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Von jungen Alten und alten Jungen

Grevenbroich. Ist das Bedürfnis nach Sicherheit ein Aushängeschild des Alters? Und der Wunsch nach Abenteuern, nach Ausbrüchen ein Privileg der Jugend? In Silvio Blatters Roman ist es genau umgekehrt. Er erzählt von Isa und Severin Lerch und ihren beiden erwachsenen Kindern: Sandra, verheiratet mit dem Geschäftsführer einer Autofirma, der von einer großen politischen Karriere träumt; und Matthias, ein angesehener Führungskräfte-Coach. Blatter legt die Verwerfungen frei, die sich unterhalb der glatten Oberfläche einer heilen Familie abzeichnen: Isas Angst vor der jungen Konkurrenz; Severins Sorge um sein Künstlerhaus in einer aufgelassenen Kiesgrube; Sandras - begründete - Eifersucht und Matthias' verzweifelte Suche nach privatem Glück. Wären die Wege der Kinder anders verlaufen, wenn Isa und Severin ein konventionelleres Familienleben geführt hätten? Erklärt das die Sehnsucht der Jungen nach einem sicheren Lebensgefüge? In jedem Fall sind es am Ende die Eltern, die mit einer kühnen Lebensentscheidung verblüffen. Silvio Blatter ist ein kluger Generationenroman gelungen, der Klischees in Frage stellt.

Silvio Blatter: Wir zählen unsere Tage nicht. München: Piper. 2015. 293 Seiten, 19,99 Euro

"Korschenbroich liest"-Initiatorin Rita Mielke gibt Buchtipps.

Quelle: NGZ
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