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Grevenbroich
Vogelschützer sorgen sich wegen Windrädern

Grevenbroich: Vogelschützer sorgen sich wegen Windrädern
Ein Rotmilan im Gleitflug. Über den Feldern hält er Ausschau nach Nahrung. Dabei kommt er immer wieder gefährlich nahe an die Windräder. FOTO: Wolf
Grevenbroich. Die Königshovener Höhe ist Vorbild für Renaturierung und Erzeugung sauberen Stroms. Doch Tierfreunde blicken skeptisch auf die Mühlen. Von Kilian Treß

In seiner Brust schlagen zwei Herzen, meint Norbert Wolf. "Das eine für den Klima-, das andere für den Tierschutz", sagt der Umweltbeauftragte der Stadt Grevenbroich. Doch beides zusammen? Das geht nicht.

Wolf sorgt sich um die Zukunft der großen Vogelvielfalt rund um Grevenbroich. Ein Dorn im Auge ist ihm da der Regionalplan-Entwurf für Grevenbroich, der gleich elf neue Flächen für Windkraftwerke vorsieht. "Wo viele Vogelarten leben, dürfen keine Windräder gebaut werden", betont Wolf. Dasselbe sagte er auch zu dem Windpark auf der Königshovener Höhe, wo seit zwei Jahren 21 Windkrafträder von RWE-Innogy Strom produzieren. "Die Stadt hatte damals zu den Bauplänen Stellung bezogen und die Windräder aus Artenschutzgründen abgelehnt", erinnert sich Wolf.

142 gezählte Arten haben sich nach Renaturierung der Halde angesiedelt. Doch sie sind gefährdet: "Die Vögel werden durch die Rotoren enthauptet oder zerfetzt, und landen kurz darauf irgendwo im dichten Grün unter den Windrädern", sagt Wolf. Immer wieder finden er oder Jäger die bis zur Unkenntlichkeit verletzen Tiere. Und sie leiden. Denn oft überleben die Tiere den dumpfen Schlag des Windkraftflügels sowie den harten Aufprall auf dem Erdboden. "Dann müssen wir sie erlösen", sagt Norbert Wolf. Wie zuletzt, als er eine Rohrweihe hat einschläfern müssen, weil ein Flügel zertrümmert wurde. Betroffen seien vor allem die Gleiter unter den Greifvögeln. Bussarde, Habichte oder der ohnehin schon auf der roten Liste stehende Rotmilan, die auf Nahrungssuche in etwa 200 Meter über den Feldern der Halde kreisen.

"Der Rotmilan bedarf in Deutschland eines besonderen Schutzes. 50 Prozent der gesamten Population leben in der Bundesrepublik", sagt Norbert Wolf. Zudem sterben die Tiere nicht nur durch Vogelschlag. Kommen sie den Windrädern zu nahe, "können durch die extremen Druckunterschiede, die die Windradblätter auslösen, die Lungen platzen", sagt Wolf. Experten sprechen dann vom "Barotrauma".

Die Zahl der Tiere, die tatsächlich getötet werden, ist aber unklar. Die meisten - darunter laut Wolf auch eine beachtliche Anzahl Fledermäuse - werden von Fuchs, Dachs oder anderen Aasfressern bereits im Morgengrauen verschleppt, bevor sie gefunden und in eine Vogelschlag-Statistik aufgenommen werden können, schildert der Umweltbeauftragte.

Windpark-Betreiber RWE-Innogy teilt die Sorgen nicht. Vor und während des Windpark-Baus seien Artenschutzmaßnahmen getroffen worden, die mit dem Landesamt für Natur, dem Naturschutzbund und weiteren Experten abgestimmt worden sind. "Dass diese Maßnahmen greifen, zeigt auch, dass kürzlich mindestens vier Exemplare der seltenen Sumpfohreule auf den angelegten Ausgleichsflächen auf der Königshovener Höhe gesichtet wurden", sagt eine Konzernsprecherin. Zudem seien Biologen regelmäßig im Windpark unterwegs, um die Einhaltung der Artenschutzvorgaben und deren Wirksamkeit zu untersuchen. "Hier gibt es keine Beanstandungen."

Quelle: NGZ
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