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Grevenbroich
Tagebau-Flughafen: Planer rudert zurück

Grevenbroich: Tagebau-Flughafen: Planer rudert zurück
Der Segelflugplatz in Gustorf, direkt am Tagebaurand gelegen, dürfte in den nächsten Jahren keine Konkurrenz bekommen. Hansjörg Bohm sieht seinen Plan vom Großflughafen im Tagebaugebiet inzwischen selbst skeptisch. FOTO: m. reuter
Grevenbroich. Der Diplom-Ingenieur Hansjörg Bohm aus Bayern hat den "Rhein-Ruhr-International" geplant. Der Flughafen hätte aus seiner Sicht eine profitable Alternative zum Tagebau Garzweiler II dargestellt. Jetzt lasse er sich nicht mehr realisieren. Von Christian Kandzorra

Die Landes-SPD hat mit ihrem Thesenpapier "NRW 2030" die Diskussion um die weitere Nutzung der Tagebau-Landschaft bei Grevenbroich angefacht. Wie aus dem Thesenpapier hervorgeht, plant die SPD im Rheinischen Revier eine neue Stadt: die modernste in ganz Europa. Doch das ist längst nicht die einzige Vision, die es gibt. Im Internet etwa kursieren zahlreiche Ideen für die Nutzung der Tagebau-Folgelandschaft. Eine, die besonders heraussticht: der Bau eines internationalen Großflughafens auf dem Gebiet, auf dem sich jetzt der Tagebau Garzweiler II erstrecken soll - praktisch in direkter Nachbarschaft zur Stadt Grevenbroich.

Das Besondere: Der Großflughafen mit dem Namen "Rhein-Ruhr-International" (RRI) ist von dem Oberpfälzer Diplom-Ingenieur Hansjörg Bohm erstaunlich konkret geplant worden. Der 55-Jährige blickt jetzt allerdings den "vollendeten Tatsachen in aller Demut" entgegen, wie er sagt. Er rudert zurück. "Der Flughafen wäre ein Alternativprojekt zum Tagebau Garzweiler II gewesen. Ich denke nicht, dass sich ein Flughafen als Nutzung der aufgeschütteten Tagebaufläche eignen würde", sagte Bohm gestern im Gespräch mit unserer Zeitung.

Mitte der 1990er Jahre war er durch einen Bericht auf das Tagebaugebiet aufmerksam geworden, über das zu der Zeit heftig diskutiert wurde. Hansjörg Bohm, der auf seiner Internetseite neben einem 19-seitigen Plan inklusive einiger Skizzen zum RRI eine ganze Reihe von Projektideen - etwa einen Vorläufer zu "Stuttgart 21" - veröffentlicht hat, plante den Flughafen ziemlich detailliert. So sollte er vier Start- und Landebahnen von je 4000 Metern Länge haben und ähnlich wie der New Yorker Großflughafen "John F. Kennedy" als eine Art "Airport-City" mit 210 Gates an mehreren Terminals gebaut werden.

Mit einer Fläche von mehreren Quadratkilometern wäre das Areal in unmittelbarer Nähe der Stadt Grevenbroich groß genug für einen neuen Super-Flughafen gewesen, der ähnlich groß hätte werden können wie der Rhein-Main-Airport in Frankfurt. "Der Flughafen wäre für die Wirtschaftsentwicklung in der dicht besiedelten Rhein-Ruhr-Region sicher gut gewesen", sagt der Diplom-Ingenieur. Das Tagebaugebiet hätte - wären alle Dörfer umgesiedelt und die Fortsetzung von Garzweiler II verhindert worden - als siedlungsfreier Raum eine günstige Gelegenheit für den Bau des Super-Airports geboten. "Wo sonst hätte es im westlichen Rheinland, das sonst so dicht besiedelt ist, eine Freifläche gegeben, die groß genug dafür wäre", fragt Bohm, der die Notwendigkeit des RRI damit begründet, dass die Menschen in der Metropolregion zu größeren Reisen immer von den Großflughäfen in Frankfurt oder Amsterdam aus starten müssten. Die Flughäfen in Düsseldorf und Köln seien zu klein; sie wären mit dem RRI überflüssig geworden. Hansjörg Bohm zeigt sich realistisch: Der Tagebau Garzweiler II wird nach aktuellem Stand zumindest in weiten Teilen fortgeführt - so weit, dass der Flughafen ohnehin nur auf aufgeschüttetem Boden entstehen könnte. "Der Aufwand, auf einer so großen Fläche festen Baugrund zu schaffen, ist zu hoch."

Quelle: NGZ
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