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Grevenbroich
Von der Zufriedenheit durch Verzicht

Grevenbroich: Von der Zufriedenheit durch Verzicht
Für Suleyman Sayin (2. v. l.) und Mitstreiter ist die Fastenzeit eine gute Phase, die sie im gemeinsamen Verbund mit anderen locker und vor allem zufrieden erleben. FOTO: V. von Dolega
Grevenbroich. Der Kulturverein Lotus organisiert Kochkurse oder hilft beim Deutsch lernen. Wichtig ist die Förderung des sozialen Miteinanders. Wie jetzt beim gemeinsamen Fasten und dem interkulturellen Fastenbrechen, das groß gefeiert wird. Von Valeska von Dolega

Sie distanzieren sich deutlich von allen, die den Islam als Tarnung für eigene Belange missbrauchen, plädieren für Toleranz und Respekt. "Religionsübergreifend laden wir jeden ein, uns und unseren Verein kennen zu lernen", fasst Suleyman Sayin die grundsätzliche Offenheit des von ihm geleiteteten Kulturverein "Lotus" zusammen. Eine schöne Gelegenheit, diese Einrichtung und ihre Ziele zu entdecken bietet jetzt ein Fest, nämlich das interkulturelle Fastenbrechen.

"Fasten bedeutet Verzicht", erklärt Vereinsmitglied Yildiz Hickiran, und für Muslime wie sie heißt das im Ramadan, der nun begonnen hat, Geduld bis nach Sonnenuntergang zu haben. Erst dann wird gegessen. "Dass alle miteinander warten, ist auch ein Zeichen des Mitgefühls, es geht ums Teilen und das gemeinsame Erleben" und dass alle "auf dem gleichen Level sind, ist ein weiterer fantastischer Aspekt", fasst Muhammet Inceoren, der früher den Verein geleitet hat, Merkmale und Motivation zusammen. "Ob Millionär oder Normalo, im Ramadan erleben wir alle das gleiche", nämlich wie "zufrieden Verzicht macht". Natürlich ist es auch die "wichtige spirituelle Verbindung, die intensiviert" wird.

Aber im Verzicht über die richtigen Werte nachzudenken, was ein jeder in seinem Leben bewegen möchte und ob das Konsumverhalten nicht generell auf den Prüfstand gestellt werden sollte, sind für die Lotusse weitere Aspekte, die ihnen das Fasten "sehr leicht machen".

"Klar, ich vermisse morgens meinen Kaffee", meint eine Frau. Aber andererseits sei es eine "Erleichterung, nicht mehrfach am Tag für die Familie kochen zu müssen", bekennt sie ganz pragmatisch. Gerne und ausführlich berichten die Vereinsmitglieder über sich und ihr Leben, übrigens in perfekter deutscher Sprache. Sie zu beherrschen ist "natürlich wichtig". Auch, um sich "auf Augenhöhe" begegnen zu können. Beispielsweise bei den unterschiedlichen Kursen, die Lotus anbietet. Mal geht es ums Kochen, mal ums Erlernen bestimmter Maltechniken, "immer um das soziale Miteinander und den interreligiösen Dialog". Bei den Kochaktionen beispielsweise werden nicht ausschließlich türkische Spezialitäten zubereitet. "Auch hier sind wir für alles offen." Weil letztlich der Dialog im Mittelpunkt steht und das Kochen bloß schöner Anlass der zusammenkunft ist, wurde auch schon mal ein Pizzabote bestellt, weil über die Plauderei der Herd kalt blieb.

Um zu zeigen, wer sie sind und für was sie stehen, sind die etwa 40 Mitglieder, die der Verein zählt, als "Community auf Stadtfesten präsent". Viele türkisch-stämmige Familien sind inaktiv, "wir versuchen andere zu motivieren, sich in der Gesellschaft, in der sie leben, einzubringen". Freiwilligkeit ersetzt jedwedes Dogma, die zivil-soziale Ausrichtung jedwede politische Doktrin. "Man kann immer voneinander lernen", sagt Suleyman Sayin.

Wie beim "interkulturellen Fastenbrechen, einem beliebten Fest. Das hat sich schnell herumgesprochen", sagen die Lotusse nicht ohne Stolz. Als sie 2013 erstmals gemeinsam feierten, waren sie etwa 25 Leute. Jetzt sind es knapp 100.

Quelle: NGZ
 
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