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Grevenbroich
Therapiezentrum plant weitere Hilfen

Grevenbroich: Therapiezentrum plant weitere Hilfen
Leiter Hans-Rainer Hubbes (l.) und Walter Siemoneit, der in einer Außenwohngruppe lebt und in der Schreinerei von Haus Welchenberg arbeitet. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Seit 1991 werden im Haus Welchenberg Suchtkranke betreut. Trotz aller Abgeschiedenheit ist das Therapiezentrum in der Stadt fest integriert. Für die Zukunft ist der Ausbau der ambulanten Hilfen in einer weiteren Anlaufstelle geplant. Von Carsten Sommerfeld

Verwunschen liegt das Haus inmitten vieler Bäume hoch oben auf dem Welchenberg, Seit 25 Jahren betreut dort das AHG Therapiezentrum Haus Welchenberg suchtkranke Menschen, gibt ihnen neuen Halt und eine Heimat. Am Mittwoch, 29. Juni, feiert das Zentrum mit Gästen sein Jubiläum. Ein Projekt für die Zukunft ist der geplante Ausbau der ambulanten Hilfen im Kreis Neuss.

Am Beginn stand 1991 das Wohnhaus. Haus Welchenberg hat eine bewegte Geschichte, war früher Kindererholungsheim, Gauleiterschule, Tuberkuloseklinik. Heute leben rund 40 Menschen auf dem Gelände. Die meisten sind alkoholkrank, manche leiden unter mehreren Erkrankungen. Sie leben in Abstinenz, arbeiten im Garten, in der Küche, der Holzwerkstatt oder bei den Varius-Werkstätten im Industriegebiet Ost. "Eine geregelte Alltagsstruktur ist sehr wichtig", sagt Zentrumsleiter Hans-Rainer Hubbes "Die Arbeit steigert das Selbstbewusstsein, vermittelt das Gefühl: ,Ich kann etwas'", so Hubbes. "Wir haben hier Akademiker ebenso wie Handwerker. Sucht kann jeden treffen", betont Kerstin Wilcke, stellvertretende Leiterin wie Rosemarie Sauer. Manches hat sich verändert. "Früher wohnten hier vor allem Menschen über 50 und blieben lange bei uns. Mittlerweile kommen auch Jüngere, die nach zwei, drei Jahren bei uns wieder ein neues selbstständiges Leben führen können", erzählt Wilcke. Zudem wachse im Haus der Anteil der Bewohner, die wegen anderer Suchterkrankungen, etwa wegen Medikamentenmissbrauchs, ins Haus kommen.

Längst ist das Zentrum nicht mehr auf den Welchenberg begrenzt, drei Außenwohngruppen in Neuenhausen und Frimmersdorf kamen dazu. Dort leben Suchtkranke, denen ein selbstständigeres Leben möglich ist. An der Lindenstraße 1 betreibt AHG in Kooperation mit der Caritas ein Zentrum für Suchthilfe und Soziotherapie, das Angebot reicht von Gesprächsgruppen bis zu Kochkursen. "Der Bedarf für ambulante Hilfen steigt. Wir planen eine weitere Anlaufstelle im Rhein-Kreis Neuss", so Hubbes.

Trotz der Abgeschiedenheit von Haus Welchenberg "sind wir gut in der Stadt vernetzt", sagt Hubbes. "Wir haben eine sehr gute Nachbarschaft im Ort." In der Grundschule basteln Bewohner von Haus Welchenberg mit Kindern in einer Holz-AG. Ein anderer, der jetzt gerade in eine eigene Wohnung gezogen ist, ist Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Die Advents- und Osterbasare ziehen etliche Besucher an. "Solche Kontakte sind wichtig, das ist gelebte Inklusion", betont Hubbes. Wichtig sei für manchen aber auch die Möglichkeit, sich in die Ruhe von Haus Welchenberg zurückziehen zu können. Und Hubbes kündigte an: "Wir wollen auch die nächsten 25 Jahre hier bleiben."

Quelle: NGZ
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