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Grevenbroich
Von der Krebsstation auf die Meister-Bühne

Grevenbroich: Von der Krebsstation auf die Meister-Bühne
Uli Steins erste Gratulanten nach dem Sieg in Alsdorf waren Tochter Lea und Sohn René , die ebenfalls begeisterte Kraftsportler sind. FOTO: Andreas Frey
Grevenbroich. Uli Stein (52) hat sein Comeback geschafft. Nach drei überstandenen Krebserkrankungen holte sich der Kraftsportler den Titel des Deutschen Meisters. Der Grevenbroicher will Vorbild für andere sein. Von Wiljo Piel

Deutscher Meister. Hätte ihm das jemand vor fünf Jahren gesagt - Uli Stein (52) hätte ihn ausgelacht. Obwohl ihm damals nicht zum Lachen zumute war. Drei Krebserkrankungen hatte der Grevenbroicher da hinter sich, und nach einer Stammzellen-Transplantation jeglichen Lebensmut verloren. Dass er jemals zurück auf die Bodybuilding-Bühne kehren oder gar einen Meistertitel holen würde - ausgeschlossen.

Doch Stein hat ein Kämpferherz. Er rappelte sich auf, absolvierte mit eisernem Willen ein hartes Training, um sein Comeback zu schaffen. Nicht nur, um es sich selbst zu beweisen, sondern auch um ein Vorbild für andere zu sein, die an Krebs leiden. Seine Botschaft: "Wer sich aufgibt, hat verloren."

Und es hat funktioniert: Am Wochenende holte der 52-Jährige bei der Deutschen Meisterschaft des "Bundes dopingfreier Bodybuilder und Kraftsportler" (BDBK) den Titel in seiner Altersklasse. Und noch mehr: Er wurde Gesamt-Master, und damit bester von allen Teilnehmern, die jenseits der 40 und 50 sind. Schon zwei Wochen vorher war der Grevenbroicher beim Wettkampf der "German Natural Bodybuilding and Fitness-Federation" (GNBF) am Start und hatte dort neben dem Titel des deutschen Vizemeisters auch die Profi-Lizenz errungen. Uli Stein könnte jetzt an der Weltmeisterschaft teilnehmen.

Uli Stein war begeisterter Radsportler. Nach seiner ersten Krebsdiagnose begann der Grevenbroich im Jahr 2002 mit dem Kraftsport. FOTO: Lothar Berns

"Ich bin glücklich und fühle mich so fit wie selten zuvor", sagt der Kraftsportler. Ärzte haben ihm gerade in einer Bioanalyse ein metabolisches Alter von 37 Jahren diagnostiziert, seine Blutwerte seien im Schnitt mit denen eines 24-Jährigen zu vergleichen. "Der Sport hat mich noch mal gut aufgestellt - ich fühle mich einfach nur noch gesund", sagt er. Der Krebs, die 58 Tumore in seinem Körper, die Chemo- und Strahlentherapien, das alles ist für Uli Stein nun Vergangenheit.

Vor den Meistertiteln war aber harte Arbeit und Disziplin gefragt. Ein Jahr lang hat sich der Kraftsportler auf sein Comeback vorbereitet. Im letzten Monat vor den Wettkämpfen trainierte er bis zu 16 Stunden in der Woche. Und er ernährte sich vernünftig: viel Fisch, viel Fleisch, hochwertige Öle und Fette, ganz wenig Kohlehydrate. 68,5 Kilogramm wog Uli Stein, als er am Wochenende auf die Bühne trat - 35 weniger als zu Beginn seiner Vorbereitungszeit. "Laut Ärzte-Check bestand ich aus 90,2 Prozent Muskelmasse, das Körperfett lag deutlich unter vier Prozent", berichtet der Sportler. Gestern hatte er wieder 77 Kilo drauf. "Das Kampfgewicht hält nicht lange", sagt er.

Wer Geduld hat, sich gesund ernährt und über ein gutes Trainingskonzept verfügt, kann es genau so schaffen wie er, meint Uli Stein. Und er wird nicht müde, das auch kundzutun, zum Beispiel im Sozialen Netzwerk Facebook. "Wenn der alte Mann das hinkriegt, schafft ihr das auch", schreibt er.

Sein Erfolg hat den Bodybuilder beflügelt. Uli Stein schlägt jetzt noch einmal einen ganz neuen Lebensweg ein. Er wird Grevenbroich verlassen und im Dezember bei einem guten Freund in Alsdorf in einem Gesundheitszentrum einsteigen - um andere fit zu machen.

Quelle: NGZ
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