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Grevenbroich
Stadt will Gebühr für Garten-Trampolin

Grevenbroich: Stadt will Gebühr für Garten-Trampolin
Uwe Holl auf seinem Trampolin, für das er Niederschlagswassergebühr zahlen soll. Im Garten des Wevelinghoveners entdeckte die Stadtverwaltung weitere "versiegelte Flächen", die es gar nicht gibt. FOTO: Anja Tinter
Grevenbroich. Uwe Holl aus Wevelinghoven hat - wie viele andere Grevenbroicher - den Erhebungsbogen für die Niederschlagswasser-Gebühr erhalten. Als er sah, wofür ihn die Stadt zur Kasse bitten will, verschlug es dem Chef der Orts-CDU die Sprache. Von Wiljo Piel

Der Fall ist kurios: Uwe Holl aus Wevelinghoven soll Niederschlagswassergebühr für ein Trampolin zahlen, das in seinem Garten steht. Und auch für ein aufblasbares Schwimmbecken, aus dem er längst die Luft herausgelassen hat. Selbst für einen kleinen Brunnen, der in einem Steinbeet hinterm Haus plätschert, soll er zur Kasse gebeten werden. Und Uwe Holl fragt sich: "Was soll der Mist?"

Die Stadtverwaltung stellt zurzeit ihre Daten zur Erhebung der Niederschlagswassergebühr auf eine neue Basis. Auf der Grundlage von Luftbildern hat sie Berechnungen von bebauten und versiegelten Flächen für jedes Grundstück erstellt, die jetzt an 15.000 Eigentümer verschickt wurden. Die Grevenbroicher sind aufgefordert worden, die Bögen zu prüfen, gegebenenfalls Änderungen vorzunehmen und sie ans Rathaus zurückzusenden.

"Doch Vorsicht", sagt Uwe Holl: "Jeder sollte sich seinen Bogen ganz genau ansehen." Er selbst hat das getan - und rasch festgestellt, dass da irgendetwas nicht stimmen kann. Konkret: Die Stadt hat in seinem Garten zwei "versiegelte Flächen" ermittelt, die es dort so nicht gibt - insgesamt handelt es sich um 34 Quadratmeter. Und Holl, der auch Chef der Wevelinghovener CDU ist, weiß ganz genau, was ihm die Verwaltung da berechnen möchte: 22 Quadratmeter für ein Trampolin, neben dem vor einigen Jahren mal ein Gummi-Pool gestanden hat. Und zwölf Quadratmeter für seinen Springbrunnen. "Ich frage mich, wie man in Zeiten von Google Earth zu solchen Fehldeutungen kommen kann", sagt er.

Die Antwort ist simpel. Im Rathaus wird nicht mit hochauflösenden Satelliten-Fotos gearbeitet, sondern mit Luftbildern, die im März 2013 aus einem Flugzeug aufgenommen wurden - und einige davon sind mit Tücken behaftet. "Es sind Bilder darunter, auf denen manche Details nicht genau zu erkennen sind. Da sind nur graue Flächen zu sehen, die etwa ein Trampolin sein könnten - oder aber ein Gartenhaus", sagt Stadtsprecherin Ines Hammelstein. Der jeweilige Sachbearbeiter müsse sich aber für eine Variante entschieden - und im Fall für Uwe Holl offensichtlich für die falsche. "Ein Einzelfall", sagt Hammelstein. Denn ähnliche Kuriositäten seien im Rathaus bisher nicht bekanntgeworden.

"Jeder Eigentümer hat ja die Möglichkeit, seine Korrekturen vorzunehmen und auf Unstimmigkeiten hinzuweisen", sagt Hammelstein. Das dürfe ruhig auch handschriftlich auf einem separaten Blatt geschehen, das dem Selbstauskunftsbogen beigelegt werden kann. "Die Auswertung wird nicht automatisch, sondern per Hand erfolgen - da werden solche Korrekturen auffallen", sagt die Stadtsprecherin.

Seitdem die Post an die Grundstückseigentümer versandt wurde, gibt es im Rathaus täglich rund 200 Bürger-Anfragen zu den Erhebungsbögen. Auch die Hotline des Büros WTE, das die Verwaltung bei der Erhebung unterstützt, wird zurzeit gut genutzt. "Größere Probleme gibt es aber nicht", sagt Ines Hammelstein: "Die meisten Fragen können die Kollegen mit wenigen Worten zur Zufriedenheit beantworten."

Quelle: NGZ
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