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Grevenbroich
Traditionsbetrieb "Samen Schläger" endet in der dritten Generation

Grevenbroich. An der Kölner Straße ist eine Ära zu Ende gegangen: Weil es keinen Nachfolger gibt, hat Paul Peter Schläger sein traditionsreiches Geschäft zum Jahresende geschlossen. "Samen Schläger" war viele Jahrzehnte lang ein Begriff, der weit über Grevenbroich hinausreichte. In dem großen Laden kauften nicht nur Hobbygärtner ein, viele Kinder - die heute längst erwachsen sind - erwarben dort auch ihr erstes Tier. Zwergkaninchen, Vögel und Zierfische gehörten seit eh und je zum Angebot des Grevenbroicher Familienbetriebs.

"Viele unserer Stammkunden haben sich herzlich verabschiedet - mancher hat mich sogar feste gedrückt und mir alles Gute gewünscht", berichtet der 70 Jahre alte Händler gerührt. Nun versucht er, einen Mieter für sein Geschäftshaus zu finden. "Ich möchte, dass dort etwas Zukunftsorientiertes einzieht", sagt Schläger. Ein Interessent für das dreistöckige Ladenlokal ist aber noch nicht gefunden worden.

Der Grundstein für den Familienbetrieb wurde im Dorf Belmen gelegt, das längst der Braunkohle zum Opfer gefallen ist. Martin und Christine Schläger gründeten dort 1899 ihre Firma "Produktengeschäft & Landwirtschaftliche Saaten" - und die beiden Söhne traten schon bald in die Fußstapfen ihrer Eltern. 1946 siedelte sich der Nachwuchs in Grevenbroich an: Wilhelm Schläger betrieb an der Bahnstraße ein Samen- und Gartenfachgeschäft, Josef Schläger handelte dort bis zu seinem tragischen Unfalltod mit Blumen. 1956 wurde die Niederlassung auf einem Trümmergrundstück an der Kölner Straße 60 eröffnet, diekontinuierlich erweitert wurde. Nach dem Tod von Wilhelm Schläger im Jahr 1976 übernahm dessen Sohn Paul Peter die Geschäfte. Unter seiner Regie wurde das Ladenlokal 1981 zum Südwall hin ausgebaut, der markante Giebel erinnert an ein altes Handelshaus.

"Das Angebot unseres Ladens hat sich ständig verändert", schildert Paul Peter Schläger: "Als es noch keine Baumärkte gab, führten wir sogar noch Gartengeräte - vom Rasenmäher bis hin zum Kleingewächshaus." Immer im Angebot war Samen für zig Sorten Gemüse, der zunehmend auch von einer türkischen Kundschaft nachgefragt wurde. Ein Zettel mit den wichtigsten türkischen Sätzen (wie "Guten Tag" oder "Auf Wiedersehen") hatte Schläger immer in der Schublade liegen. Worauf er ein wenig stolz ist: "Aus manchen Kindern und Jugendlichen, die sich bei uns Kleintiere kauften oder über den Gartenbau informierten, sind Biologen oder Landschaftsgärtner geworden - und das führen sie auch auf unsere Beratung zurück."

Mit der dritten Generation endet die Geschichte des traditionsreichen Betriebs. Und ein bisschen Wehmut war schon dabei, als Paul Peter Schläger zum letzten Mal die Türe seines Geschäfts schloss. Jetzt möchte er mit seiner Frau den Altersruhestand genießen.

(wilp)
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