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Grevenbroich
Wie große Straßen die Stadt veränderten

Grevenbroich: Wie große Straßen die Stadt veränderten
Ein Blick aus der Kölner- in Richtung Lindenstraße: Um 1850 war die Gaststätte "Zum schwarzen Pferdchen" nicht nur ein beliebter Treffpunkt für Zecher, sondern auch eine Haltestation für Postkutschen. FOTO: Stadtarchiv
Grevenbroich. "Unterwegs" ist das Thema einer Netzwerk-Ausstellung von 40 Museen an Rhein und Maas. Grevenbroich beteiligt sich im September an dieser Aktion - mit einer Präsentation, die Geschichte dokumentieren und Geschichten erzählen wird. Von Wiljo Piel

Wie hat die Straße das Gesicht der Stadt im Laufe der Jahrhunderte verändert? Dieser Frage geht zurzeit das städtische Kulturteam nach. Die Mitarbeiter um Archivar Thomas Wolff bereiten sich auf eine Ausstellung mit dem Titel "Unterwegs" vor, mit der sich Grevenbroich ab dem 14. September am vierten Themenjahr des kulturgeschichtlichen Museumsnetzwerks Rhein-Maas beteiligen wird. "Wir werden viele Fotos und Dokumente aus vergangenen Zeiten präsentieren", kündigt Wolff an.

Grevenbroich ist Schnittpunkt alter regionaler Verbindungen: Zwei römische Heerstraßen prägten die Siedlungsgeschichte des heutigen Stadtgebiets. Sie führten von Köln über Jülich in Richtung Aachen und das Gebiet der heutigen Niederlande sowie von Jülich in das befestigte Römerlager in Neuss. "Die Trasse der vermutlich aus dem dritten oder vierten Jahrhundert stammenden Neuss-Jülicher-Straße, der späteren Reichs- und Bundesstraße 1, wurde 2001 im Braunkohletagebau freigelegt und untersucht", sagt Wolff. "Das war auch eine Fundgrube für die Stadtgeschichte."

Die Furt im Sumpf- und Auengebiet - dem "Bruch", dem Grevenbroich seinen Namen verdankt - war auch im Mittelalter die einzige sichere Möglichkeit, in ost-westlicher Richtung Kölner Handelswaren über die Erft nach Brabant zu transportieren. Zugleich war sie eine lukrative Zollstation. "Dort blühte unter den maasländischen Grafen von Kessel zum Ende des 13. Jahrhunderts die kleine Siedlung ,Broich' auf und erhielt bald Stadtrechte", sagt Wolff. Umkämpft von Jülichern und Kölnern im Hoch- und Spätmittelalter, wurde im 19. Jahrhundert ein neuer Schnittpunkt geschaffen: In Grevenbroich kreuzten sich zwei regionale Bahnlinien, die den Aufstieg des Industriestandortes ermöglichten.

"Maschinenbau, Textil- und Nahrungsmittelindustrie waren wesentliche Impulsgeber, bevor die Braunkohle die Landschaft veränderte und auch massiv in die Verkehrsinfrastruktur eingriff", berichtet der Stadtarchivar. So unterbrach der Tagebau Garzweiler für einige Jahre auch das Teilstück der Autobahn 540 in Richtung Jüchen.

Historische Daten wie diese sind es, die im kommenden Monat die Ausstellung prägen werden. Aber nicht nur. "Wir versuchen, die Verkehrsgeschichte an Menschen aufzuziehen, die unmittelbar damit zu tun hatten", berichtet Thomas Wolff. Da wäre zum Beispiel Friedrich Wilhelm Fischer, der Handelsvertreter war und später, um 1850, an der Kölner Straße die Gaststätte "Zum schwarzen Pferdchen" betrieb. Sie war auch Haltestation für Postkutschen, die Grevenbroich passierten. Fischer hatte die Angewohnheit, sämtliche Begebenheiten seiner Zeit in einem Notizbuch zu notieren. Das etwa 200 Seiten starke Heftchen kam im Jahr 2007 in den Besitz des Stadtarchivs. "Auch dieses Buch ist eine Fundgrube für unsere Ausstellung", sagt Wolff. So werde Geschichte mit Geschichten verbunden.

Die Villa Erckens beteiligt sich zum dritten Mal an der Netzwerk-Ausstellung. In den vergangenen Jahren wurden die Geschichte des Altbiers und der Religion am Niederrhein dokumentiert.

Quelle: NGZ
 
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