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Grevenbroich
Stadt will Archiv an den Kreis abgeben

Grevenbroich: Stadt will Archiv an den Kreis abgeben
Auch Schüler nutzen das Grevenbroicher Stadtarchiv - unter anderem, um sich über die Geschichte der jüdischen Familien zu informieren. FOTO: Anja Tinter
Grevenbroich. Weil es dem Kulturbereich künftig an Personal fehlt, plant die Stadt die Abgabe ihres Archivs an den Rhein-Kreis. Es soll aber weiterhin "standortnah" zur Verfügung stehen, meint Kulturdezernent Michael Heesch. Und was sagt der Landrat? Von Wiljo Piel

Was die Stadt vor fünf Jahren noch ablehnte, treibt sie jetzt aktiv voran: die Abgabe ihres Archivs an den Rhein-Kreis Neuss. Michael Heesch, Erster Beigeordneter im Rathaus, will sich am Dienstag von den Grevenbroicher Kultur-Politikern einen Prüfauftrag einholen. In Kooperation mit dem Kreis möchte er die Möglichkeit einer interkommunalen Zusammenarbeit ausloten. Bis spätestens Herbst 2018 will Heesch zu einem Ergebnis kommen - rechtzeitig vor Beginn der Beratungen über den Haushalt 2019.

Auslöser für die Wende in Sachen Archiv ist die Personalsituation in der Kulturverwaltung. In den Fachbereichen 41 (Freizeit/Bildung/Kultur) und 43 (Volkshoch-/Jugendkunstschule) werden zwischen 2018 und 2022 insgesamt fünf Fachkräfte in den Ruhestand treten. "Vor dem Hintergrund dieser erheblichen personellen Veränderungen gilt es, konzeptionelle Strategien zu entwickeln, damit wir unsere Aufgaben weiterhin wahrnehmen können", sagt Michael Heesch. Neue Leute einzustellen, sei nicht drin. Dagegen spreche das Sanierungskonzept, mit dem die Stadt 2024 den Haushaltsausgleich schaffen will.

Das auf ihn zukommende Mitarbeiter-Problem möchte der Erste Beigeordnete mit einer Fusion der beiden Fachbereiche lösen. Der Plan: Künftig soll in den Verwaltungen von 41 und 43 ein Personal-Pool gebildet werden. "Fällt jemand wegen Krankheit oder Urlaub aus, können sich die Kollegen gegenseitig vertreten", schildert Heesch. "Da kommen wir auch mit weniger Mitarbeitern gut hin." In diesem Zusammenhang will er zudem prüfen lassen, ob sich weitere Synergieeffekte durch die Abgabe des Stadtarchivs an den Kreis erzielen lassen. Eine Voraussetzung, die er mit einer möglichen Übergabe verknüpft: das "Gedächtnis der Stadt" soll auch in Zukunft "standortnah" zur Verfügung stehen. "Eine gute Erreichbarkeit muss gewährleistet sein", meint Michael Heesch. Wo das sein könnte, soll gemeinsam mit Vertretern des Kreises erarbeitet werden.

"Wir werden das in den kommenden Monaten genau untersuchen", sagt Kreiskulturdezernent Tillmann Lonnes. Als Ziel müsse für beide Parteien eine Win-win-Situation herauskommen. Denkbar sei es, dass der Rhein-Kreis das Archiv für Grevenbroich übernehme, andererseits könne es auch in die Richtung gehen, dass die Stadt künftig als eine Art Archivdienstleister für die Nachbargemeinde Jüchen auftrete.

"Es gibt viele Möglichkeiten", sagt Tillmann Lonnes. Präzisieren will er aber nichts: "Wir stehen noch ganz am Anfang." Eines schließt der Kulturdezernent nach jetzigem Stand aber aus: eine Verlagerung der Grevenbroicher Archivarien in den Erweiterungsbau des Kreisarchives in Zons, der voraussichtlich im Frühjahr 2018 eröffnen soll. Dessen Kapazitäten würden nicht ausreichen.

Eine Fortführung des Archivs am jetzigen Standort - nur mit Kreispersonal - ist nach Meinung von Hans-Jürgen Petrauschke keine gute Lösung. "Das bringt wenig Ersparnisse", gibt der Landrat zu bedenken. In den nächsten Monaten soll geprüft werden, wie die Archive im Rhein-Kreis stärker zusammengelegt werden können.

Quelle: NGZ
 
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