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Grevenbroich
Supermarkt wird Asylheim

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können
Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai
Grevenbroich. Die Stadt wird den früheren Supermarkt in Gustorf nach einem Umbau für Flüchtlinge anmieten. Noch im Frühjahr hatte sie dessen Nutzung abgelehnt.

Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen muss die Stadt dringend weitere Flüchtlingsunterkünfte schaffen - und dafür wird auch der ehemalige Supermarkt an der Provinzstraße in Gustorf genutzt. "Der Eigentümer hat uns angeboten, das Gebäude nach entsprechendem Umbau zu vermieten", erklärt Dezernent Claus Ropertz im Rathaus. Die Stadt habe angenommen, rund 50 bis 60 Asylbewerber könnten dort untergebracht werden.

Eine überraschende Wende. Im Frühjahr hatte die Verwaltung die Nutzung des Hauses für Flüchtlinge verworfen, weil sich der Komplex ohne Umbau nicht eigne, so fehlten ausreichend Fenster. Bürger hatten den Markt als Alternative zu den abseits gelegenen Wohncontainern am Langer Weg vorgeschlagen.

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Nun wird der Markt für den neuen Zweck hergerichtet - nicht statt der Wohncontainer in Gindorf, sondern zusätzlich. "Für die Asylbewerber werden Zimmer und Fensteröffnungen geschaffen", erklärt Claus Ropertz. Er hofft, dass die Unterkunft Ende des Jahres zur Verfügung steht. Wenige Meter weiter, Auf dem Wiler, wird die Unterbringung in der ehemaligen Schule bis Jahresende aufgegeben. Die Erftsiedlungsgenossenschaft will den Komplex kaufen und zu Wohnungen umbauen. "Der Vertrag für den Verkauf kann noch dieses Jahr unterzeichnet werden", so Ropertz

Der ehemalige Supermarkt in Gustorf bleibt nicht die einzige neue Flüchtlingsunterkunft. "Wir müssen weitere Kapazitäten schaffen", berichtet Ropertz. Wie viele Flüchtlinge der Stadt zugewiesen werden, kann er nicht sagen. "Wir haben keine Planungssicherheit".

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Ein weiteres Problem: Die Verweildauer der Asylbewerber werde in den kommunalen Einrichtungen steigen, "denn auch die Kapazitäten auf dem Wohnungsmarkt sind zunehmend erschöpft", sagt der Dezernent. Also wird weiter gebaut: An der Gilbachstraße in Grevenbroich werden Wohncontainer für rund 100 Menschen aufgestellt, an der Merkatorstraße für 30. Im Anbau der früheren Allrather Schule werden Wohnungen für weitere 30 Flüchtlinge geschaffen, die Turnhalle in Hülchrath soll als Notunterkunft genutzt werden.

Auch die Anmietung weiterer Gebäude prüft die Stadt. Ein Problem sei aber, dass häufig "nicht genügend Sanitäranlagen zur Verfügung stehen", so Ropertz. Und die große leer stehende, ehemalige Schlecker-Halle im Industriegebiet Ost? Der Sozialdezernent winkt ab. "Das ist ein Hochregallager, das kommt aus baurechtlichen Gründen nicht in Frage.

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Für ein anderes Projekt laufen die Vorbereitungen: Das alte Finanzamt an der Erckensstraße wird als Erstunterkunft für 150 Flüchtlinge - statt Alter Feuerwache und Turnhalle am Stadion - hergerichtet wird. Auch dort müssen erst auf allen Etagen zusätzliche Sanitäranlagen geschaffen werden. Die Auftragsausschreibungen sind abgeschlossen, bald sollen Handwerker anrücken. "Wir hoffen, dass das Haus bis Jahresende fertig wird", sagt Ropertz.

Eine positive Folge: Nach dem Umzug der Erstunterkunft würden Anfang 2016 die alte Feuerwache und Turnhalle am Schloss nach Monaten wieder für das Training von Sportvereinen beziehungsweise Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Die Stadt will, sofern Bedarf besteht, das alte Finanzamt auch weiter nutzen, wenn es nicht mehr als Erstunterkunft - eine Amtshilfe fürs Land - benötigt würde. Dann sollen Asylbewerber einziehen, die der Stadt zugewiesen werden. Laut Ropertz hat die Stadt das Gebäude "auf unbestimmte Zeit" vom Bundesliegenschaftsbetrieb gemietet.

VON CARSTEN SOMMERFELD

Quelle: NGZ
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