst ab
Dieser Grabstein mit einer Hand und einer Pfote ziert eines der Mustergräber in Braubach (Rheinland-Pfalz). Dort gibt es einen Mensch-Tier-Friedhof. FOTO: dpa
Grevenbroich. Die Marschrichtung aus dem Rathaus ist klar: Haustiere und ihre Besitzer sollen in Grevenbroich vorerst nicht gemeinsam die letzte Ruhestätte in Urnengräbern finden. Ein entsprechender Antrag dazu soll abgelehnt werden. Von Andreas Buchbauer

Die gemeinsame Bestattung von Mensch- und Tier-urnen soll in Grevenbroich vorerst nicht eingeführt werden. Der Umweltausschuss, der auch für das Friedhofswesen zuständig ist, soll in seiner Sitzung am Mittwoch, 23. September, einen entsprechenden Beschluss fassen. Dies geht aus Unterlagen aus dem Rathaus hervor. Bei FDP-Fraktionschef Markus Schumacher löst die Ablehnung Kopfschütteln hervor. Seine Partei hatte den Antrag für die Einführung der gemeinsamen Bestattung von Menschen- und Tierurnen gestellt. "Zum einen entspricht die Antwort der Verwaltung nicht unserem Antrag. Sie sollte mögliche Flächen, an denen eine solche Bestattungsform möglich wäre, nennen - und nicht, ob sie die Einführung generell befürworte oder nicht", sagt Schumacher. "Zum anderen verpasst Grevenbroich durch eine Ablehnung wieder einmal die Chance, eine Vorreiterrolle zu übernehmen."

Die Liberalen hatten sich bei ihrem Antrag am Beispiel Essen-Frintrop orientiert. Dort hat die Friedhofsverwaltung "Unser Hafen", die unter dem Dach des privaten Trägers "Deutsche Friedhofsgesellschaft" firmiert, in diesem Jahr einen Friedhof für Mensch-Tier-Urnenbestattungen eingerichtet. Ein weiteres solches Angebot gibt es zum Beispiel in Braubach (Rheinland-Pfalz). Wilhelm Brandt, Sprecher von "Unser Hafen", erklärt, dass es sich grundsätzlich um eigenständige Friedhöfe handele. "Die Nachfrage ist groß, und wir erleben sehr viel positive Resonanz", sagt er. Es habe bereits erste Bestattungen gegeben, zudem seien Flächen reserviert. Zudem ziehe das Angebot Interessenten aus ganz Deutschland an. "Wir haben zum Beispiel Anfragen aus Hamburg oder Heidelberg, und das ist nicht mal eben um die Ecke", sagt Brandt. Damit widerspricht er indirekt Ausführungen der Grevenbroicher Stadtverwaltung. Denn die erklärt ihre ablehnende Haltung auch damit, dass es noch keine Beisetzung gegeben habe. Man wolle daher zunächst abwarten, wie sich die Nachfrage bei "Unser Hafen" entwickelt.

Darüber hinaus gibt es im Grevenbroicher Rathaus offenbar Bedenken, ob der Mensch-Tier-Friedhof in Essen-Frintrop mit Blick auf das nordrhein-westfälische Bestattungsgesetz überhaupt hätte genehmigt werden dürfen. Allerdings hat NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) nach eingehender Prüfung des Bestattungsgesetzes grünes Licht für die Beerdigung von Menschen und Tieren in einem Urnengrab gegeben. Träger von Friedhöfen könnten die Urne mit der Asche eines Haustieres als Grabbeigabe gestatten, wenn sie dies in ihrer Friedhofssatzung regeln - das ist bei den Mensch-Tier-Friedhöfen der Fall. Eine zentrale Bedingung ist jedoch, dass die Überführung und Einäscherung von Mensch und Tier stets getrennt geschehe. Auch die Trauerfeiern sollen an verschiedenen Orten stattfinden.

FDP-Fraktionschef Markus Schumacher hofft nun auf Rückendeckung im Umweltausschuss. "Es wäre für Grevenbroich eine gute Sache, wenn wir solche Mensch-Tier-Urnenbestattungen ermöglichen", betont er. "Es würde ja schon reichen, wenn wir dafür zunächst mal eine Fläche finden würden, um dann zu sehen, wie das Angebot hier bei uns angenommen wird." Die Verwaltung weist allerdings darauf hin, dass die Ausweisung der dafür erforderlichen zusätzlichen Flächen nicht mit dem Friedhofskonzept einhergehen würde.

Quelle: NGZ
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