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Grevenbroich
Wie die Stadt das Rocken lernte

Grevenbroich: Wie die Stadt das Rocken lernte
Stefan Pelzer-Florack ist seit den frühen 1980er Jahren in der Grevenbroicher Musikszene aktiv. "Inzwischen haben viele Kinder der Musiker, mit denen ich damals angefangen habe, selbst eigene Bands", sagt er. FOTO: Stadt
Grevenbroich. Heute ist der "Tag des Rock'n'Roll". Die Schlossstadt hat eine sehr lebendige Musikszene, die sich seit den 1960er Jahren entwickelt hat. Die Basis legten Beatbands wie "Mods" und "Vampires", heute rocken deren Enkel. Eine Zeitreise. Von Andreas Buchbauer

Dieses Versprechen lässt einen nicht mehr los. "Hey hey my my, Rock'n'Roll can never die", singt der kanadische Musiker Neil Young. Immer wieder, seit 1978. Aus diesem Jahr stammt der Song, und er scheint nicht zu altern. "Hey hey my my (into the black)" ist eine Hymne; sie besagt nicht nur, dass der Rock'n'Roll nie stirbt, sondern formuliert die Verheißung von Hingabe und ewiger Jugend - in der Musik. Ein Versprechen, das überall auf der Welt gilt. In den Schmelztiegeln von New York, London und San Francisco genauso wie im beschaulichen Grevenbroich. Die Schlossstadt hat eine sehr lebendige Musikszene, im Vergleich zu ähnlich großen Städten sogar eine bemerkenswert lebendige. Heute ist der "Tag des Rock'n'Roll" - und das lädt zu einem Streifzug durch die Grevenbroicher Musikgeschichte ein.

Aus "The Savage Ghosts" - hier 1963 in der Gaststätte Esser - ging die Beatband "Vampires" hervor. FOTO: Stadtarchiv/Cremer

Also ab in den DeLorean, Fluxkompensator an und zurück durch die Zeit: in die 1960er Jahre. Damals trat die Beatmusik ihren Eroberungszug an - auch in der Schlossstadt. Bands wie die "Vampires", die "Mods" und in den späten Sixties "The Mrs Great" legten die Basis für alles, was danach kam. Es war die Zeit, als der Rock'n'Roll in Grevenbroich laufen lernte.

Einer, der sich mit der Musikgeschichte bestens auskennt, ist Stefan Pelzer-Florack. Der Leiter des Fachbereichs Kultur ist selbst Musiker, er hat in den frühen 1980ern angefangen. "Heute haben wir 40 bis 50 aktive Bands in der Stadt. Die ersten aber waren die Beat-Bands von einst." Sie haben Türen geöffnet, durch die immer neue Generationen gegangen sind. Oft wurde der Schlüssel sogar innerhalb der Familie weitergegeben. "Es ist schließlich so, dass die Kinder vieler Musiker aus Grevenbroich irgendwann in deren Fußstapfen getreten sind und eigene Bands gründeten."

Die "Vampires" waren für jeden Spaß zu haben. FOTO: Cremer

Im Kern blieb das alles stets Rock'n'Roll, aber die Spielarten änderten sich. Punk, Hardrock, Heavy Metal, Grunge, Indie, Alternative, die Liste ließe sich weit fassen. Spannend dabei ist das Ethos, das der Rock'n'Roll vermittelt: ein Prinzip des Selbermachens. Der US-amerikanische Kulturkritiker Greil Marcus schreibt in seinem Buch "Lipstick Traces - von Dada bis Punk. Kulturelle Avantgarden und ihre Wege aus dem 20. Jahrhundert", dass insbesondere mit Auftreten der Sex Pistols unzählige neue Bands entstanden, um ihr eigenes Ding zu machen. Emanzipatorisch aber war der Rock'n'Roll schon immer, und er brach mit Konventionen. Das war schon bei den Beat-Bands so. Lange Haare und wilder Sound - das stieß in den 1960er Jahren vielen bitter auf. Doch die rockmusikalische Emanzipation suchte sich erst Nischen, begründete dann einen eigenen Kulturraum.

Mit der Zeit wuchsen so Strukturen. An Probenräumen ist es zwar - wie in anderen Städten auch - knapp. Aber es entwickelte sich eine Szene, Gleichgesinnte fanden zueinander, es entstanden Bands und Konzert-Events wie das mittlerweile eingestellte "Rock this town". Heute hat sich vor allem das Café Kultus als Auftrittsmöglichkeit für junge Nachwuchsbands etabliert.

"Headstone" - hier bei einem Konzert 1983 - gilt als "dienstälteste Band der Stadt". FOTO: Stadt

Ihren Sound haben im Lauf der Jahrzehnte viele Gruppen der Schlossstadt aufgedrückt. Zu den erfolgreichsten gehören die Punkrocker von "Planlos", die sich vor fünf Jahren trennten. Aber auch an "Any & The Bodies", "Artless" und viele weitere erinnern sich die Grevenbroicher gern. Zudem gibt es echte Dauerbrenner. ",Headstone' zum Beispiel spielen seit mehr als 30 Jahren ohne Trennung zusammen und können als dienstälteste Band der Stadt bezeichnet werden", sagt Stefan Pelzer-Florack.

Zwei Bands haben in der jüngeren Vergangenheit auch außerhalb von Grevenbroich von sich reden gemacht: "City Light Thief" haben bereits zwei Alben veröffentlicht und traten beim "Hurricane"-Festival sowie im europäischen Ausland auf. Und "Lenny Arrived" haben mit ihrem Folk-Pop-Gypsy-Blues zuletzt viele Konzerte im Kölner Raum gespielt - unter anderem auf der Hauptbühne beim "Birlikte"-Festival im vergangenen Monat.

Quelle: NGZ
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