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Grevenbroich
Vier Kommunen planen Zweckverband am Rand des Tagebaus

Grevenbroich. Anrainer der Grube wollen ihr Strukturwandel-Projekt auf neue Beine stellen. Aus einem informellen Planungsverband soll künftig eine formelle Institution werden. Von Andreas Speen

Die Zusammenarbeit in Fragen der Gegenwart und Zukunft am Tagebau Garzweiler, die Erkelenz, Jüchen, Mönchengladbach und Titz seit zwei Jahren pflegt, soll auf ein neues Niveau gehoben werden. Angeregt wurde jetzt bei einer Sitzung der vier kommunalen Fachausschüsse, einen Zweckverband zu gründen.

Schon im Dezember könnten die jeweiligen Räte ihre Verwaltungen beauftragen, gemeinsam ein Konzept mit dem Ziel zu erarbeiten, 2017 aus dem bislang informellen Planungsverband eine formelle Institution zu entwickeln.

Vier Planungsbüros hatten im September eine Woche an Ideen gearbeitet, wie während und nach dem Braunkohlenabbau mit der Fläche zwischen Titz, Mönchengladbach, Jüchen, Grevenbroich und Erkelenz umgegangen werden könnte. Zu ihren Vorschlägen gehörte ein grüner Gürtel um das Gebiet, in dem heute bereits ein 70 Kilometer langer Radschnellweg angelegt werden sollte. Die Planer erhoffen sich, dass sich die Dörfer am Tagebaurand von diesem Grüngürtel geschützt fortentwickeln, trotz des vorbeiziehenden Tagebaus. Erarbeitet wurden auch Ideen wie eine Grünbrücke über der Autobahn 46 bei Jüchen, um die Gemeinde an die nach dem Tagebau zu entwickelnde Landschaft anzubinden, oder eine Seilbahn als zukunftsweisendes Verkehrsmittel im ÖPNV.

All diese Ideen wurden am jetzt den Fachpolitikern der vier Kommunen vorgestellt - stets mit dem Verweis, dass es sich um kein ausgearbeitetes Konzept für die Zeit bis 2035 oder gar 2080 handele, sondern um erste Skizzen für ein Drehbuch, das es nun politisch auszuarbeiten gelte. Schnell kam daraufhin der Vorschlag aus den Reihen der Politiker, dass es nötig sei, die informelle Zusammenarbeit der Kommunen rasch in eine neue, rechtsverbindliche Form zu bringen.

"Wir werden als informeller Planungsverband inzwischen auf Ebene der Bezirks- und Landesregierung wahr- und ernstgenommen", berichtete Peter Jansen, Bürgermeister von Erkelenz. Allerdings sei es nicht vorgeschrieben, gehe es um Fragen rund um den Tagebau Garzweiler, ihn anzuhören: "Um sprachfähig zu sein, müssen wir uns institutionalisieren." Und das möglichst bald, wie Jüchens Bürgermeister Harald Zillikens schon vor der Sitzung erklärt hatte: "Dieser Raum wird sich verändern, und wir vier Kommunen wollen das aktiv steuern." Erreicht werden könne etwa durch einen Zweckverband, "dass der Fokus des Landes NRW verstärkt auf unsere Region gerichtet wird". Dazu zähle auch die Möglichkeit, an Fördergelder zu gelangen.

In einer Entwicklung, "für die es keine Blaupause gibt", wie Bürgermeister Jürgen Franzen aus Titz erklärte, solle die Politik in den vier Kommunen nun zu überlegen beginnen, welche Aufgaben einem Zweckverband übertragen, wie dessen Zuständigkeit aussehen und wie dessen Besetzung erfolgen könnte, baten die vier Stadtspitzen.

Wie sinnvoll ein Zweckverband für alle anstehenden Überlegungen sein kann, erklärte Reimar Molitor, Geschäftsführer des Zweckverbandes Köln/Bonn, am Rande der Sitzung in Erkelenz: "Bisher hat der Raum mit dem ihn belastenden Tagebau auf Dritte reagiert. Nun könnte der Modus der Kommunen auf Aktion verändert werden - das wäre eine echte Umkehr der Vorzeichen. Künftig müssten Dritte auf die Region, vertreten durch einen eigenen Zweckverband, reagieren."

Quelle: NGZ
 
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