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Grevenbroich
Warum ein gebrochenes Herz vor allem Frauen krank macht

Grevenbroich: Warum ein gebrochenes Herz vor allem Frauen krank macht
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Grevenbroich. Frauen bricht viel häufiger das Herz als Männern. Das ist keine Theorie, kein sentimentales Geschwafel, sondern Wissenschaft. Das sagt Dr. Cora Dinkloh, und sie muss es wissen - als Oberärztin in der Kardiologie im Grevenbroicher Kreiskrankenhaus St. Elisabeth. Von Julia Hagenacker

Seit 15 Jahren ist die Medizinerin im Beruf, seit fünf Jahren kümmert sie sich um "Herzensangelegenheiten". Gebrochene Herzen, sagt sie, seien ihr in dieser Zeit schon häufig begegnet. Das sogenannte Broken-Heart-Syndrom kommt mit ähnlichen Symptomen wie ein Herzinfarkt daher. Das Herz schmerzt, es krampft sich zusammen, die Brust fühlt sich eng an. Kardiologen befassen sich seit Anfang der 1990er Jahre mit dem Krankheitsbild.

Dr. Cora Dinkloh

"Die Stress-Kardiomyopathie kann bei schweren Verlusten, Trennungen und psychischer Belastung auftreten", sagt Cora Dinkloh. Nach extremem Stress oder traumatischen Erlebnissen wie dem Tod eines Angehörigen oder der Trennung vom Partner "bricht" das Herz. Aber was passiert in diesem Augenblick? Tatsächlich verändert eine Stress-Kardiomyopathie die Form des Herzens. "Der Körper befindet sich in einem Ausnahmezustand, produziert mehr zum Beispiel Adrenalin", sagt die Medizinerin. Es wird vermutet, dass die Stresshormone die Aktivität des Herzmuskels so verändern, dass es zu einer Überreizung der Herzwand kommt. Das Herz verkrampft sich und schmerzt - wie beim Herzinfarkt. Mediziner in Japan haben das Krankheitsbild zum ersten Mal bei älteren Frauen, die ihren Mann verloren hatten, beobachtet. Die Form der linken Herzkammer der Betroffenen erinnerte sie an ein kugeliges Tongefäß mit einem schmalen Hals, das in Japan zum Fang von Tintenfischen genutzt wird. Nach diesem Gefäß wurde die "Gebrochenes-Herz-Krankheit" erstmals benannt: Tako-Tsubo-Syndrom. Ganz selten trifft sie Männer. "Auf zehn erkrankte Frauen", sagt Cora Dinkloh, "kommt meiner Erfahrung nach ein Mann."

Das, vermutet die Kardiologin, liege wohl daran, dass Frauen in Bezug auf emotionale Belastungen empfindsamer und empathischer sind. "An einem gebrochenen Herzen kann man auch sterben", sagt Dinkloh. "Auch, wenn das relativ selten vorkommt. In der Regel erholt sich das Herz innerhalb weniger Tage oder Wochen von den Beschwerden, wenn das akute Tief erstmal überstanden ist." Ruhe, Abschirmung und Gespräche seien da am hilfreichsten, rät die Ärztin. "Wichtig ist aber, dass die Ursache für die Beschwerden in jedem Fall mit einer Katheter-Untersuchung abgeklärt wird. Ist kein Herzkranzgefäß verstopft, ist es auch kein Herzinfarkt."

Der wiederum ist keine ausschließliche Männersache. "Bei Frauen kündigt er sich unter Umständen aber mit anderen Alarmzeichen an", erklärt Cora Dinkloh. "Mit starker Kurzatmigkeit zum Beispiel oder Beschwerden im Oberbauch. Aus kardiologischer Sicht sind Frauen eine Blackbox." Und das habe nichts damit zu tun, dass sie sich Liebeskummer zu sehr zu Herzen nehmen.

Quelle: NGZ
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