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Grevenbroich
Streetworkerin kickte schon in der Bundesliga

Grevenbroich. Die Sportpädagogin Jule Koehne erzählt von ihrer Leidenschaft zum Fußball. Die beliebte Sportart schafft oft einen Zugang zu Jugendlichen. Von Christian Kandzorra

Fußball zählt nicht nur zu den beliebtesten Sportarten der Welt. Fußball kann auch Türen öffnen und Zugänge schaffen. Das erlebt Streetworkerin Jule Koehne von der Mobilen Jugendarbeit in Grevenbroich in ihrem Arbeitsalltag immer wieder. Die Sportpädagogin begegnet Jugendlichen "auf Augenhöhe" - und bezieht den Sport aktiv in ihre Arbeit mit ein. Kein Wunder, denn die 34-Jährige spielt selbst für ihr Leben gern Fußball und kickte sogar schon in der ersten Frauenfußball-Bundesliga.

Jule Koehne gehört seit Januar zum dreiköpfigen Streetwork-Team des gemeinnützigen Trägers "Rheinflanke", der die Mobile Jugendarbeit im Auftrag des Jugendamtes betreibt. Viele Jugendliche, mit denen sie zusammenarbeitet, stammen aus sozialen Brennpunkten oder sind auf die schiefe Bahn geraten. "Fußball hat einfache Regeln. Wir spielen nach dem Prinzip ,Fairplay', was die Akzeptanz dieser Regeln fördern soll. Außerdem können Jugendliche beim Fußball auch das Gewinnen und Verlieren lernen", erzählt Jule Koehne, die mindestens einmal pro Woche mit Jugendlichen auf den Platz geht.

Die ehemalige Bundesligaspielerin Jule Koehne ist Streetworkerin in Grevenbroich. Sie bezieht vor allem den Fußball gern in ihre Arbeit mit ein. FOTO: l. berns

Mit dabei sind häufig die Jungen und Mädchen, die in den Jugendtreff an der Alten Feuerwache kommen, der für viele eine Art Anlaufstelle bei Problemen und Sorgen ist. Die Mobile Jugendarbeit erreicht stadtweit mehrere Hundert Jugendliche - manche werden von den Streetworkern auch gezielt aufgesucht und angesprochen. "Sport ist natürlich nur ein Teil unserer Arbeit", betont die Kölnerin.

Aber es ist ein Teil, der beispielhaft Strukturen aufzeigt und soziale Kompetenzen vermittelt. "Es freut mich immer, wenn zum Beispiel der Transfer vom Fußball in die Gesellschaft funktioniert", erzählt Jule Koehne. Beim Sport - und vor allem beim Fußball - komme es zudem nicht auf Nationalitäten an.

Häufig kicken auch jugendliche Flüchtlinge aus der Alten Feuerwache mit, die zugleich Unterkunft für Asylsuchende ist. "Deshalb besteht unsere Arbeit aktuell aus Jugend- und Flüchtlingsarbeit", erzählt die 34-Jährige, die von 2002 bis 2004 mit ihrer Mannschaft aus Brauweiler in der ersten Frauenfußball-Bundesliga gespielt hat. Damals schaffte sie es sogar ins DFB-Pokal-Halbfinale. "Das haben wir leider in der Verlängerung knapp verloren", erinnert sich Koehne, die danach wegen ihres Sportwissenschafts- und Soziologie-Studiums eine Pause einlegen musste.

Später spielte sie noch in der zweiten und dritten Liga. Jule Koehne betont: "Ich kann einfach nicht ohne." Schon als Kind habe sie sich mit Jungs aus der Nachbarschaft auf dem Bolzplatz getroffen. Damals war Frauenfußball noch nicht wirklich verbreitet und eher eine "Nebenerscheinung". "Heute ist der Fußball der beliebteste Ballsport bei Mädchen", erzählt Koehne, die sich bei den Jungs, mit denen sie kickt, immer wieder Respekt verschaffen kann. Heute ist sie Pädagogin und hat für unterschiedliche Sportarten Lizenzen - sogar zum Kanufahren und Klettern im Hochseilgarten.

Quelle: NGZ
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