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Grevenbroich
Suchtkranke basteln mit Grundschul-Kindern

Grevenbroich. Für die Drittklässer spielt es überhaupt keine Rolle, was Walter Siemoneit in seinem Leben bereits erlebt hat. Der 46-jährige Krefelder war Straßenmeister. Dann kam die Alkoholabhängigkeit. Seit fünf Jahren ist er im offenen Entzug im Therapiezentrum AHG Haus Welchenberg. Dort gibt es eine Holzwerkstatt unter der Leitung von Günter Gresse. Seitdem ist Walter Siemoneit begeisterter Schreiner. Von Lisa Kreuzmann

Das Fachwissen der Bewohner am Welchenberg war für die benachbarte Grundschule Anlass zur Idee, mit dem Therapiezentrum zu kooperieren. "Wir haben eine Holz-AG", sagt Klassenlehrerin Ulrike Stutz. Diese sei sehr begehrt, erzählt die Lehrerin. Jedes Halbjahr wechseln sich die dritten und vierten Klassen ab. Acht Jungs werkeln und hämmern derzeit unter Anleitung von "Walter" alias "Kannst du mal kommen" und Günter alias "Kannst du mir helfen". Elias ist als erster fertig. Heute soll eine Werkzeugkiste aus Holz gebaut werden. Ein prima Geschenk für seinen Papa, sinniert der Neunjährige.

Leons Vater ist Dachdecker. Mit dem habe er schon den ein oder anderen Nagel ins Holz geklopft, erzählt der Drittklässler. In den nächsten Stunden wollen die Jungs noch einen Lastwagen aus Holz zimmern, der prima als Stifthalter auf dem Schreibtisch verwendet werden könnte, sagt Gresse. Und sie wollen ein Vogelhäuschen bauen.

Über die Kooperation mit der Grundschule freut sich der Schreinermeisterr. "Dahinter steckt natürlich auch der Inklusionsgedanke", sagt Gresse. "Für die Suchtkranken ist es sehr wichtig, dass sie auch weiterhin Kontakt mit der Welt außerhalb des Therapiezentrum haben", sagt der Leiter der Holzwerkstatt.

Die AHG betreibt bundesweit über 40 Therapiezentren und Ambulanzen mit dem Ziel, Alkohol- und Medikamentenabhängige, die aufgrund körperlicher oder seelischer Belastung kein eigenständiges Leben mehr führen können, zu unterstützen und zurück in ein gesellschaftliches Miteinander zu führen. Die Holzwerkstatt ist eine der Maßnahmen, um die Zeit im Zentrum sinnvoll zu nutzen. Für Walter Siemoneit war sie lebenswichtig.

Quelle: NGZ
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