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Grevenbroich
Wie Heimatvereine ihre Zukunft planen

Grevenbroich: Wie Heimatvereine ihre Zukunft planen
Heimatfreunde wollen den Nachwuchs schon früh für ihre Sache begeistern. Museumspädagogin Katrin Rau übt sich mit ihrem Sohn Noa beim Kartoffelfeuer auf dem Vorster Tuppenhof. FOTO: anja tinter
Grevenbroich. Viele Vereine haben Nachwuchssorgen, verschlafen es aber, junge Menschen aktiv mit einzubeziehen. Dabei gibt es Heimatfreunde quer durch die Generationen - sie müssen sich nur einbringen. Von Christian Kandzorra

Heimatfreunde sind nicht alt. Viele junge Menschen leben gerne im Rhein-Kreis und identifizieren sich mit ihrer Heimat. Trotzdem: Immer mehr Vereine sterben langsam aus, weil ihnen der Nachwuchs fehlt. "Es ist schwierig, junge Menschen für die Vereinsarbeit zu begeistern", sagt Joachim Abraham.

Der 69-Jährige engagiert sich im 140 Mitglieder starken Heimatverein "Kapellener Jonge", der seit rund zehn Jahren besteht, aber kaum junge Menschen für seine Arbeit begeistern kann. "Der Altersdurchschnitt liegt über 50 Jahre", schätzt Joachim Abraham. Aufgeben wollen er und seine Vereins-Kollegen aber nicht. "Unser Ziel ist es, Menschen aus dem alten Ort Kapellen mit den Bewohnern der beiden Neubaugebiete zusammenzubringen", erzählt der Heimatfreund.

Die "Kapellener Jonge" wollen die Bürger künftig stärker mit einbeziehen und die Werbetrommel für ihren Verein rühren, der in Kapellen für eine Reihe beliebter Veranstaltungen verantwortlich ist. "Zum Beispiel organisieren wir traditionell eine Feier, bei der die Weihnachtsbeleuchtung eingeschaltet wird. Teil der Veranstaltung ist immer auch eine Überraschung für Kinder", erzählt Abraham, der in Sachen Nachwuchs auf den jungen Grenadierzug "Immer dabei" setzt. "Dieser Zug ist ein Hoffnungsschimmer für uns", betont der 69-Jährige. Die Mitglieder würden tatkräftig mit anpacken - insbesondere bei Veranstaltungen am Wochenende.

Joachim Abraham hofft, dass in Zukunft weitere junge Menschen zum Verein finden, der künftig noch stärker auf Jugendliche eingehen und jetzt auch mit einer neu gestalteten Internsetseite auf sich aufmerksam machen will. "Schließlich ist es ein tolles Gefühl, etwas für seine Heimat zu tun", sagt er.

Dass Kinder und Jugendliche manchmal ganz gezielt angesprochen werden müssen, bestätigt Franz-Josef Weihrauch aus Allrath. Er ist nicht nur Mitglied der Dorfgemeinschaft, sondern auch Präsident des örtlichen Turnvereins, der rund 450 Mitglieder zählt. Inzwischen sind etwa 180 von ihnen jünger als 18 Jahre. "Wir arbeiten daran, noch mehr Kinder und Jugendliche für unseren Verein zu begeistern. Das ist wirklich nicht einfach. Wir müssen uns anpassen", erzählt Weihrauch.

Der Plan: Junge Menschen, die selbst im Verein groß geworden sind, übernehmen Verantwortung - und zwar als Trainer und Vorstandsmitglieder. "Ich denke, dass es sehr wichtig ist, junge Menschen sehr früh Verantwortung übernehmen zu lassen", betont der TV-Präsident, der in seinem Verein "langsam aber sicher" einen Zuwachs an Kindern und Jugendlichen verzeichnet.

Viele Vereine verschlafen es, Jugendliche früh Verantwortung tragen zu lassen. "Doch damit allein ist es nicht getan. Wir merken zum Beispiel, dass uns Kinder verloren gehen, die auf die weiterführende Schule wechseln. Da müssen wir gegensteuern", sagt Franz-Josef Weihrauch. Damit das Angebot des Turnvereins nicht an Attraktivität einbüßt, werden ganze Trainingseinheiten aktuellen Trends angepasst.

So wurde aus dem alten Kinderturnen etwa das Programm "Fit Kids", bei dem das Training mit dem eigenen Körper im Mittelpunkt steht. Interessant: Der Turnverein arbeitet eng mit der Dorfgemeinschaft zusammen, die laut Weihrauch erst kürzlich eine Umfrage im Ort gestartet hat, die sich mit den Freizeitinteressen von Kindern und Jugendlichen befasste.

Mit diesen Interessen setzt sich auch das Team des Vorster Tuppenhofs als Kulturzentrum auseinander - allen voran zwei Museumspädagoginnen. "Es ist uns wichtig, Kinder und Jugendliche schon früh an unser Museum heranzuführen", sagt Vereins-Vorsitzender Norbert Kallen, der ebenfalls berichtet, dass es schwierig ist, junge Menschen für Aktionen und vor allem fürs Ehrenamt zu begeistern. Gemeinsam mit den Pädagoginnen versucht er trotzdem, Interesse zu wecken - zum Beispiel bei Ferienaktionen.

Quelle: NGZ
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