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Grevenbroich
Tom Liwa singt über die Liebe und Protestsongs gegen Musik

Grevenbroich. Der Liedermacher war zu Gast in der Villa Erckens.

Spätestens nach drei Liedern steht ein Zitat von Paul Auster im Raum. Der US-Schriftsteller ("Mond über Manhattan") hat einmal in einem Interview gesagt, alle Geschichten seien stets auch Liebesgeschichten. Das passt zu dem, was der Liedermacher Tom Liwa am Mittwochabend in der Villa Erckens bietet. Liwa, 1961 als Thomas Greiner in Duisburg geboren, singt über das Leben und die Liebe. Selbst in Momenten, in denen letztere abstinent scheint, schlummert sie zwischen den Zeilen. Die Liebe, so mag man Liwa glauben, ist immer da - selbst in der "Stunde des Zweifels". Der gleichnamige Song, 1998 auf dem Sampler "Paradies der Ungeliebten" erschienen, ist das dritte Lied an diesem Abend. Darin heißt es: "Unser Geheimnis ist, dass da keins ist. Es ist so völlig offensichtlich, dass du mich liebst und ich dich." Und das gilt eben selbst in der Stunde des Zweifels.

Wer in seinen Songs so viel über das Leben und die Liebe erzählt, droht stets, über die Klippe zum Kitsch abzurutschen. Liwa vermeidet das. Er mag nicht alle Töne treffen, das Banjo mag anfangs verstimmt sein und der Sänger ein, zwei Mal in die falsche Zeile abdriften - aber sein Auftritt hat so viel Herz, dass diese Unperfektheiten als charmant durchgehen.

Liwas Texte haben nicht nur Poesie, sondern auch Witz. Er habe eine neue Platte fertig, sie enthalte größtenteils "Protestsongs gegen die Musik". Zwei Stücke stellt er vor, eins heißt "Falsch bei Neil Young" - und ist nicht nur eine Abrechnung mit einem Konzert auf der Waldbühne in Berlin. Es handelt auch von Liebe und Entfremdung zur Musik des kanadischen Rocksängers. "Die Musik ist immer noch mein, aber der Rock'n'Roll ist zu groß geworden - ich pass' da nicht mehr rein", singt Liwa. Vielleicht ist es gut, dass er selbst vor allem Konzerte in Wohnzimmeratmosphäre wie in der Villa Erckens gibt.

(abu)
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