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Grevenbroich
Wevelinghovener Mundartdichterin feiert in München ihren Achtzigsten

Grevenbroich. Ihren Jubeltag feiert Marlies Wassermann heute im bayerischen Ebersberg, fernab von ihrem Geburtstort Wevelinghoven. In einem urigen Gasthof mit Alpenblick wird die beliebte Mundartdichterin mit Familie und Freunden auf ihren "Achzigsten" anstoßen. Ganz sicherlich wird dieser Kreis auch in der einen oder anderen Erinnerung an die alte Heimat schwelgen, die Marlies Wassermann vor zwölf Jahren verlassen hat. Bei guter Gesundheit lebt sie in einer Wohnung im Münchener Künstlerviertel Schwabing.

Dass sie in die Bayern-Metropole zog, hat mit einem Schicksalsschlag zu tun. Als ihr Mann viel zu früh starb, wollte Marlies Wassermann ihren Kindern näher sein. Tochter und Sohn hatte es in den Süden der Bundesrepublik verschlagen, und die Wevelinghovenerin reiste ihnen nach. "Das war eine gute Entscheidung", sagt sie heute: "Denn auf diese Weise habe ich meine beiden Enkelinnen, die mittlerweile 20 und 22 Jahre alt sind, aufwachsen sehen können." Der Abschied von ihrem Geburtsort sei ihr allerdings sehr schwer gefallen, "schließlich habe ich sehr an Wevelinghoven gehangen, auch weil dort viele Freunde und Bekannte leben".

Marlies Wassermann wurde am 28. November 1935 in der Gartenstadt geboren, gleich neben dem alten Meier'schen Bauernhof an der damaligen Erftstraße, die heute "Am Wehr" heißt. "Früher wurde Mundart in jedem Haus gesprochen, das hat mich geprägt", erinnert sie sich. Um die Heimatsprache und deren Eigenarten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, setzte sich Wassermann in den 70er Jahren an ihre Schreibmaschine und schrieb Mundartgedichte.

Weil sie in ihren Versen humorvoll die Besonderheiten des Rheinländers und der ihrer Heimat schilderte, war Marlies Wassermann rasch in aller Munde. Ihr Buch "Sonnestrohle" (Sonnenstrahlen), das 1980 erschien und auch heute noch als Sammlerstück im Internet angeboten wird, war vom Start weg ausverkauft. "Ich war damals sehr viel unterwegs, um meine Gedichte vorzutragen", erinnert sie sich. Ein Lob, über das sie sich heute noch freut, kam von der 2010 verstorbenen Neusser Mundartschriftstellerin Sophie Tremblau: "Sie hat mir gesagt: "Dat häste möt vell Hätzblood geschreffe'."

Heute schreibt Marlies Wassermann keine heiteren Mundartverse mehr, ihre Gedichte sind nach dem Tode ihres Mannes ernster geworden. "Außerdem würde hier in München ohnehin niemand unser Platt verstehen", meint Marlies Wassermann. Ihre rheinische Lebensart pflegt sie aber nach wie vor auch jenseits des Weißwurst-Äquators: "Meine Fröhlichkeit habe ich mir behalten - und davon werde ich auch nicht abweichen."

(wilp)
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