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Grevenbroich
Stadt wird dem Wildwuchs nicht Herr

Grevenbroich: Stadt wird dem Wildwuchs nicht Herr
Auch auch dem Friedhof in Gustorf sprießt das Unkraut. Insgesamt beackert die WGV 283.736 Quadratmeter Friedhofsfläche. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Der Regen der vergangenen Wochen hat Grevenbroich noch grüner gemacht. Bei der Pflege von Bäumen und Sträuchern kommen die Wirtschaftsbetriebe nicht mehr hinterher. Auch fehlt ein wirksames Unkrautbekämpfungsmittel. Von Julia Hagenacker

Grün, grüner, Grevenbroich: Die Stadt ist aufgeblüht, im wahrsten Sinne des Wortes. Überall im Stadtgebiet sprießt es, besonders seit der Landesgartenschau. Was im Grunde eine gute Nachricht ist, ist aber auch ein Problem, denn alles was wächst, muss auch mal gestutzt werden. Und da kommen die Wirtschaftsbetriebe Grevenbroich (WGV) derzeit nicht hinterher. "Zwei Probleme machen unseren Mitarbeitern die Arbeit im Moment sehr schwer: das Wetter der vergangenen Wochen und das NRW-weite Glyphosat-Verbot", sagt WGV-Geschäftsführer Rainer Baumgardt. Trotz all der Mühen sehen deshalb viele Stellen im Stadtgebiet gerade wie Kraut und Rüben aus. Das einstige Zierbeet am Hagelkreuz zum Beispiel. Anfang Juli wirkte die kleine Anlage, auf der früher einmal Blumen das Stadtwappen formten, alles andere als dekorativ.

Fakt ist: Das feucht-warme Klima lässt nicht nur Hecken und Wiesen gut wachsen, sondern sorgt auch dafür, dass überall an den Straßenrändern Wildkräuter wuchern: Löwenzahn, Rauke, Disteln und Gräser gedeihen besonders dort hervorragend, wo sie eigentlich nichts zu suchen haben. Und das schafft Arbeit. Im gesamten Stadtgebiet haben sich die Wirtschaftsbetriebe im vergangenen Jahr um exakt 457.976 Quadratmeter Park- und Gartenanlagen gekümmert, darunter 208.609 Quadratmeter Rasen und 143.816 Quadratmeter, die mit Sträuchern und Bäumen bewachsen sind - etwa auf der Museumsinsel und im Bend. Hinzu kamen 68.177 Quadratmeter Straßenbegleitgrün, 283.736 Quadratmeter Friedhofsfläche, 139.914 Quadratmeter auf 80 Kinderspielplätzen, Inlineranlagen und Bolzplätzen sowie 222.772 Quadratmeter Grün auf Außenanlagen an städtischen Gebäuden. Alles in allem: eine Menge Holz.

Tatsache ist auch: Um Wildwuchs in den Griff zu bekommen, konnten die Kommunen bis 2013 Ausnahme-Genehmigungen für Allround-Herbizide, also glyphosathaltige Pflanzenschmutzmittel, bekommen, wenn es der Verkehrssicherheit diente. Aktuell werden solche Genehmigungen aber nicht mehr erteilt. Hintergrund ist ein Erlass des NRW-Umweltministeriums, der eine striktere Prüfung vorschreibt: Solange keine abschließende Einschätzung über das mögliche gesundheitliche Risikopotenzial von Glyphosat besteht, soll es aus Vorsorgegründen keine Genehmigungen für die Anwendung auf Nichtkulturland geben. Damit sei NRW Vorreiter, heißt es aus dem Düsseldorfer Umweltministerium.

Für die Städte und Gemeinden heißt das: Sie müssen nach anderen, ähnlich wirksamen Lösungen für das Unkraut-Problem suchen. Und das scheint gar nicht so einfach zu sein. Die Wirtschaftsbetriebe Grevenbroich haben bereits alternative Möglichkeiten zu Herbiziden getestet - zum Beispiel eine thermische Unkrautvernichtung mit 98 Grad heißem Wasser. "Diese Methode hat sehr gut funktioniert", sagt Rainer Baumgardt. Mit dem Gerät ließe sich das gesamte Stadtgebiet bearbeiten. "Wir würden es gerne anschaffen, aber es kostet fast 200.000 Euro. Im Moment sind wir diesbezüglich in Gesprächen mit der Stadt - so oder so, wegen der aktuellen Lieferzeiten hätten wir es frühestens im nächsten Jahr."

Quelle: NGZ
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