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Grevenbroich
Stadt sorgt sich um die alten Rosskastanien

Grevenbroich. Die große Rosskastanie prägt schon seit vielen Jahren das Bild am Ende der Graf-Kessel-Straße in der Innenstadt. Doch wie lange noch? Die Blätter des mächtigen Baumes sind braun und fallen zu Boden. Wie viele andere Artgenossen im Stadtgebiet ist die Kastanie von einem Schädling befallen. Von Wiljo Piel

Viel schlimmer für die Pflanze ist ein Bakterium, das sich verstärkt ausbreitet und den Tod bringt.

"In zehn bis 15 Jahren werden wir einen erheblichen Verlust im Baumbestand haben", sagt Brigitte Laurenz, Fachdienstleiterin für die Grünanlagen in Grevenbroich. Viele Rosskastanien, so befürchtet sie, werden nach und nach eingehen. Eine Ursache dafür ist die Miniermotte - ein winziger Falter, der großen Schaden anrichtet.

Das Problem ist schon seit Jahren bekannt: Der Schmetterling legt seine Eier auf den Blättern ab, die geschlüpften Larven bohren sich einen Weg ins Innere - und dabei werden die Leitungsbahnen der Blätter geschädigt, die Zufuhr von Wasser und Nährstoffen wird gekappt. Die Folge: Die Blätter trocknen aus und fallen ab, die Photosynthese bleibt aus. "Die Bäume gehen dadurch aber nicht sofort ein", sagt Laurenz. Sollte die Motte aber die Versorgung der Pflanze über Jahre lahmlegen, könne das den Baum derart schwächen, dass er abstirbt.

Doch die Rosskastanie hat mehr als nur einen Feind: Ein Bakterium mit dem Namen "Pseudomonas" setzt der Baumgattung erheblich extremer zu. Der Erreger gelangt über die Rinde ins Gewebe und verstopft die Leitungsbahnen - der Baum verfault von innen. "Dieses Bakterium bereitet uns immer größere Sorgen - auch weil dagegen noch kein Kraut gewachsen ist", bedauert der städtische Umweltbeauftragte Norbert Wolf. "Wir müssen tatenlos zusehen, wie viele Bäume sterben."

Einige Exemplare entlang des Flutgrabens hat es bereits so schwer getroffen, dass sie gefällt werden mussten. Kahle Stellen will die Stadtverwaltung aber nicht übrig lassen. "Dort, wo kranke Rosskastanien nicht zuletzt auch wegen der Unfallgefahr entfernt werden müssen, pflanzen wir Esskastanien nach", sagt Brigitte Laurenz. Um diese einheimische Art schlagen sowohl Miniermotten als auch Bakterium einen weiten Bogen.

Wie viele Rosskastanien befallen sind, darüber wird im Rathaus keine Statistik geführt. "Es sind aber eine Menge, da auch die herrlichen Kastanienalleen im Bend betroffen sind", sagt Norbert Wolf. Was er bedauert: "Viele dieser alten Bäume sind stadtbildprägend." Beispielhaft nennt der Umwelt-Experte die Kastanien auf dem Schulhof in Neuenhausen, die er schon als Kind als "uralt und riesig" empfand, oder den mächtigen Baum am Neurather Ortsausgang. "Zum Glück sind sie bisher verschont geblieben", sagt Wolf. "Ich wünsche mir, dass das auch so bleiben wird."

Quelle: NGZ
 
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