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Grevenbroich
Wie die Stadt vor 50 Jahren für sich warb

Grevenbroich: Wie die Stadt vor 50 Jahren für sich warb
Moderne Stadt mit Historie: Der Torbogen am Alten Schloss.
Grevenbroich. In einer Image-Broschüre aus den 1960er Jahren stellte sich Grevenbroich als die "bedeutendste Stadt im Erftgebiet" vor. Von Wiljo Piel

Grevenbroich - mitten im Grünen. Eine Stadt, in der gescheckte Kühe auf saftigen Wiesen grasen, in der schmucke Häuser, historische Bauten und moderne Freizeitstätten direkt am blauen Band der Erft liegen, flankiert von hohen Pappeln und knorrigen Weiden. Dass Grevenbroich auch eine Industriestadt ist, in der Maschinen gebaut, Aluminium verarbeitet, Zucker und Strom produziert werden, hat der Zeichner nur angedeutet. Mit einem Zahnrad und vier rosafarbene Rüben, die auf seinem Bild symbolisch für die Wirtschaftskraft einer aufstrebenden Kommune stehen. Grevenbroich zeigte sich vorwiegend als ländlich-gemütliches Städtchen, auf dem Titelbild einer Image-Broschüre, die vor rund 50 Jahren herausgegeben wurde.

Es war die Zeit des Wirtschaftswunders, in der sich die Grevenbroicher ein eigenes Porträt leisteten - und darin ein wenig von dem "Windbeuteltum" preisgaben, das man ihnen im Umland spöttisch vorwarf. Immerhin, so strunzten sie damals, habe man sich nach dem Zweiten Weltkrieg zur "bedeutendsten Stadt des Erftgebietes entwickeln können" - auch dank des Eisenbahnknotenpunktes und beiden Bundesstraßen 1 und 59. Dass gerade die Bahn und deren mehr oder weniger permanent geschlossenen Schranken seinerzeit für verheerende Verkehrsverhältnisse in der Innenstadt sorgte, wurde vorsichtshalber mal verschwiegen.

Die Stadt Grevenbroich wirbt mit ihrer Einkaufsmeile: In den 60ern war die Breite Straße noch keine Fußgängerzone.

Nichtsdestotrotz hatten die Grevenbroicher allen Grund, stolz auf ihre Stadt zu sein. Zwischen 1939 und 1964 hatte sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. 25.000 Menschen lebten in Grevenbroich Und der Bevölkerung wurde laut Image-Broschüre ein ideales Umfeld geschaffen: "Ausgedehnte moderne Siedlungen und Wohngebiete umschließen die Stadt im Norden und Süden", heißt es darin. Und: "Der nach dem Kriege geschaffene Grüngürtel (...) hat die schöne Erftlandschaft mit ihren typischen Pappelbeständen direkt in die Stadt hineingeführt."

Besonders glücklich schienen die Grevenbroicher seinerzeit über ihrem elf Morgen großen, aus Privatbesitz erworbenen Stadtpark zu sein - ein weicher Standortfaktor, wie man heute sagen würde, der "mit alten Baumbeständen und Blumenbeeten mitten im Herzen der Stadt eine Insel der Ruhe und Erholung bildet". Von der Landesgartenschau sollte erst in 20 Jahren die Rede sein. Mit der verschwanden dann auch die "Glück-Auf-Schranken".

Der Bernardusturm mit der Kirche St. Peter und Paul im Hintergrund.

Abwechselnd im Schwarzweiß- und Vierfarbendruck stellten die Grevenbroicher in dem Heft ihre Stadt und ihre Vorzüge vor. Geworben wurde mit Bildern der damals hochmodernen Siedlung in Noithausen, der Einkaufsmöglichkeiten entlang der Breite und Kölner Straße, des proppenvollen Freibades und der flammneuen Realschule an der Bergheimer Straße. Industriebauten mit Schloten und Kühltürmen werden indes in der Image-Broschüre nicht gezeigt. Immerhin gab es im Textteil aber einen kurzen Hinweis auf die wirtschaftliche Seiten der Stadt: "Der lohnende Abbau ausgedehnter Braunkohlenfelder südlich und westlich der Stadt führen zur Errichtung eines modernen Großkraftwerkes der Stromerzeugung", heißt es knapp. Und: "Eine gesunde Mischung bedeutender Werke der Metall-, Maschinen-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie gibt der Stadt die erforderliche Wirtschaftskraft und der Bevölkerung Arbeit und Brot."

Augenscheinlich hatten die Grevenbroicher vor 50 Jahren die Ansiedlung junger Familien im Blick - denn sie warben tüchtig mit ihren Angeboten: "Volkshochschule, Büchereien, regelmäßige Theater- und Konzertveranstaltungen tragen zur Förderung des geistigen und kulturellen Lebens bei", heißt es in dem Heftchen. Und: "Gymnasium, Realschule und Berufsfachschulen, 12 Volksschulen, von denen zehn Schulen nach dem Kriege neu errichtet oder erweitert wurden, stehen neben modernen Sportstätten und Turnhallen zur Verfügung." Nebenbei bemerkt wurde, dass es auch "gepflegte Gaststätten und Hotels" in Grevenbroich gibt, die "zu erholsamer Ruhepause" einladen. Die Image-Broschüre ist auch Teil einer Ausstellung, die zurzeit im Museum vorbereitet, und die einen Blick auf die Stadt in den 1950er und 1960er Jahre werfen wird. "Nierentisch und Wirtschaftswunder", so der Titel, wird am 25. Mai in der Villa Erckens eröffnet.

Historische Bauten und moderne Freizeitstätten am blauen Band der Erft: So stellte sich die Stadt Grevenbroich auf einer Image-Broschüre in den 60er Jahren vor. FOTO: wilp
Quelle: NGZ
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