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Grevenbroich
Wanderfalken brüten am Kraftwerk und auf den Braunkohle-Baggern

Grevenbroich. Für die Kumpel ist es immer wieder ein besonderer Fund, manche beobachten die Greifvogel-Brut sogar per Liveübertragung im Pausenraum. "Wir identifizieren uns sehr stark mit den Tieren und sind richtig stolz auf sie", sagt Gregor Eßer, Tierschutzbeauftragter bei RWE. Im Tagebau Garzweiler und am Kraftwerk Frimmersdorf brüten derzeit insgesamt vier Wanderfalkenpaare. Von Lisa Kreuzmann

Dabei galten die Raubvögel in NRW noch vor 40 Jahren als ausgestorben. Nicht nur Tauben- und Hühnerzüchter sehen in den Greifvögeln, die sich ausschließlich von Vögeln ernähren, eine Bedrohung fürs Geschäft. Auch ein lockeres Jagdschutzgesetz und giftige Pflanzenschutzmittel bedrohten die Art. "Leider werden Falken immer noch illegal abgeschossen", sagt Christina Kobs vom Naturschutzbund (NABU) Kreisverband Neuss. Die Raubvögel stehen deshalb auch international unter besonderem Schutz. Jetzt steigen die Populationszahlen wieder.

Nordrhein-Westfalen war im Jahr 2015 mit 222 Brutpaaren und 400 Jungfalken Spitzenreiter. Hier haben sich die Felsenbrüter vor allem die Industrielandschaften zu eigen gemacht. Wanderfalken bauen ihre Nester von Natur aus an hochgelegenen Felsen oder Steinbrüchen. Im Tagebau Garzweiler sind es vor allem die riesigen Schaufelradbagger, die den Tieren ausreichend hoch und geschützt erscheinen.

Für den Betrieb im Tagebau ist das nicht hinderlich: "Unsere Mitarbeiter können ganz normal weiter baggern, das stört die Vögel nicht", sagt Eßer. Nur mit Maschinenölen sei man in der Brutzeit ab April vorsichtiger. "Die Raubvögel suchen sich immer die höchste Stelle am Gegengewicht des Radbaggers aus", sagt Eßer. Dort beachte man die Vögel bereits seit den 1980er Jahren.

Im Tagebau Garzweiler sind derzeit zwei Bagger, aber auch ein Kalksilo besiedelt. Am Kraftwerk Frimmersdorf gibt es eine weitere Brut. Alle Nachkömmlinge seien wohlauf, berichtet Gregor Eßer. Beim NABU in Neuss ist Christina Kobs froh, dass die Zahlen wieder steigen. Mit der Energiewende müssten sich die Wanderfalken allerdings wieder neue Nistplätze suchen. Der besondere Schutz gelte nach wie vor.

Quelle: NGZ
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