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Grevenbroich
Vassiliadis: Widerstand gegen den Tagebau ist ein halber Bürgerkrieg

Grevenbroich. Die Wirtschaft boomt, aber die Arbeitnehmer sind dennoch nicht frei von Existenzsorgen. Eine wichtige Frage gerade in einer Stadt wie Grevenbroich: Wie geht es weiter mit dem Braunkohletagebau? Erstaunlich vor diesem Hintergrund, dass der Bernardus-Saal nicht gerade überfüllt war beim zweiten Arbeitnehmer-Empfang des Bürgermeisters. Gastredner Michael Vassiliadis (53) ist Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE). Er sprach Klartext und verriet, wie er sich eine gelungene Zukunftsgestaltung vorstellt. Von Rudolf Barnholt

Bürgermeister Klaus Krützen, der in die "gute Stube der Stadt" eingeladen hatte, nannte die Diskussion über ein schnelles Ende der Braunkohleförderung "schwierig und schädlich für die Region" wegen der damit verbundenen Verunsicherung. Der Strukturwandel sei eine riesige Herausforderung. Seine Prophezeiung: "Wir werden die Braunkohle noch viele Jahre brauchen." Energie müsse bezahlbar bleiben - für Privatkunden, aber auch für die Industrie. Was Krützen beklagte: "Viele Menschen sind ideologisch unterwegs und nicht pragmatisch." Was für Udo Fischer, DGB-Chef im Rhein-Kreis Neuss, nicht schlüssig ist: "Dass einerseits nach Atomkraftwerken auch Kohlekraftwerke vom Netz gehen sollen und andererseits die Fahrzeuge künftig mit Strom fahren sollen."

Michael Vassiliadis, der von 1980 bis 1983 eine Ausbildung zum Chemielaboranten bei Bayer Dormagen absolviert hatte und der SPD-Mitglied ist, mahnte, es den Populisten von rechts und links nicht leicht zu machen. Der 53-Jährige hält es für wichtig, die Balance zu halten zwischen ökonomischer Prosperität, der sozialen Lage der Menschen und einer ökologischen Modernisierung, "die nicht zur Religion wird". Er attackierte hart die Grünen allgemein und speziell den Landesumweltminister Johannes Remmel, den er als "Investitions-Verhinderer" bezeichnete "mit solch absurden Ideen wie der Verpflichtung von Unternehmen, Daten ins Netz stellen zu müssen, von denen Konkurrenzfirmen im Ausland profitieren können. Seine Hauptbotschaft: Modernisierung der Wirtschaft, aber ohne Ideologie".

Vassiliadis machte sich für die politische Mitte stark und kritisierte die deutsche Energiewende als "absurden Weg" ohne Vorbildfunktion: "Kein Land der Welt ist so dusselig, das nachzumachen." Der Hauptgrund für seine Kritik: "Die Energiewende ist nicht effizient genug." Er wandte sich gegen eine Heroisierung, eine Verklärung in der Öko-Szene, nannte als Beispiel die Strukturen von Greenpeace und nannte den Widerstand gegen den Tagebau als "halben Bürgerkrieg".

Quelle: NGZ
 
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