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Grevenbroich
Top oder Flop? Diskussion um die City

Grevenbroich: Top oder Flop? Diskussion um die City
Zwei Modemarken verlassen den Grevenbroicher Marktplatz. Zu wenig Umsatz und nachlassende Kundenfrequenz nennt der Betreiber Frank von Felbert als Gründe. FOTO: L. berns
Grevenbroich. Zu wenig Frequenz, sinkender Umsatz: Deshalb schließen Esprit und Cecil im früheren Hömberg-Kaufhaus. Auch Kunden kritisieren das nachlassende Angebot in der Innenstadt. Der Werbering warnt vor höheren Parkgebühren. Von Daniela Buschkamp

"Die Grevenbroicher Innenstadt verliert Kunden. Die Stadtverwaltung muss etwas tun, um die City attraktiver zu machen", sagt Frank von Felbert, Betreiber der Markenmode-Shops im früheren Hömberg-Kaufhaus. Damit steht der Geschäftsmann, nach eigenen Angaben seit 35 Jahren in der Branche, nicht allein: Auch in sozialen Netzwerken gibt es schlechte Noten für die City: "Tote Hose", "Keine gute Klamottenläden, keine Gastronomie/Restaurants" oder: "In Grevenbroich ist bald nichts mehr los".

Nach acht Jahren zieht sich der Groß- und Einzelhändler, der etwa in Kevelaer, Essen und Xanten aktiv ist, aus der Schlossstadt zurück. "Wir haben uns die Entscheidung sehr schwer gemacht, aber als Unternehmer muss man irgendwann handeln", sagt von Felbert. Er habe ein tolles Team gehabt, doch: "Grevenbroich bietet zu wenig, um die Kunden in der Stadt zu halten." Beim Unternehmen Esprit geht man davon aus, in "veränderter Form am Standort zu bleiben".

Laut Felbert leide die Textilbranche unter Internetshopping, Konkurrenz durch Einkaufscenter und ein verändertes Kaufverhalten: "Es geht nur noch um den Preis." In Mittelzentren wie Grevenbroich sei es gerade für Modelabels schwierig geworden. Die Konkurrenz durch große Malls wie das Neusser Rheinpark-Center oder das Minto in Mönchengladbach sei auch in Grevenbroich zu spüren. "Es gab auch gute Zeiten", sagt Felbert. Doch die zahlreichen Leerstände im vergangenen Jahr, dazu der milde Winter, hätten Umsätze und Kundenfrequenz einbrechen lassen.

Werbering-Chef Fred Schlangen sieht den Standort Grevenbroich dagegen "gefestigt"; allerdings seien alle Kommunen durch den Internethandel betroffen. "Die Städte werden mehr kämpfen müssen", meint Schlangen. Zudem dürfe die Verweildauer durch kostspielige Parkgebühren nicht beschränkt werden: "Wenn wir die kostenfreien Parkplätze am ,Platz der Republik' verlieren, werden sich die Kunden überlegen, ob sie noch eine Tasse Kaffee in der City trinken und wie lange sie dort bleiben." Auch Carina Lucas von der Wirtschaftsförderung sieht keinen negativen Trend: "Das haben wir bisher von niemandem gehört." Sie nennt als Gegenbeispiel Nicole Feuster, die jetzt ein neues Geschäft eröffnet hat. Sie führt mit Ehemann Jürgen eine Damenboutique am Markt, im früheren Ladenlokal hat sie nun "Rebell Man" gestartet: "Wir füllen damit eine Lücke in Grevenbroich mit Mode für junge und jung gebliebene Männer. Es läuft sehr gut", sagt Nicole Feuster. Einzig inhabergeführte Geschäfte mit individuellem Sortiment hätten in Städten wie Grevenbroich auf Dauer eine Chance - das meinen auch Fred Schlangen und Frank von Velbert, denn: "Die Innenstädte sind austauschbar geworden, überall gibt es dieselben Filialisten."

Spannend ist, ob Grevenbroich die Pole-Position als Einkaufsadresse im Rhein-Kreis halten kann. Das wird sich in vier Wochen zeigen. Dann stellt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein die neuen Zahlen zum Konsumverhalten vor. Bisher war Grevenbroich die Stadt im Kreis, die die meisten Menschen aus der Umgebung zum Einkaufen anlockte. "Wir warten auf die aktuellen Daten", sagt Gregor Werkle von der IHK.

Quelle: NGZ
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