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Grevenbroich
TV Jahn Kapellen rettet Schwimmschule

Grevenbroich: TV Jahn Kapellen rettet Schwimmschule
Gabi Seifert (r.) ist dankbar, dass ihre Schwimmschule eine neue Heimat hat. Möglich machten das Ute Köhler (l.) und Klaus Calvis vom TV Jahn Kapellen. Hallenleiterin Iris Bohle (2. v. r.) half bei der Suche. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. Nach der Unterbringung von Flüchtlingen in einer Turnhalle in Neurath musste sich eine Schwimmschule für 50 Kinder in kürzester Zeit nach einer Alternative umsehen. Die fand sie beim Schwimmverein TV Jahn Kapellen in Neukirchen. Von Oliver Burwig

Auf einmal stand Gabi Seifert ohne einen Ort da, an dem sie ihre Schwimmschüler unterrichten konnte. 80 Flüchtlinge sollen in die Turnhalle an der Glück-auf-Straße einziehen, die auch ein Lehrschwimmbecken beherbergt. Fast 20 Jahre lang hat Seifert dort ihre Schwimmstunden gegeben, eine E-Mail der Stadt informierte sie Anfang Dezember, dass sie zwei Wochen habe, um das Feld zu räumen. Eine Alternative sei ihr nicht angeboten worden - bis der TV Jahn Kapellen sein Schwimmbad in Neukirchen anbot.

"Es geht weiter", sagt Seifert, sichtlich erleichtert. Schon kommenden Mittwoch will sie ihre erste Schwimmstunde in der neuen Umgebung leiten. Dass sie so schnell einen Ersatz für das Hallenbad in Neurath fand, verdanke sie vor allem zwei Menschen: Hallenleiterin Iris Bohle und Ute Köhler, Abteilungsleiterin Schwimmen im TVJ Kapellen. Bohle half bei der Suche nach einem geeigneten Ort, der Seiferts Schwimmgruppen - vor allem Kinder ab drei Jahren - die Möglichkeit zum Unterricht bieten konnte. "Es gibt sehr wenig Schwimmhallen in der Umgebung", stellt Seifert fest. Doch ein Anruf bei Köhler habe der 60 Jahre alten Schwimmlehrerin die Hoffnung wiedergegeben: Der Sportverein, der die Schwimmhalle an der Viehstraße betreibt, könne einmal wöchentlich zwei Bahnen entbehren. Von einem Opfer will Köhler allerdings nicht sprechen: "Sportvereine müssen kooperieren." Zudem erhoffe sie sich auch zusätzlichen Umsatz durch die Eltern, die ihre Kinder zu Seiferts Unterricht bringen, um dann selbst einige Bahnen zu schwimmen.

Ähnliches sagt auch Klaus Calvis, Vizepräsident des TVJ Kapellen: "Wenn wir uns nicht helfen würden, wäre alles noch schwieriger", sagt der 65-Jährige. Die Flüchtlingskrise und die damit verbundene Problematik der Unterbringung betreffe alle Sportvereine gleichermaßen. So belaste die Schließung der Turnhalle an der Glück-auf-Straße auch die Fußballjugend der SG Frimmersdorf/Neurath. "Es ist unsere Aufgabe, in diesen Fällen Ersatz zu suchen", sagt Calvis. Auch zukünftig sei der Verein zu Kompromissen bei der Nutzung seiner Schwimmhalle bereit. "Wenn es sich machen lässt, würden wir immer helfen." Das empfinde auch Köhler als Pflicht: "Wir müssen ja alle Stunden abgeben." Sie sehe zudem auch einen Vorteil in der Situation: Die talentierten Schwimmer, die bei Seifert "ausgelernt" haben, könnten gleich in ihrem Verein weitermachen.

Kritik hat Seifert am Ende vor allem für die Organisation der Stadt übrig. "So etwas teilt man nicht durch eine E-Mail mit." Dennoch könne sie auch verstehen, dass die Kommunen bei der Flüchtlingsunterbringung vor einer großen Herausforderung stehen. Die Reaktionen der betroffenen Eltern, die ihre Kinder nun zum Teil zehn Kilometer weiter fahren müssen, sind gemischt: "Es sind natürlich nicht alle davon begeistert", sagt Seifert. Doch sie wolle nach vorne schauen und hofft, dass ihre Kunden ihr treu bleiben. Die Chancen stehen gut: Mehr als drei Viertel seien bereit, ihre Kinder am neuen Standort weiter schwimmen zu lassen.

Quelle: NGZ
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