| 00.00 Uhr

Grevenbroich
Stadt stellt Asylheim im Supermarkt vor

Grevenbroich: Stadt stellt Asylheim im Supermarkt vor
Große Räume und viel Licht: Bei den Gustorfern, die sich am Montag die neue Unterkunft angeschaut haben, kam der Umbau gut an. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Der ehemalige Spar-Markt an der Provinzstraße ist umgebaut, eingerichtet und quasi bezugsfertig. Von Julia Hagenacker

Das Interesse am Leben der künftigen Nachbarn ist groß: Geschätzt 60 bis 70 Gustorfer - Anwohner, Flüchtlingshelfer und Lokalpolitiker - haben sich gestern Nachmittag das neue Übergangswohnheim im ehemaligen Spar-Markt an der Provinzstraße angeschaut und sich von Vertretern der Verwaltung über den aktuellen Stand der Dinge informieren lassen. Die Grundstimmung war positiv, die Resonanz auch.

"Ich finde, das war eine richtig gute Idee, diese Immobilie hier umzubauen, sonst hätte sie wahrscheinlich lange nur leergestanden", sagte zum Beispiel Sibille Nützel, die gleich gegenüber vom einstigen Supermarkt wohnt. "Diese Menschen brauchen Hilfe und sie müssen ja schließlich irgendwo hin."

Dass mit "irgendwo" der ehemaliger "Spar" gemeint sein könnte, hatte die Verwaltung im Frühjahr vergangenen Jahres noch ausgeschlossen. Bürger hatten den Markt als Alternative zu den abseits gelegenen Wohncontainern am Langer Weg vorgeschlagen. Die Nutzung des Supermarkts für Flüchtlinge sei nicht möglich, weil sich der Komplex ohne Umbau nicht eigne, argumentierte die Stadt. So fehlten zum Beispiel ausreichend Fenster. Auch die Deckenhöhe war nicht ideal.

Der Eigentümer bot schließlich die Vermietung nach entsprechendem Umbau an. In 14 Mehrbettzimmern werden an der Provinzstraße jetzt 50 bis 60 Asylbewerber untergebracht. "Die Bauaufsicht hat den Umbau heute ohne Beanstandungen abgenommen", erklärte Dezernent Claus Ropertz gestern. Es gibt einen großen Aufenthaltsraum, der gleichzeitig als Gemeinschaftsküche dient, echte Zimmer mit gemauerten Wänden und verschließbaren Türen, Sanitäranlagen mit einzelnen Duschzellen, viel Licht und Wärme. "Hier ist etwas entstanden, was wir gut gebrauchen können", sagte Ropertz. Mit Absperrgittern und Planen notdürftig privatsphäretauglich gemachte Turnhallen seien grundsätzlich keine Dauerlösungen, sondern allenfalls Provisorien, so der Dezernent. "Angesichts von derzeit rund 1250 Flüchtlingen in Grevenbroich - Tendenz steigend - stehen wir aber mit dem Rücken zur Wand."

Die unangekündigte Unterbringung von 22 männlichen Asylbewerbern im alten Gustorfer Bahnhof, die in der vergangenen Woche für Kritik in den sozialen Netzwerken und vonseiten der Lokalpolitik gesorgt hatte, waren am Montag nur am Rande ein Thema: "Ich fühle mich schon ziemlich unsicher, wenn ich jetzt abends alleine im Dorf unterwegs bin", sagte Anwohnerin Jennifer Weißkirschen. Und auch Nachbarin Claudia Friedrich gab zu: "Ich habe Angst - die lässt sich im Moment einfach nicht ausblenden."

Von Claus Ropertz wollten die beiden Frauen wissen, wer denn demnächst den alten Spar-Markt bezieht. Die Antwort ("Familien!"), sagten sie, habe sie dann doch ein wenig beruhigt.

Quelle: NGZ
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.