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Grevenbroich
Traditions-Gasthaus wird umfassend saniert

Grevenbroich: Traditions-Gasthaus wird umfassend saniert
1912 als "Sporthotel" an der Rennbahn gegründet, fand im später in "Erftruhe" umbenannten Haus 1932 ein spektakulärer Flugtag statt. FOTO: Erftruhe
Grevenbroich. Die "Erftruhe" war mit spektakulären Sportereignissen früher Treff der Hautevolee der Stadt. Noch heute ist sie attraktiv, vor allem für Schützen und Ausflügler. Jetzt wird umfassend saniert. Von Valeska von Dolega

Wo im Moment noch Dämmstoff liegt, steht demnächst ein bequemes Bett. "Pünktlich zum Schützenfest ist alles fertig", sagt Sandra Schmitz. Seit 2008 ist sie zusammen mit ihren Eltern Margot und Willibald Schmitz für die "Erftruhe" verantwortlich. Einem Traditionshaus, dessen Gründung aus dem Jahr 1912 datiert. Um es fit für die Zukunft zu gestalten, wird derzeit aus- und umgebaut. Investiert wird im "deutlich sechsstelligen Bereich".

In den vergangenen 18 Monaten, berichtet Sandra Schmitz, gab es etwa sieben Wasserschäden in den Sanitäranlagen. Aus der Not machte die gelernte Hotelfachfrau eine Tugend und nutzt das vormalige Dach der Toiletten jetzt als Anbau für zwei neue Komfort- und Familienzimmer. Ein weiterer Bauabschnitt, nachdem bereits 2008 und 2015 modernisiert und erweitert wurde. "Was sie angefasst hat, war gut", lobt Vater Schmitz die Aktionen seiner Tochter, die ursprünglich durch die Umsetzung städtischer Brandschutzauflagen notwendig wurden.

"Damals hatten wir Pliesterlatten an der Wand und Holztreppen", erinnert die Chefin sich. Anton Bors, nicht bloß ihr Patenonkel, sondern vor allem Architekt, hatte die Aufgabe übernommen, das altehrwürdige Haus, das vor aktuell 105 Jahren als "Sporthotel" gegründet wurde, zu sanieren, ohne dass dabei etwas vom Charme eingebüßt wurde.

Eine besondere Patina besteht in Anekdoten. Als Heinrich Bisdorf das Haus baute, legte er den Grundstein nicht irgendwo, sondern "an einer der besten deutschen Pferderennstrecken ihrer Zeit", weiß Sandra Schmitz. "Das Sporthotel wurde errichtet, um die internationalen Gäste unterzubringen." Weil ihr Urgroßvater Franz Herrmanns eine "riesige Affinität zu Pferden" hatte, wollte er das Objekt unbedingt übernehmen. Er war Bäcker, verkaufte alle seine Backstuben und setzte den Erlös, gemunkelt wird von etwa 30.000 Goldmark, für die bald in "Erftruhe" umbenannte Lokalität ein. "Im Grunde setzte er seine ganze Existenz aufs Spiel." Die Rechnung aber ging auf: Weiterhin kamen Gäste in Scharen, der Laden lief. Für seine Pferde, darunter "Homunkulus", Bahnrekordhalter und Champion, baute er Stallungen hinterm Haus. "Zwei sind übrig, die nutzen wir inzwischen als Lager", und jenseits des Pferdesports traf sich hier die Hautevolee. "Das war wirklich der Dreh- und Angelpunkt", weiß Sandra Schmitz aus Berichten von Gästen die ihr noch heute erzählen, sich damals hier beim Sonntagskaffee kennengelernt zu haben. Vor allem an Renntagen herrschte Riesenandrang, "da war der Name ,Erftruhe' nicht mehr Programm." Spektakulär war zu Beginn der Dreißigerjahre ein sogenannter Lufttag, an dem Doppeldecker auf der Rennstrecke landeten. "Zur Show gehörten auch Fallschirmspringer", verweist Sandra Schmitz auf uralte Aufnahmen, die derlei Sprünge dokumentieren.

1952 ging die Bewirtschaftung der "Erftruhe" in die Hand von Willi und Sibilla Schmitz, geborene Hermanns, über. Den Staffelstab übernahmen dann deren Sohn Willibald mit seiner Ehefrau Margot, die Eltern der jetzigen Chefin. Sportliche Gäste kommen nach wie vor in Scharen, alle Schützen des Regiments, etwa 800 Leute, sind dabei, wenn die größte Veranstaltung, der Königsvogelschuss, stattfindet - Vater Willibald ist Spieß der Scheibenschützen. Und auch sonst wird der Schießstand "gern und gut" genutzt. Nach wie vor sind Hotel und Gaststätte bei Ausflüglern beliebt, auch wegen der gutbürgerlichen Küchenausrichtung mit saisonalen Schwerpunkten aus regionalen Produkten. "Ich bin mit Leib und Seele Gastgeberin", sagt Sandra Schmitz über sich. Am Puls der Zeit versucht sie zu bleiben, ohne die Geschichte des Hauses dabei zu vergessen - die an den Wänden des Festsaales dokumentiert ist. Und nach dem Umbau ist vor dem Ausbau: "Als Nächstes sollen die Kegelbahnen wieder fit gemacht werden."

Quelle: NGZ
 
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