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Grevenbroich
Unterwegs mit der Innenstadt-Postbotin

Grevenbroich: Unterwegs mit der Innenstadt-Postbotin
Seit 17 jahren arbeitet Andrea Schmidt bei der Post. Ihr Bezirk ist die Innenstadt. FOTO: Anja Tinter
Grevenbroich. Seit vier Monaten ist Andrea Schmidt Zustellerin in der City. Jeden Morgen ist sie mit einem Post-Fahrrad unterwegs - bei jedem Wetter. Von Christian Kandzorra

Die großen Stützräder am gelben Post-Fahrrad rasten ein. Andrea Schmidt parkt es extra am Rand, denn es ist einiges los an diesem Morgen auf der Kölner Straße. Viele Lieferanten fahren mit ihren Transportern durch die Fußgängerzone, die Geschäfte öffnen, erste Kunden kommen zum Einkaufen. Da soll ihr Fahrrad nicht im Weg stehen. Trotzdem muss sich die Zustellerin beeilen. Mit einem Stapel Briefe in der Hand startet die Post-Angestellte ihre Tour über die Kölner Straße, wo sich ein Laden an den anderen reiht.

Tür auf, ein freundliches "Guten Morgen", die Post auf den Tisch, vom Adressaten ein routiniertes "Dankeschön", vielleicht ein nettes "Schönen Tag noch" - und fertig. Weiter geht's. Den ganzen Vormittag, an bis zu sechs Tagen pro Woche. Manchmal, erzählt Andrea Schmidt, plaudere sie auch ein bisschen mit den Leuten. Smalltalk. Doch viel Zeit hat sie nicht. Schließlich muss sie auch an ihren Feierabend denken. Denn ihr Arbeitstag endet erst dann, wenn sie alle Briefe ihres Bezirks "Innenstadt" verteilt hat. Und das sind viele: Sie schätzt, dass es in ihrem Bezirk 1000 Haushalte gibt. "Etwa 1300 Sendungen pro Tag, inklusive kleiner Päckchen und Einschreiben - das müsste hinkommen", sagt die 46-Jährige, die seit April Stammzustellerin in der Grevenbroicher Innenstadt ist.

Jeden Morgen läuft sie ungefähr zehn Kilometer. "Das hält fit", erzählt Schmidt, die schon seit 17 Jahren bei der Post arbeitet. Seit 17 Jahren also steht sie früh morgens auf, sortiert ab 6.50 Uhr die Briefe ihres Bezirks nach Straßen und Hausnummern und rückt zwischen 8 und 9 Uhr mit mehreren Postkisten voller Briefe zu ihrem "Einsatzort" aus. Bei jedem Wetter. "Ich habe schon überall gearbeitet. In Neuss, in Wevelinghoven und anderen Stadtteilen. Ich war praktisch Springerin", berichtet die Postbotin, die in der ganzen Zeit übrigens noch nie von einem Hund gebissen wurde. "Ich habe immer ein paar Leckerlis dabei", sagt sie. Andrea Schmidt selbst wohnt in Hemmerden. Das ist nicht mehr ihr Bezirk. Sie bekommt die Post also von einem ihrer 39 Kollegen, die morgens wie sie vom Zusteller-Stützpunkt an der Lindenstraße aus starten. Insgesamt 17 ihrer Kollegen sind sogenannte Verbundzusteller, die neben den klassischen Briefen auch große Päckchen und Pakete verteilen. Die kommen meist mit dem Bully, Andrea Schmidt ist als Briefzustellerin nur mit dem Fahrrad unterwegs.

Ihr "Post-Esel" ist ein älteres Modell. Der verstärkte Rahmen zeugt von der Arbeit bei Wind und Wetter. "Im Sommer habe ich das Sonnenstudio quasi immer dabei", sagt die 46-Jährige und schmunzelt. Im Winter hingegen muss sie sich unter Umständen durch Schnee und Eis ihren Weg zu den Briefkästen der Grevenbroicher bahnen - oft über schlecht geräumte Straßen und Gehwege. "Das ist anstrengend. Besonders dann, wenn ich das Rad nur schieben kann." So richtig glaube sie nicht daran, den Beruf bis zur Rente ausüben zu können. "So realistisch sollte ich schon sein."

Ihr Fahrrad ist oft mit mehr als 50 Kilogramm ziemlich schwer beladen. Die Zustellerin ist das gewohnt; wer sich jedoch zum ersten Mal auf so ein Rad schwingt, dürfte Probleme mit dem Gleichgewicht haben. "Montags bin ich oft sehr schnell fertig, aber samstags muss ich immer sehr viel zustellen", erzählt Schmidt von ihrem Arbeitsalltag. Kein Wunder, denn samstags muss sie auch die "Einkauf aktuell"-Werbepakete verteilen, die fast jeder Haushalt bekommt. Gerade an den Tagen muss sie häufig die unauffälligen Container ansteuern, in denen bis zu acht volle Postkisten lagern.

Momentan sind viele Postkarten unter den Sendungen. Beachtung schenkt sie den bunten Kärtchen allerdings nicht - es sei denn, die angegebene Adresse stimmt mal wieder nicht. "Das kommt sehr häufig vor", erzählt Andrea Schmidt, die ihren Bezirk aber zum Glück so gut kennt, dass sie die meisten der Sendungen trotzdem zweifelsfrei zustellen kann. "Einmal hatte ich einen Brief, auf dem die Adresse auf russisch angegeben war. Die Schrift konnte ich zwar nicht lesen, aber ein Kollege konnte übersetzen."

Das Fahrrad von Andrea Schmidt ist oft mit mehr als 50 Kilo Post beladen. FOTO: Tinter Anja

Manchemal geht aber gar nichts mehr - auch an diesem Tag, irgendwo auf der Kölner Straße. "Den angegebenen Namen gibt es an dieser Adresse nicht", stellt Andrea Schmidt nach mehrmaligem Blick auf die Klingelschilder fest und versieht den Brief mit einem U für "unbekannt". Er wird an den Absender zurückgeschickt, genauso wie ein Brief an eine Frau, die kürzlich verstorben ist. Grundsätzlich - darauf legt sie großen Wert - versenkt sie die Briefe immer komplett im Briefkasten der Adressaten. "Einfach vor die Tür werfen geht gar nicht", betont die Zustellerin. Dann klappt sie die Stützräder an ihrem gelben Post-Rad hoch, schwingt sich auf den Sattel - und fährt weiter.

Postsendungen müssen immer komplett im Briefkasten versenkt werden. FOTO: Tinter Anja
Quelle: NGZ
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