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Grevenbroich
Verlauf der Erft wird künftig um etwa zehn Kilometer verlängert

Grevenbroich: Verlauf der Erft wird künftig um etwa zehn Kilometer verlängert
Ein bereits renaturiertes Stück der Erft bei Bergheim-Kenten. FOTO: Erftverband
Grevenbroich. Die Erft kann nicht so bleiben, wie sie ist: Bernd Bucher, Hydrologe und Bereichsleiter für Gewässer beim Erftverband, hielt jetzt in der Villa Erckens einen interessanten Vortrag über den kleinen Fluss, der mittelfristig noch viel kleiner werden wird, dafür aber ein ganzes Stück länger. Der 57-Jährige nannte zwei zwingende Gründe, die dazu führen, dass die Erft bis 2045 grundlegend verändert werden muss.

Zum einen ist ein Ende der Einleitung von Sümpfungswasser durch den Braunkohletagebau absehbar, hinzu kommen die Bestimmungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Sie sollen dazu führen, dass die Flüsse, die oft in ein enges, von Menschenhand geschaffenes Bett gezwängt wurden, entfesselt werden, sich freier entfalten können und damit einladender für Tiere und Pflanzen werden.

"Regulierungsmaßnahmen hat es nicht erst seit dem Braunkohletagebau gegeben", erklärte der Referent. Ab 1860 sei die Erft verändert worden. Bucher beklagte "die übermäßige Stauhaltungen, um die vielen Mühlen betreiben zu können". Die Erft führt zurzeit rund 5000 Liter Wasser pro Sekunde. Ohne die Einleitung des Sümpfungswassers hauptsächlich vom Tagebau Hambach, wäre es nur die halbe Menge. Zum Vergleich: Im Rhein fließen jede Sekunde etwa 2200 Kubikmeter Wasser - das ist die 400- bis 500-fache Menge der Erft. Würde man die Erft nicht auf die geringere Wassermenge ausrichten, bestünde unter anderem die Gefahr, dass das Gewässer kaum noch fließt.

Der Erftverband möchte mit seinen Investitionen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und die Vorschriften der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie umsetzen. Bucher zeigte alte Fotos vom künstlichen Bett der Erft bei Frimmersdorf: Es hat den Anschein, als handele es sich um eine Autobahn. Der Boden wurde asphaltiert, die Ufer befestigt, der Fluss in ein enges Korsett gezwängt. Künftig soll die Erft wieder mehr Raum bekommen, sie wird kleiner, wird schneller über die Ufer treten, und sie wird rund zehn Kilometer länger werden.

"Der Erftverband teilt den Fluss in 23 Abschnitte. Das nächste Großprojekt ist Neuss-Gnadental", erklärte der Hydrologe. In ein bis zwei Jahren werde mit den Arbeiten begonnen. Heute ist die Erft in diesem Abschnitt 500 Meter lang, künftig wird sie sich schlängeln und auf 1,18 Kilometer anwachsen.

Wann denn in Grevenbroich-Mitte mit den Arbeiten begonnen werde, wollten Zuhörer wissen. "Für dieses Gebiet gibt es noch keine konkreten Überlegungen", sagte Bernd Bucher. Aber es gab zu, dass es sich um einen besonders kritischen Abschnitt handele: "Die Innenstadtlage ist schwierig, viele Flächen müssen erworben werden, viele Mühlen brauchen das Wasser der Erft - ohne Not werden wir da nicht zu früh rangehen."

(barni)
 
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